Wirtschaft
Teilt per Twitter aus: US-Präsident Donald Trump.
Teilt per Twitter aus: US-Präsident Donald Trump.(Foto: REUTERS)
Donnerstag, 29. Juni 2017

US-Präsident teilt aus: Warum Trump Amazon disst

Von Jan Gänger

Donald Trump attackiert Amazon in einem wütenden Tweet und wirft dem Konzern vor, keine "Internet-Steuern" zu zahlen. Nun wird gerätselt, was der US-Präsident damit wohl meint.

Dicke Freunde werden Donald Trump und Jeff Bezos wohl nicht mehr. Schon im Wahlkampf hatte der spätere US-Präsident gegen den Amazon-Gründer ausgeteilt – nun gab er die zwischenzeitliche Zurückhaltung auf und legte mit einem wütenden Tweet nach.

"Die #AmazonWashingtonPost, manchmal bezeichnet als Beschützerin von Amazon, das keine Internet-Steuern zahlt (was es sollte), ist FAKE NEWS", twitterte der US-Präsident. Das wirft die Frage auf: Was will Trump damit sagen?

Trump vermischt in diesem Tweet drei Vorwürfe: a) Amazon zahle keine "Internet-Steuern", b) die "Washington Post" schreibe "Fake News" sowie c) die Zeitung und Amazon gehörten zusammen.

Bezos, laut "Forbes" der weltweit drittreichste Mensch, hatte die Zeitung 2013 für 250 Millionen Dollar gekauft. Sie gehört ihm – und nicht Amazon. Bezos ist der Chef des Konzerns und Großaktionär.

Schon im Wahlkampf hatte Trump gegen die liberale "Washington Post" gewettert, ganz offensichtlich ärgerten ihn kritische Berichte. Deshalb gehörte deren Besitzer Bezos zu Trumps Lieblingsgegnern. Und auch gegen Amazon teilte er aus. "Sollte @amazon jemals faire Steuern zahlen müssen, würden deren Aktien einbrechen und es würde wie eine Papiertüte zusammengeknüllt. Der Betrug der @washingtonpost rettet es", twitterte Trump beispielsweise. Später drohte er in einer Wahlkampfrede, Amazon werde "gewaltige Probleme" bekommen, wenn er Präsident sei.

Trump unterstellt dem Amazon-Gründer schon länger, die "Washington Post" für persönliche Zwecke zu nutzen: "Sie ist ein Spielzeug von Bezos", sagte er vergangenes Jahr in einem Interview mit "Fox News". "Amazon kommt, was Steuern angeht, regelrecht mit Mord davon. Er [Bezos] nutzt die "Washington Post" als Machtinstrument, so dass die Politiker in Washington Amazon nicht so besteuern, wie es sein sollte."

Verwirrend an Trumps neuer Attacke ist vor allem der Vorwurf, Amazon zahle keine "Internet-Steuern". Eine solche Steuer gibt es in den USA nicht. Daher ist nicht klar, was der US-Präsident damit meint. Wahrscheinlich wirft er Amazon vor, in den USA Produkte umsatzsteuerfrei zu verkaufen.

Fotomontagen in Golf-Clubs

Tatsächlich hat Amazon jahrelang keine Umsatzsteuer gezahlt. Der Oberste Gerichtshof hatte entschieden, dass Bundesstaaten von Händlern keine solche Steuer verlangen dürfen, wenn sie ausschließlich im Internet präsent sind und keine stationären Verkaufsräume haben. Der klassische Einzelhandel kritisierte das vehement als unfair.

Doch mittlerweile erhebt Amazon eine Umsatzsteuer in den US-Bundesstaaten, in denen es diese gibt. Das liegt wohl vor allem daran, dass Amazon in den USA stationäre Läden für Bücher, Lebensmittel und Möbel testet. Der Vorwurf Trumps geht somit ins Leere.

Waren Bezos und Amazon im Wahlkampf noch eine beliebte Zielscheibe Trumps, hatten seine Attacken in letzter Zeit nachgelassen. Beide Männer hatten sich bei mehreren Gelegenheiten getroffen, etwa vergangene Woche. Trump hatte mit Bezos und anderen Spitzenmanagern von Technologieunternehmen darüber gesprochen, die Computersysteme der Regierung zu modernisieren.

Doch etwas scheint Trump nun besonders wütend gemacht zu haben. Wahrscheinlich ist es der Bericht der "Washington Post", dass Trump sich in vier seiner Golfklubs mit einem gefälschten Titelbild des "Time"-Magazins schmückt. Das gerahmte Bild zeigt ihn mit verschränkten Armen in die Kamera blickend. Die Schlagzeile dazu lautet, in Anlehnung an seine TV-Show "The Apprentice" ("Der Lehrling"): "The Apprentice ist ein riesiger TV-Erfolg!". Eine solche Ausgabe hat es allerdings nie gegeben. Der "Time"-Verlag hat Trump derweil gebeten, die Fotomontagen zu entfernen.

Unabhängig davon entbehrt der Vorwurf der Steuervermeidung an Amazon nicht einer gewissen Ironie: In einer Fernsehdebatte hatte Hillary Clinton ihrem Gegner Trump unterstellt, er zahle keine Einkommensteuern auf Bundesebene. Er entgegnete: "Das macht mich schlau."

Quelle: n-tv.de

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