Wirtschaft
Viele Russen tauschten ihr Geld in andere Währungen um.
Viele Russen tauschten ihr Geld in andere Währungen um.(Foto: dpa)

Feuerwehraktionen für Rubel: Zentralbank stützt mit Dutzenden Milliarden

Der rasante Wertverfall des Rubel zwingt die russische Zentralbank im vergangenen Jahr zu ungewöhnlichen Maßnahmen. Das Geldinstitut stellt mehr als 80 Milliarden US-Dollar bereit. Der Rubel verliert im Vergleich zum Dollar mehr als 40 Prozent seines Wertes.

Um den Rubel-Wertverfall zu bremsen, hat die russische Zentralbank im vergangenen Jahr Milliardensummen investiert. Zur Stützung der Währung stellte sie 76,1 Milliarden US-Dollar und 5,4 Milliarden Euro bereit, wie aus statistischen Daten der Zentralbank hervorging. Mit einer Kapitalspritze von 22,3 Milliarden Dollar stützte die Zentralbank den Rubel demnach im März, als Russland die zur Ukraine gehörende Halbinsel Krim annektierte. Wegen des dramatischen Falls des Ölpreises sprang sie dem Rubel im Oktober mit 27,2 Milliarden Dollar bei, im Dezember mit weiteren 11,9 Milliarden Dollar.

Der Rubel hat im Laufe des vergangenen Jahres gegenüber dem Dollar 41 Prozent seines Wertes verloren, gegenüber dem Euro 34 Prozent. Der Verfall der russischen Währung hatte sich in den letzten Wochen des Jahres 2014 beschleunigt und für Panik in der Bevölkerung gesorgt. Viele Russen tauschten ihr Erspartes in ausländische Währungen um oder gaben in aller Schnelle Geld aus. Seither hat sich der Rubel stabilisiert, verharrt aber weiter auf niedrigem Niveau.

Fitch-Schelte belastet Märkte

Derweil haben sich die Senkung der Bonitätsnote Russlands und der anhaltende Ölpreisverfall zu Wochenbeginn negativ auf den Moskauer Aktienmarkt ausgewirkt. Der russische Leitindex RTS fiel um bis zu 3,2 Prozent. Auch für den Rubel ging es bergab. Der US-Dollar legte in der Spitze knapp drei Prozent auf 63,06 Rubel zu.

Die Ratingagentur Fitch bewertet die Kreditwürdigkeit Russlands nun nur noch mit "BBB-" nach bislang "BBB". Eine weitere Herabstufung ist möglich, der Ausblick ist negativ. Fitch begründete das schwächere Rating mit verschlechterten Aussichten für die russische Wirtschaft.

Mit "BBB-" liegt die Bewertung russischer Staatsanleihen bei Fitch nur noch knapp über Ramsch-Status. Dies sind Schuldpapiere, die Bonitätsprüfer als riskante, spekulative Anlagen ansehen und nicht mehr als solide Engagements (Investment Grade).

"Unserer Ansicht nach wird die mögliche Herabstufung auf unterhalb von Investment-Grade von den Friedensverhandlungen in der Ostukraine abhängen", schreibt Commerzbank-Analyst Simon Quijano-Evans in einem Kommentar. "Ohne Frieden in der Ukraine ist ein Abbau der Sanktionen gegen Russland wenig wahrscheinlich."

Quelle: n-tv.de

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