Wirtschaft
Will den Konzern durch die Krise führen: Martin Winterkorn
Will den Konzern durch die Krise führen: Martin Winterkorn(Foto: imago/Jan Huebner)

VW-Chef bittet um Vertrauen: Winterkorn tritt nicht zurück

Volkswagen-Chef Martin Winterkorn tritt wegen der Vorwürfe um Abgas-Manipulationen in den USA nicht zurück. Dies teilt er in einem Video-Statement mit. Es tue ihm unendlich leid, dass das Vertrauen in VW enttäuscht wurde.

Volkswagen-Chef Martin Winterkorn tritt wegen der Vorwürfe um Abgas-Manipulationen in den USA nicht zurück. Es wäre falsch, wenn wegen der schlimmen Fehler einiger weniger, die ehrliche Arbeit von 600.000 Menschen unter Generalverdacht gerät, sagte Winterkorn in einem Video-Statement, das auf der Webseite des Konzerns veröffentlicht wurde. "Deshalb bitte ich um Ihr Vertrauen auf unserem weiteren Weg."

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Er habe noch nicht alle Antworten zum Abgasskandal, so der Konzernchef weiter. Doch die umfassende Aufklärung habe höchste Priorität. "Manipulationen dürfen bei VW nie wieder vorkommen", betonte der 68-Jährige. Viele Millionen Menschen auf der ganzen Welt würden ihren Marken, ihren Autos und ihren Technologien vertrauen. "Es tut mir unendlich leid, dass wir dieses Vertrauen enttäuscht haben."

Zuvor war aus Aufsichtsratskreisen durchgesickert, dass die ursprünglich für Freitag geplante Verlängerung des Vertrages für Martin Winterkorn vorerst vom Tisch sein soll. "Es gibt laufend Krisensitzungen", hieß es aus Aufsichtsratskreisen. Eine Vertragsverlängerung bis Ende 2018 gilt derzeit als unvorstellbar.

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Die Affäre um die manipulierten Abgaswerte in den USA hatte sich noch einmal deutlich ausgeweitet: Internen Prüfungen zufolge wurden weltweit rund elf Millionen Fahrzeuge gefunden, bei denen es auffällige Abweichungen zwischen Prüfwerten und dem realen Fahrbetrieb gibt. US-Medien zufolge ist der Autokonzern mittlerweile auch ins Visier des US-Justizministeriums geraten. Die Chefin der US-Umweltschutzbehörde EPA, Gina McCarthy, kündigte zudem eine verstärkte Suche nach möglichen Verstößen gegen Umweltvorschriften an. "Wir werden nicht herumsitzen und uns darum sorgen, ob andere es getan haben, wir werden es herausfinden", sagte McCarthy. Auch in anderen Ländern ist man aufgeschreckt, Italien und Schweden kündigten eigene Untersuchungen in dieser Angelegenheit an.

Nach Angaben von Verkehrsminister Alexander Dobrindt hat der VW-Konzern seine volle Kooperation mit der geplanten Kommission zugesagt, die die Manipulation von Abgaswerten prüfen soll. Man stehe in engem Kontakt mit den US-Behörden, sagte Dobrindt am Rande einer Sitzung der Unions-Bundestagsfraktion. Auf die Frage nach personellen Konsequenzen beim VW-Konzern verwies der CSU-Politiker darauf, dass man das Ergebnis der Prüfungen abwarten müsse. Die von Dorbrindt eingesetzte Kommission untersucht, ob die betreffenden Fahrzeuge entsprechend der deutschen und europäischen Regeln "gebaut und auch geprüft" worden seien.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel schaltete sich ein und forderte "volle Transparenz" von VW. "Ich hoffe, dass möglichst schnell die Fakten auch auf den Tisch kommen", sagte Merkel in Berlin. Volkswagen müsse "angesichts der schwierigen Lage" den "gesamten Vorgang" aufklären.

Gewinnwarnung lässt Aktie weiter einbrechen

Allein für den Service und weitere Schritte, um Vertrauen in die VW-Technik zurückzugewinnen, muss der Konzern im dritten Quartal rund 6,5 Milliarden zur Seite legen und kappt deshalb seine Gewinnziele für 2015. In den Rückstellungen sind mögliche Strafzahlungen und Schadensersatzansprüche von Anlegern sowie Kosten für die Rücknahme unverkäuflicher Autos noch nicht enthalten.

Die VW-Aktie nahm nach der Gewinnwarnung ihre Talfahrt wieder auf. Bis Xetra-Schluss schmierte das Papier an der Frankfurter Börse um rund 20 Prozent auf 106,00 Euro ab. Bereits am Montag hatte VW an der Börse fast ein Fünftel seines Wertes verloren. Damit büßte der Konzern seit Bekanntwerden des Abgas-Skandals zeitweise knapp 27 Milliarden Euro an Börsenwert ein. Dies entspricht in etwa der gesamten Marktkapitalisierung der Münchener Rück, des weltgrößten Rückversicherers.

Quelle: n-tv.de

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