Wirtschaft
Eine wachsende Mittelklasse in Asien werde künftig mehr Goldschmuck kaufen, prophezeit die ANZ-Bank.
Eine wachsende Mittelklasse in Asien werde künftig mehr Goldschmuck kaufen, prophezeit die ANZ-Bank.(Foto: picture alliance / dpa)

"Preis bis 2030 verdoppelt": Wird Gold in Zukunft unerschwinglich?

Von Kai Stoppel

Eine australische Bank warnt: In den kommenden Jahren könnte Schmuck aus Gold sich im Preis mehr als verdoppeln. Grund sei eine sich abzeichnende starke Nachfrage nach dem Edelmetall in Asien - nicht nur durch die dort wachsende Mittelschicht.

Zuletzt war es nicht gut bestellt um den Goldpreis, der nach seinen Rekordwerten im Jahr 2011 wieder deutlich nachgelassen hat. Rund 1150 Dollar kostet derzeit die etwa 31 Gramm schwere Feinunze des Edelmetalls. Das könnte sich in Zukunft aber dramatisch ändern, und zwar nach oben: Jedenfalls glaubt das die Großbank ANZ mit Sitz in Australien - nach China übrigens das größte Goldförderland der Welt.

Bis auf 2400 US-Dollar pro Feinunze könnte sich der heutige Goldpreis mehr als verdoppeln, heißt es in einer ANZ-Studie mit dem Namen "Nach Osten ins El Dorado: Asien und die Zukunft des Goldes". Wohlgemerkt wird erst für das Jahr 2030 damit gerechnet - aber der Titel der Studie verdeutlicht bereits, dass nach Ansicht der ANZ die Grundlagen dieser Entwicklung bereits heute angelegt sind: im wirtschaftlichen Aufschwung in Fernost.

Der Antrieb für den vorhergesagten rasanten Anstieg des Edelmetall-Kurses ist laut ANZ-Report die Liberalisierung der asiatischen Finanzsysteme und der wachsende Wohlstand der dortigen Bevölkerung. Der Goldbedarf in den zehn wichtigsten asiatischen Ländern - neben China und Indien unter anderem auch Japan, Indonesien und Südkorea - könnte sich von derzeit 2500 Tonnen auf 5000 Tonnen pro Jahr verdoppeln. Voraussetzungen dafür sind ein anhaltender Aufschwung in China und Indien sowie der Ausbau professioneller Geldanlage-Beratung in der gesamten Region.

"Der Aufstieg Asiens wird spürbare Auswirkungen haben"

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Außerdem geht die internationale Bank mit Sitz in Melbourne davon aus, dass die asiatischen Zentralbanken ihre Goldvorräte aufstocken, die derzeit noch verhältnismäßig niedrig seien. "Zentralbanken in der Region werden mehr Gold erwerben, um das Vertrauen in ihre Währungen zu fördern", schreibt ANZ-Chefökonom Warren Hogan.

Zudem werde eine wachsende Mittelklasse in der Region mehr Goldschmuck kaufen und eine wachsende Zahl von Finanzmanagern das Investitions-Bedürfnis der Menschen befördern, glaubt Hogan. Daher ist er sicher: "Der Aufstieg Asiens wird spürbare Auswirkungen auf den Gold-Markt haben."

Allerdings ist eine Fortsetzung des bisher scheinbar ungebremsten Wirtschaftsaufschwungs Asiens derzeit gar nicht mehr so sicher. Zuletzt meldete China Wirtschaftsdaten, die hinter der erwarteten Entwicklung zurückblieben - das Super-Wachstum der Volksrepublik stockt. Die Industriebetriebe etwa steigerten in den ersten beiden Monaten des Jahres ihre Produktion um lediglich 6,8 Prozent, der niedrigste Wert seit 2008.

Indiens Wirtschaft hatte zwar ihre Wachstumsrate zuletzt deutlich steigern können - aber vor allem aufgrund einer neuen Berechnungsgrundlage. Zwar nimmt Indien mit einem geschätzten Wachstum von 5,4 Prozent für 2014 wieder etwas mehr Fahrt auf, ist aber weit entfernt von Wachstumsraten um 10 Prozent in der ersten Dekade des Jahrhunderts.

Goldpreis am Jahresende bei fast 1000 Dollar?

Am Goldpreis selbst ist der von der ANZ-Bank prophezeite Trend auch noch nicht ersichtlich. Im Gegenteil: Seinen bisherigen Höhepunkt hatte der Goldpreis bereits im September 2011 bei einem Stand von rund 1900 US-Dollar erreicht. Seitdem geht es kontinuierlich runter - seitdem hat die Feinunze fast 40 Prozent an Wert verloren.

Und es könnte vorerst weiter bergab gehen: "Wir gehen davon aus, dass der Goldmarkt in Reaktion auf die Zinsanhebung der Federal Reserve Bank den Rest des Jahres bärisch ist", zitierte das Rohstoffportal "Kitco.com" Anfang der Woche einen Barclays-Analysten. In der Woche davor sei der Goldpreis neun Tage in Folge gesunken - die längste Verluststrecke seit Januar 1998.

Auch nach Ansicht der Bank Sal. Oppenheim wird sich Gold in den nächsten Monaten verbilligen. Angesichts der niedrigen Teuerungsraten verliere das Metall als Absicherung gegen Inflation an Attraktivität, sagte Anlagestratege Lars Edler, Leiter Investmentstrategie bei der Deutschen-Bank-Tochter, bereits im Januar. "Zudem ist der starke Dollar schlecht für Gold." Eine Aufwertung der US-Währung mache Edelmetalle für Investoren außerhalb der USA teurer. Die Bank sieht den Goldpreis bis Jahresende daher bei etwa 1050 Dollar.

Aber gut - das Jahresende ist nicht 2030. Bis dahin hat der Goldpreis also noch ein bisschen Zeit.

Quelle: n-tv.de

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