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Showdown im Machtkampf bei VW? Ferdinand Piëch ist bereit.
Showdown im Machtkampf bei VW? Ferdinand Piëch ist bereit.(Foto: picture alliance / dpa)

Demontage von Winterkorn läuft: Wen setzt Piëch ans VW-Steuer?

Von Diana Dittmer

VW-Patriarch Piëch scheint seinen einstigen Ziehsohn Winterkorn kalt abservieren zu wollen. Nur wen hat er als Nachfolger im Kopf? Piëch hat klare Vorstellungen. In das Raster passen gleich mehrere Kandidaten.

Die Zukunft von VW-Vorstandschef Martin Winterkorn entscheidet sich möglicherweise schneller als gedacht. In der Machtprobe bei Volkswagen kommt heute außerplanmäßig das Präsidium des Aufsichtsrates zusammen. Auf der Agenda soll die Personalie Winterkorn stehen. Mit seinen sechs Mitgliedern stellt das Gremium den Kern des 20-köpfigen Aufsichtsrats - darunter Oberaufseher Ferdinand Piëch und der Sprecher der Porsche-Familie, Wolfgang Porsche. Das Präsidium stellt traditionell die Weichen für die Aufsichtsratssitzungen.

Gelingt es VW-Patriarch Piëch den Aufsichtsrat zu überzeugen und seinen ehemaligen Ziehsohn abzuservieren, stellt sich die Frage, wen er als Nachfolger ausgemacht hat. Der 77-Jährige stand von 1993 bis 2002 selbst an der Spitze des Wolfsburger Konzerns. Im "Spiegel" gab das VW-Urgestein bereits Hinweise auf Kandidaten für beide Spitzenposten - sowohl den VW-Vorstandsvorsitz, als auch den Vorsitz des Kontrollgremiums, wenn er selbst 2017 von seinem Amt abtritt. Die Auserkorenen sollen im Unternehmen arbeiten, keine Mitglieder der Familie Piech-Porsche - mit 51 Prozent Hauptaktionär von VW - und Techniker sein. Das heizt Spekulationen an.

Müller oder Pötsch? Es kann nur einen Nachfolger für Winterkorn geben.
Müller oder Pötsch? Es kann nur einen Nachfolger für Winterkorn geben.(Foto: picture alliance / dpa)

Als klarer Favorit für den VW-Chefposten gilt Porsche-Chef Matthias Müller. Er hat bereits signalisiert, dass er bereit steht. Der Name des 61-Jährigen wird seit Monaten als Nachfolger gehandelt. Er sollte Winterkorn ablösen, wenn dieser in einigen Jahren in das Kontrollgremium wechseln würde. Noch vor wenigen Wochen erteilte Müller diesen Gerüchten jedoch eine Absage. Er begründete dies mit seinem Alter. Offenbar ist ein Wechsel inzwischen doch attraktiv, was damit zu tun haben könnte, dass er jetzt vielleicht schneller als gedacht erfolgt. Für Müller spricht, dass er seit annähernd vier Jahrzehnten im Konzern arbeitet. Er lernte bei Audi in Ingolstadt Werkzeugmacher und kehrte nach dem Informatikstudium dorthin zurück. Als Produktmanager brachte er den heutigen Verkaufsschlager Audi A3 auf den Markt. Als Winterkorn 2007 als Chef von Audi an die VW-Spitze wechselte, ging Müller mit nach Wolfsburg, wo er die Produktstrategie des Konzerns bestimmte. Nach der gescheiterten Übernahme von Volkswagen durch Porsche, die mit der Unterordnung Porsche als zwölfte Marke des Konzerns endete, übernahm er 2010 die Porsche-Führung.

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Neben Müller werden auch noch andere Namen heiß gehandelt. In Frage käme zum Beispiel auch Finanzchef Hans Dieter Pötsch. Der Österreicher stand lange als Interimsnachfolger für den Fall bereit, dass Winterkorn Aufsichtsratschef Piëch beerben würde. Pötsch ist - wie Müller - Anfang 60. Der Wirtschaftsingenieur stellte seine Fähigkeiten unter Beweis, als er den Dax-Konzern seit 2003 als Finanzchef an den Klippen komplizierter Transaktionen wie der Porsche-Übernahme vorbeilotste. Vor knapp zehn Jahren hätte Piëch ihn schon mal fast abberufen - das war im Zuge des Führungswechsels vom ungeliebten VW-Chef Bernd Pischetsrieder, der Pötsch aus gemeinsamen Zeiten bei BMW kannte, zu Ziehsohn Winterkorn. Am Ende durfte Pötsch bleiben. Er erwies sich als sehr wertvoll er für Europas größten Autobauer.

Ein weiterer Kandidat ist Skoda-Chef Winfried Vahland. Der öffentlich kaum bekannte Westfale hat die tschechische Tochter Skoda zu einer Erfolgsstory im Konzern gemacht. Die Marke macht dank aufpoliertem Design bei günstigen Preisen der Kernmarke VW Konkurrenz. Meriten hat sich Vahland auch vor zehn Jahren in China verdient, wo er frühzeitig im Autoboom die Basis für einen Erfolg von Volkswagen auf seinem wichtigsten Markt legte. Der 58-jährige Maschinenbauer und Betriebswirt ist in der Wolfsburger Zentrale gut vernetzt und hoch angesehen.

VW-Markenchef Herbert Diess
VW-Markenchef Herbert Diess(Foto: picture alliance / dpa)

Als künftiger Chef der Kernmarke VW käme sonst noch VW-Markenchef Herbert Diess in Frage. Der bisherige BMW-Manager wechselt im Sommer zu Volkswagen. Er soll dort von Winterkorn die Führung der schwächelnden Hauptmarke VW übernehmen. Diess gilt als knallharter Kostendrücker, der Sparprogramme kompromisslos gegen Kritik der Belegschaft durchdrückt. Bei BMW rückte der promovierte Maschinenbau-Ingenieur nach rund zehn Jahren 2007 in den Vorstand als Einkaufschef auf, um mit Milliardeneinsparungen die Rendite hochzutreiben. Unter Zulieferern war Diess als harter Verhandler gefürchtet. Zeitweise galt er als möglicher Nachfolger von Konzernchef Norbert Reithofer, doch dazu wurde dann Produktionschef Harald Krüger bestimmt.

VW-Nutzfahrzeug-Vorstand Andreas Renschler
VW-Nutzfahrzeug-Vorstand Andreas Renschler(Foto: picture alliance / dpa)

Ein weiterer Kandidat wäre wohl auch VW-Nutzfahrzeug-Vorstand Andreas Renschler. Als der langjährige Daimler-Manager in Stuttgart 2014 das Handtuch warf, nannte er die fehlende Perspektive auf den Chefsessel als einen Grund. Bei Volkswagen arbeitet er seit Februar als Nutzfahrzeug-Vorstand an einer Allianz der beiden Lkw-Töchter MAN und Scania. Dem 57-jährigen Wirtschaftsingenieur fehlt allerdings so wie Diess noch der Stallgeruch, und er hat zudem bei den Nutzfahrzeugen eine große Baustelle zu beackern, sodass er womöglich erst nach einer Übergangszeit als oberster Lenker des Volkswagen-Imperiums in Frage käme.

Chefentwickler Ulrich Hackenberg
Chefentwickler Ulrich Hackenberg(Foto: picture alliance / dpa)

Als letzter Name wäre Ulrich Hackenberg, Chefentwickler von Audi und VW, zu nennen. Der Maschinenbau-Professor hat als Techniker in der Autobranche einen Ruf wie Donnerhall. Er kam 2007 zusammen mit Winterkorn von Audi zu VW. In einer Doppelfunktion soll Hackenberg seit 2013 neben der Leitung der Entwicklung im Konzern die Premiumtochter wieder zum Innovationsmotor machen. Experten sehen in dieser Rolle derzeit eher BMW. Der oft nur "Hacki" genannte Manager hat die Baukastentechnik entwickelt, mit der über einheitliche Fahrzeugteile die Produktionskosten gesenkt werden sollen. Hackenberg wird im Mai 65 Jahre alt. Das mag aus Sicht des 77-jährigen Piech kein Rentenalter sein, doch käme er deshalb aber vielleicht nur als Übergangschef in Frage.

Winterkorns Vertrag läuft Ende 2016 aus. Bislang heißt es, er wolle sich nicht vertreiben lassen. Wen auch immer Piech auserkoren hat. Er wird seiner Familie und dem Aufsichtsratsgremium überzeugend darlegen müssen, warum er mit Winterkorn unzufrieden ist, und warum ein anderer Mann an der Spitze von VW besser sein soll. Ein Durchmarsch wird es nicht. Zumal der Sprecher des anderen Eigentümer-Clans, Wolfgang Porsche, bereits auf Distanz zu den Äußerungen seines Cousins gegangen ist. Piechs Wort hat zwar Gewicht, aber auch Winterkorn hat Unterstützer. Dazu zählen auf der Kapitalseite die Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat und die zwei Vertreter des VW-Großaktionärs Niedersachsen. Piëch muss im Aufsichtsrat Mehrheitsverhältnisse schaffen. In der Vergangenheit ist ihm dies aber noch nie schwer gefallen.

Quelle: n-tv.de

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