Angebot für KarstadtVerdi misstraut Berggruen
Die Investmentgesellschaft Berggruen Holdings will Karstadt vollständig übernehmen. Die Gwerkschaft Verdi gibt sich allerdings skeptisch.
Die Gewerkschaft Verdi hat Zweifel an der Seriosität der Karstadt-Offerte des Investors Nicolas Berggruen angemeldet. Das Angebot werfe zahlreiche Fragen auf, sagte eine Verdi-Sprecherin. Die zentrale Frage sei, warum Berggruen seine Offerte erst jetzt, "fünf Tage vor Toresschluss", vorgelegt habe. "Wir zweifeln an der Nachhaltigkeit seines Engagements", sagte sie.
Ein Sprecher des Investors betonte hingegen, Berggruen habe kein Interesse an einer kurzfristigen Gewinnmaximierung und einem schnellen Verkauf. Er sei ein "unternehmerischer Investor". Das bewiesen seine bisherigen Engagements.
Gegen den schnellen Euro
Verdi wolle verhindern, dass jemand Karstadt "auf die Schnelle kauft, einen schnellen Euro macht und sich schnell wieder von der Warenhauskette trennt", sagte die Sprecherin. Die Gewerkschaft wolle Berggruen aber nicht unterstellen, dass er dies tatsächlich vorhabe. Erfreulich sei jedenfalls, dass Berggruen keine "halsabschneiderischen Forderungen" an die Belegschaft stelle wie dies der zweite Interessent Triton tue.
Der Sprecher Berggruens unterstrich erneut, der Investor fordere von der Belegschaft bei den Löhnen keine weiteren Zugeständnisse. Anders sei die Sache aber bei den Vermietern der Warenhäuser, hier werde ein weiteres Entgegenkommen erwartet. Bei den Vermietern handelt es sich vor allem um das "Highstreet"-Konsortium um die US-Investmentbank Goldman Sachs.
Ein Highstreet-Sprecher sagte, bislang sei niemand wegen neuer Zugeständnisse auf das Konsortium zugekommen. Highstreet sei aber "selbstverständlich weiter an einer tragfähigen Lösung interessiert". Das Konsortium habe jedoch schon in der Vergangenheit "substanzielle Zugeständnisse" gemacht.
Triton will Zugeständnisse
Bislang hat nur der deutsch-schwedische Investor Triton für Karstadt geboten. Triton fordert aber auch von der Belegschaft weiterreichende finanzielle Zugeständnisse, über 4000 Stellen in defizitären Abteilungen stehen zur Disposition. In dieser Woche hatte der Finanzinvestor unter Führung des Ex-Investmentbankers Hans Maret angesichts stockender Verhandlungen mit der Gewerkschaft Verdi gedroht, sein Gebot zurückzuziehen. Die Verdi-Sprecherin betonte nun, die Gewerkschaft sei immer zu Gesprächen bereit. Basis dafür müsse aber der ausgehandelte Sanierungstarifvertrag sein, bekräftigte sie.
Berggruen, der nach eigenen Angaben eine milliardenschwere Investmentgesellschaft verwaltet, hatte am Freitag ein Angebot für alle 120 Karstadt-Häuser bei Insolvenzverwalter Klaus-Hubert Görg abgegeben, wie ein Sprecher Berggruens sagte. Ihm gehe es darum, die "Kultmarke Karstadt" und die 25.000 Arbeitsplätze zu retten, hieß es. Görg bestätigte die zweite Offerte, nannte aber keinen Namen.
Berggruen ist der zweite Sohn des Berliner Kunstsammlers und Mäzens Heinz Berggruen, der seine Sammlung mit Werken unter anderem von Picasso und Matisse in den 1990er-Jahren der Stadt Berlin vermacht hatte. In Deutschland gehören Nicolas Berggruen zahlreiche historisch wertvolle Immobilien in Berlin. Ende 2007 hatte er wesentliche Teile des in die Insolvenz gegangenen Möbelherstellers Schieder aus Westfalen übernommen.
Der Gläubigerausschuss von Karstadt muss am nächsten Freitag entscheiden, wer den Zuschlag für Karstadt erhält. Bis dahin müssen sich Triton und Berggruen mit den Beteiligten geeinigt haben. Das zuständige Gericht in Essen entscheidet am 31. Mai, ob der Insolvenzplan in Kraft treten kann. Im Falle eines Scheiterns und einer dann folgenden Zerschlagung Karstadts könnte auch wieder der Handelsriese Metro aktiv werden, der Interesse an einzelnen Warenhäusern angemeldet hatte und diese mit seiner Tochter Kaufhof zusammenführen will.