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Geldpolitik mit weltweiten Nebenwirkungen: Die Entscheidungen aus Washington bewegen weit mehr als nur den Dollar.
Geldpolitik mit weltweiten Nebenwirkungen: Die Entscheidungen aus Washington bewegen weit mehr als nur den Dollar.(Foto: REUTERS)

Abschiedsgeschenke von Bernanke?: Washington trommelt zum Zinsentscheid

Der Tag der Entscheidung rückt näher: Mitte der Woche versammeln sich die obersten Währungshüter der USA zu ihrer ersten zinspolitischen Sitzung des Jahres. Es ist das letzte Treffen unter dem Vorsitz von Fed-Chef Bernanke.

Nur der Name ist in Stein gemeißelt. Zeitpläne und Zinsprognosen sind es nicht.
Nur der Name ist in Stein gemeißelt. Zeitpläne und Zinsprognosen sind es nicht.(Foto: REUTERS)

Die Erwartungen am Markt sind klar: Die Mitglieder im maßgeblichen Offenmarktausschuss dürften den immer noch weit geöffneten Geldhahn ein Stück weiter zudrehen, heißt es. Die meisten Volkswirte gehen davon aus, dass die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) ihre massiven monatlichen Käufe von Staatsanleihen und Hypothekenpapieren um weitere 10 Milliarden US-Dollar zurückfahren wird. Das sogenannte "Tapering" dürfte sich dabei wie bereits im Dezember hälftig auf Staats- und Hypothekenpapiere aufteilen. Der vor dem Jahreswechsel vorgelegte Arbeitsmarktbericht sollte die grundsätzlich optimistische Konjunktureinschätzung der Zentralbank für das laufende Jahr nicht getrübt haben, meinten Beobachter.

Wenn es so kommt, wie die Experten erwarten, dann wird die Fed das Volumen ihrer Anleihenkäufe von derzeit 75 Milliarden auf 65 Milliarden Dollar pro Monat zurücknehmen. Im vergangenen Jahr hatte die Notenbank noch Monat für Monat Wertpapiere im Wert von 85 Milliarden Dollar aus dem Markt herausgekauft, um trotz eines Leitzinses von praktisch null noch zusätzlichen Einfluss auf die Geldpolitik nehmen zu können. Über die erweiterte Lockerung der Geldpolitik versucht die Fed, insbesondere die Beschäftigung, aber auch den Konsum und die Investitionen anzukurbeln.

Wechsel mit Fingerspitzengefühl

Angesichts ermutigender Wirtschaftsdaten und den zahlreichen Anzeichen für eine langsam sichtbare Konjunkturerholung hatte Fed-Chef Bernanke bereits im Dezember den Ausstieg eingeleitet und damit noch vor der Übergabe der Amtsverantwortung an seine Nachfolgerin Janet Yellen damit begonnen, die Wertpapierkäufe schrittweise um 10 Milliarden zu drosseln.

Das Konzept der US-Notenbank zur Konjunkturbelebung ruht auf zwei Säulen: Wertpapierkäufe und niedrige Zinsen. Um zu verhindern, dass bei einem Zurückfahren der Anleihenkäufe gleichzeitig die Marktzinsen steigen und so die erhoffte Erholung vorzeitig abwürgen, will die US-Notenbank klar kommunizieren, dass eine Erhöhung der Leitzinsen noch lange nicht ansteht. Selbst "lange nachdem" die Arbeitslosenquote unter 6,5 Prozent gefallen ist, will die Fed eigenen Angaben zufolge an extrem niedrigen Zinsen festhalten. Im Dezember lag die Quote im offiziellen Arbeitsmarktbericht bei 6,7 Prozent.

Die zuletzt schwachen Daten vom Arbeitsmarkt dürften nach Ansicht von Analysten nur ein Ausreißer gewesen sein und gelten auch an der Wall Street nicht als Vorbote eines längeren Abwärtstrends. Die überraschend schlechten Arbeitsmarktdaten im Dezember führen Experten auf die Kältewelle in den USA zurück. Die Dezemberdaten dürften die Währungshüter daher nicht von einer weiteren Drosselung abhalten, selbst wenn die Witterung noch auf die Januar-Daten ausstrahlen sollte.

Die nächste Keule lauert schon

Wenn die Fed ihr derzeitiges Tempo beim "Tapering" beibehält, dann müsste das Kaufprogramm rein rechnerisch schon im Oktober 2014 auslaufen. Allerdings gibt es noch Unwägbarkeiten, die diesen Zeitplan durchkreuzen könnten - etwa den ungelösten Streit über die gesetzliche Schuldenobergrenze. Zwar wurde der Budgetstreit für das laufende Fiskaljahr beigelegt, doch in spätestens fünf Wochen steht der nächste Schlagabtausch zwischen Demokraten und Republikanern an. Dann müssen die USA ihre gesetzliche Schuldenobergrenze von 17 Billionen Dollar anheben.

US-Finanzminister Jack Lew hat davor gewarnt, dass die Zahlungsunfähigkeit der USA schon Ende Februar und nicht erst im März erreicht sei, falls nicht vorher die Schuldenobergrenze erhöht wird. Lew plädiert dafür, dass die bis 7. Februar ausgesetzte Schuldengrenze schon vor diesem Datum nach oben angepasst wird.

Im Offenmarktausschuss ändert sich bei der ersten Sitzung des Jahres turnusgemäß die Zusammensetzung der stimmberechtigen Mitglieder. An die Stelle von James Bullard, Charles Evans, Esther George und Eric Rosengren rücken Richard Fisher, Charles Plosser, Sandra Pinalto und Narayana Kocherlakota. Mit Fisher und Plosser sitzen nun zwei "geldpolitische Falken" im FOMC, im vorigen Jahr gab es mit Esther George nur eine Person mit dieser Ausrichtung. Die Abstimmungen könnten damit leicht konservativer ausfallen.

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Quelle: n-tv.de

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