Wirtschaft
Wohin geht die Reise für VW?
Wohin geht die Reise für VW?(Foto: picture alliance / dpa)

Aufsichtsrat berät erneut: VW ruft erst 2016 Autos zurück

Einmal mehr muss sich der mächtige VW-Aufsichtsrat mit der Aufarbeitung der Abgas-Krise befassen. Die Nachbesserung der Fahrzeuge wird lange dauern - und laut Konzernchef Müller das Ergebnis "unter Druck" bringen.

Bei der Nachbesserung der vom Abgas-Skandal betroffenen Dieselfahrzeuge müssen Volkswagen-Kunden Geduld haben: Die Rückrufaktion soll Anfang des kommenden Jahres beginnen und kann sich lange Zeit hinziehen. "Bis Ende 2016 sollen dann alle Autos in Ordnung sein", sagte VW-Chef Matthias Müller der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". VW müsse die jeweilige Lösung auf jedes Modell abstimmen und die notwendigen Teile bestellen. Sorgfalt gehe vor Geschwindigkeit. "Wenn alles läuft wie geplant, können wir im Januar den Rückruf starten."

Es gehe um den Motor EA 189 in Kombination mit verschiedenen Getrieben und diversen länderspezifischen Auslegungen. "Wir brauchen also nicht drei Lösungen, sondern Tausende." Für die meisten Motoren genüge ein Update der Software in der lokalen Werkstatt. Manche Fahrzeuge aber könnten neue Injektoren und Katalysatoren brauchen. Müller sagte, VW habe in dieser Woche dem Kraftfahrtbundesamt technische Lösungen vorgestellt.

VW bittet um Verzeihung

Video

Europas größter Autokonzern hatte eingeräumt, mit einem Computerprogramm die Abgaswerte bei Dieselwagen manipuliert zu haben. Weltweit sind nach Konzernangaben rund 11 Millionen Fahrzeuge betroffen, davon rund 2,8 Millionen auch in Deutschland. VW hatte bereits mitgeteilt, alleine 5 Millionen Fahrzeuge der Konzern-Kernmarke VW in die Werkstätten holen zu wollen. 

Bei seinen US-Kunden entschuldigte sich Volkswagen in einem Brief für den Abgasskandal. In einem Schreiben vom 29. September, das der Nachrichtenagentur Reuters vorlag, erklärte US-VW-Chef Michael Horn, dass der Konzern das Vertrauen der Fahrzeugkäufer verletzt habe. Er bitte deshalb persönlich die Kunden um Verzeihung. Der Konzern arbeite hart daran, die betroffenen Autos so bald wie möglich in Ordnung zu bringen. Dies werde jedoch einige Zeit in Anspruch nehmen.

Aufsichtsrat berät erneut

Zur Aufarbeitung des Skandals kommt im Tagesverlauf der VW-Aufsichtsrat zusammen. Das 20-köpfige Kontrollgremium will ab 9 Uhr auf dem Werksgelände in Wolfsburg abermals abgeschottet von der Öffentlichkeit über die nächsten Schritte zur Bewältigung des Manipulations-Skandals beraten. 

Auf der Agenda steht dabei auch die nicht unumstrittene Personalie Hans Dieter Pötsch. Der bisherige VW-Finanzchef soll nach dem Willen des Präsidiums Chef des Aufsichtsrates werden. Kritiker, wie die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK), sehen in seiner Person den falschen Kandidaten zur Aufarbeitung der Abgas-Krise, da nicht zweifelsfrei nachgewiesen sei, dass er keine persönliche Verantwortung für Verfehlungen in der Affäre trage.

Dennoch wird in Aufsichtsratskreisen davon ausgegangen, dass es nur eine Formalie ist, dass der gesamte Aufsichtsrat dem Präsidiumsbeschluss für Pötsch zustimmt. Anschließend soll Pötsch vom Amtsgericht Braunschweig für das Kontrollgremium benannt werden. 

Müller: "Ergebnis massiv unter Druck"

Auf einer Betriebsversammlung am Dienstag hatte VW-Chef Müller die Beschäftigten auf schwere Zeiten eingestimmt. Milliardenschäden durch den Abgas-Skandal drohen demnach zentrale Investitionspläne bei Volkswagen zu kippen. "Unser Ergebnis und die bisherige Finanzplanung kommen massiv unter Druck", sagte Müller. VW drohen Milliardenschäden.

Diesel-Testergebnisse in wenigen Tagen

Nach Informationen der "Welt" will das Bundesverkehrsministerium in wenigen Tagen Klarheit darüber haben, ob womöglich auch andere Autohersteller bei Abgastests getrickst haben. Es solle geprüft werden, ob und in welchem Umfang eventuell illegale Abschalttechnik verwendet und damit die Messergebnisse manipuliert worden seien, berichtete die Zeitung. Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) führe dafür Tests bei allen Herstellern durch, die in Deutschland in nennenswerter Zahl Autos verkaufen. "Die Ergebnisse der Nachprüfungen der Dieselfahrzeuge werden in den nächsten Tagen veröffentlicht", sagte ein Sprecher des Verkehrsministeriums.

Konkret wird der Zeitung zufolge geprüft, wie groß die Differenzen der Abgastest-Werte bei den offiziellen Testzyklen auf dem Rollstand und im tatsächlichen Straßenverkehr sind. Es gehe darum festzustellen, ob Grenzwerte überschritten und Gesetze verletzt worden seien, sagte der Sprecher. Er betonte zugleich, dass das KBA auch schon in der Vergangenheit regelmäßig entsprechende Kontrollen vorgenommen habe. Das Ministerium wehrt sich damit gegen den Vorwurf, dem Verdacht auf mögliche Manipulationen bei Abgastests nicht nachgegangen zu sein.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen