Blick in die KristallkugelWas die Bundesregierung voraussagt

Einkommenssteigerungen, sinkende Inflation und weiter sinkende Arbeitslosenzahlen: Das klingt alles sehr positiv und dennoch gehen diese Prognosen laut Bundesregierung mit einem deutlichen Einbruch des Wirtschaftswachstums einher. Alles also nur halb so wild?
Nach zwei Boomjahren in Folge droht der deutschen Wirtschaft ein Abschwung. Die Bundesregierung rechnet nur noch mit einem Mini-Wachstum von 0,7 Prozent. Die Flaute werden die meisten Deutschen nach Einschätzung der Bundesregierung aber kaum spüren:
Einkommen und Inflation
Trotz der Konjunkturflaute sollen die Einkommen kräftig steigen. Erwartet wird ein Plus von drei Prozent. Das wäre fast so viel wie im Boomjahr 2011 mit 3,3 Prozent. "Dies ist seit dem Wiedervereinigungsboom der größte Anstieg der verfügbaren Einkommen in zwei aufeinanderfolgenden Jahren", heißt es im Jahreswirtschaftsbericht. "Das stärkt die Kaufkraft." Die Nettoverdienste steigen demzufolge um 2,5 Prozent, die Selbständigen- und Vermögenseinkommen noch schneller.
Mit dem Wirtschaftswachstum dürfte auch der Preisdruck nachlassen. Erwartet wird eine durchschnittliche Teuerungsrate von 1,8 Prozent - nach 2,3 Prozent im abgelaufenen Jahr. Nach Definition der Europäischen Zentralbank herrschen damit stabile Preise: Diese sieht sie bei Werten knapp unter zwei Prozent gewährleistet. "Das sich abschwächende weltwirtschaftliche Wachstum wirkt den Inflationsgefahren entgegen", ist sich die Regierung sicher.
Arbeit und Konsum
Die Zahl der Arbeitslosen soll um 100.000 fallen, die Arbeitslosenquote von 7,1 auf 6,8 Prozent sinken. Die Zahl der Erwerbstätigen dürfte gleichzeitig um 220.000 auf 41,3 Millionen steigen. "Es wird damit in diesem Jahr ein erneuter Beschäftigungsrekord erwartet", schreibt die Bundesregierung. "Neue Arbeitsplätze sind fast ausschließlich sozialversicherungspflichtig."
Die Deutschen dürften in Kauflaune bleiben. Stiegen die privaten Konsumausgaben 2011 mit 1,5 Prozent so stark wie seit fünf Jahren nicht mehr, so sollen sie in diesem Jahr mit 1,2 Prozent ebenfalls kräftig zulegen. "Die Voraussetzungen hierfür sind nach wie vor ausgezeichnet: Der Arbeitsmarkt ist robust, die Einkommen steigen und das Preisklima ist günstig." Hinzu kommen leichte Entlastungen durch den niedrigeren Beitragssatz zur gesetzlichen Rentenversicherung: Er sank zu Jahresbeginn von 19,9 auf 19,6 Prozent.