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Dow Jones trotzt neuem Terroralarm: Dax-Anleger sind in 11.000er-Laune

Am deutschen Aktienmarkt lautet das Motto: business as usual. Der Terror von Paris ist abgehakt, die Blicke der Anleger gehen nach vorn, die Kurse nach oben. Der Terroralarm in Hannover geht an Europas Märkten vorbei, tangiert aber die Wall Street.

EGute Nachrichten bringen am Dienstag die Kauflaune der Anleger zurück - es läuft am deutschen Aktienmarkt. So bekräftigte etwa die Europäische Zentralbank (EZB) erneut ihre Politik des billigen Geldes, was zwar dem Euro weiter zusetzte, aber am Aktienmarkt den Exportwerten neuen Schwung verlieh. "Der Euro ist ein absoluter Kurstreiber", kommentierte n-tv-Börsenexpertin Sabrina Marggraf.

Gleichzeitig nahm Griechenland eine wichtige Hürde, auch frische ZEW-Daten trieben die Kurse. Und nicht zuletzt: "Die Börsianer haben die Terroranschläge von Paris abgehakt", sagte n-tv-Börsenexpertin Corinna Wohlfeil und unterstrich: "Die Weisheit 'Politische Börsen hätten kurze Beine' trifft wieder einmal zu."

Der Dax startete mit leichten Gewinnen, die er im Tagesverlauf ausbaute. Aus dem Handel verabschiedete er sich mit einem Zählerstand von 10.971 ein Aufschlag von 2,4 Prozent. Der MDax konnte sich um 2,4 Prozent auf 21.173 Stellen verbessern. Der TecDax, am Montag mit den deutlichsten Gewinnen, schloss 1,3 Prozent stärker bei 1823 Punkten.

ZEW-Daten überzeugen

Für gute Stimmung am Markt sorgten etwa Daten des ZEW. Der  entsprechende Index für die Konjunkturerwartungen konnte im November gegenüber dem Vormonat um 8,5 Zähler auf 10,4 Punkte zulegen. Das war stärker als erwartet. "Konjunkturpessimismus aufgrund der Terroranschläge in Paris ist nicht erkennbar", sagte Clemens Fuest, Präsident des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). Fuest sieht vor allem drei Gründe für einen Jahresendspurt der deutschen Wirtschaft: Die Konsumlust der Verbraucher, der schwache Euro und die Erholung in den USA. "Der Ausblick für die deutsche Volkswirtschaft hellt sich gegen Ende des Jahres etwas auf", unterstrich er.

Stützend wirkte zudem, dass die EZB ihre Bereitschaft zu einer weiteren Lockerung der Geldpolitik bekräftigte. "Es gibt Risiken, und deshalb erwägen wir weiteres Handeln", sagte der Chefvolkswirt der Euro-Notenbank, Peter Praet, der Nachrichtenagentur Bloomberg. Die niedrigen Inflationserwartungen und die maue Wirtschaft seien "ein gefährlicher Cocktail". EZB-Chef Mario Draghi hatte zuletzt bereits signalisiert, falls erforderlich auf der Ratssitzung im Dezember die Geldschleusen noch weiter zu öffnen.

Viele Investoren spekulieren auf eine Ausweitung der lockeren Geldpolitik. "Die EZB steht Gewehr bei Fuß, notfalls (...) stützend einzugreifen, sollte sich die Stimmung in der Wirtschaft und damit auch an den Märkten allzu stark eintrüben", kommentierte Andreas Paciorek vom Brokerhaus CMC Markets.

Dax: Gewinne auf breiter Front

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Bei den Einzelwerten waren Autowerte gesucht. Börsenexpertin Wohlfeil verwies auf den schwachen Euro, der Exportwerte antreibt und frische Absatzzahlen aus Europa. Die seien zwar durchwachsen ausgefallen, deutsche Konzerne gehörten aber überwiegend zu den Profiteuren. VW-Titel sprangen etwa 1 Prozent an, Daimler 1,8 Prozent und BMW 2,5 Prozent. Das VW nicht ganz mithalten konnte, lag wohl an frischen Details zum Abgasskandal.

Lufthansa-Papiere erholten sich nach den deutlichen Abschlägen vom Wochenbeginn. Das Plus betrug zum Handelsschluss mehr als 2 Prozent.

ThyssenKrupp gewannen rund 3 Prozent. Anleger hoffen bei der Vorlage der Bilanz am Donnerstag auf gute Zahlen. Analystenschätzungen zufolge dürfte der Mischkonzern im Geschäftsjahr 2014/15 (per Ende September) seinen Gewinn gesteigert haben und damit auch eine höhere Dividenden ausschütten.

Deutsche Telekom zogen ebenfalls 3 Prozent an. Bei den Kabelnetzbetreibern drehte sich das Übernahmekampf weiter. Der US-Kabelkonzern Liberty Global des Milliardärs John Malone übernimmt den karibischen Kabelnetzbetreiber Cable & Wireless Communications für 5,3 Milliarden Dollar. Der Kurs von Cable & Wireless stiegt um rund 5 Prozent. Hierzulande könnten Tele Columbus ein Übernahmeziel werden, nachdem das Unternehmen seine Kundenzahl durch Zukäufe deutlich steigern konnte. Tele Columbus legten ebenfalls zu.

Eine Herunterstufung durch die Societe Generale (SocGen) bremste indes RWE und Eon zeitweise aus. Die Aktien der beiden Versorger drehten im Verlauf aber ins Plus und schlossen je 1,5 Prozent höher. Das Anlegerinteresse an Energieerzeugern mit einem hohen Kohlestrom-Anteil sei sehr begrenzt, schrieb SocGen-Analyst Lüder Schumacher in einem Kommentar zu RWE. Ein weiterer Belastungsfaktor seien die hohen Rückstellungen für den Rückbau der Kernkraftwerke.

MDax: Airbus fliegt höher

Airbus rückten in den Anlegerfokus, weil das Überschallprojekt des Flugzeugbauers Formen annimmt. Die Titel verteuerten sich daraufhin um fast 4 Prozent. Mit dem Partner Aerion schraubt Airbus an einem Nachfolger der "Concorde".

TecDax: United Internet gesucht

Gut kam auch der Zwischenbericht des Internet-Spezialisten United Internet im Handel an. Die Zahl der Kunden wurde, unter anderem durch Zukäufe, deutlich gesteigert. "Vor allem die Ergebnisseite überzeugt", meinte ein Marktteilnehmer. Bei den Umsätzen habe das Unternehmen dagegen nicht überzeugen können. Am Ende blieb ein Aufschlag von mehr als 2 Prozent.

Noch stärker nach oben ging es im TecDax mit LPKF, die gut 6,5 Prozent gewannen, nachdem sie am Montag mit dem Dividendenausfall unter Druck gestanden hatten. Laut Händlern hatten die Analysten der HSBC ihre Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 9,50 Euro bekräftigt.

USA: Wall Street schließt nach

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Nach der Vortagesrally ist an der Wall Street zu einem richtungsarmen Auf und Ab gekommen. Am Ende schlossen die Indizes wenig verändert. Einerseits drückten sinkende Ölpreise auf Energie- und Versorgerwerte und trübten die Stimmung auch am Gesamtmarkt. Zudem erinnerte die Absage des Fußball-Testspiels zwischen Deutschland und Niederlande wieder an die Terrorgefahr. Andererseits hatten ermutigende Aussagen der Einzelhändler Wal-Mart und Home Depot zunächst für stärkeres Kaufinteresse gesorgt.

Der Dow-Jones-Index gewann sechs Punkte auf 17.489. Der S&P-500 fiel um 0,1 Prozent auf 2050 Punkte. Der Nasdaq-Composite kletterte um einen Punkt auf 4986 Punkte.

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So zogen die Aktien von Wal-Mart trotz eines Gewinneinbruchs um 3,6 Prozent an. Belastet von einem schwachen internationalen Geschäft hat der Einzelhändler im dritten Quartal zwar weniger umgesetzt und verdient.

Dank eines stabilen flächenbereinigten Umsatzwachstums hat Home Depot mit seinem Gewinn im dritten Quartal die Erwartungen des Marktes knapp übertroffen. Doch für das Schlussquartal und das Gesamtjahr äußerte sich das Unternehmen etwas optimistischer. Die Aktie der Baumarktkette legte um 4,4 Prozent zu.

Enttäuschte Umsatzerwartungen brachten die Aktie von Urban Outfitters unter Druck, sie büßte 3,8 Prozent ein. Auch eine Übernahme machte Furore. So wird die französische Air Liquide in einem 12,5-Milliardem Euro-Deal ihren US-Wettbewerber Airgas übernehmen und zahlt einen kräftigen Aufschlag von gut 50 Prozent auf den Durchschnittskurs von Airgas in dem Monat vor Bekanntgabe der Transaktion. Die Airgas-Aktie haussierte um knapp 30 Prozent.

Devisen: Euro auf Siebenmonatstief

Weil immer mehr Anleger auf eine baldige Zinswende in den USA setzen, rutschte der Euro zwischenzeitlich auf ein Siebenmonatstief von 1,0643 Dollar ab. Er nähert sich damit dem Zwölfjahrestief von 1,0456 Dollar an, das er Mitte März erreicht hatte. Am Abend  notierte der Euro bei 1,0650 Dollar. Die EZB hatte den Referenzkurs auf 1,0670 Dollar festgesetzt nach 1,0723 Dollar am Montag.

"Die Anleger wetten darauf, dass die US-Notenbank im Dezember die Zinswende vollziehen und erstmals seit fast zehn Jahren die Geldflut drosseln wird", sagte ein Händler. Dagegen werde in der Eurozone mit einer weiteren Öffnung der Geldschleusen gerechnet. Die US-Währung sei aber auch als sicherer Hafen gesucht angesichts der Terrorangst weltweit.

Asien: Japan im Plus

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Der anziehende US-Dollar sorgte auch an den ostasiatischen Aktienmärkten für kräftige Kursgewinne. Die Börse in Tokio konnte die Vortagesverluste wieder wettmachen. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte verbesserte sich um 1,2 Prozent und beendete den Handel bei 19.631 Zählern. Der breiter gefasste Topix legte 0,9 Prozent auf 1586 Stellen zu.

Dass die Gewinnaussichten der japanischen Konzerne glänzend sind, stützte die Stimmung auf der Ebene der Einzelwerte. Die börsennotierten Unternehmen Japans häufen unter anderem dank des schwachen Yen so hohe Gewinne an wie noch nie. Die Gewinnmarge auf Vorsteuerbasis dürfte in diesem Jahr auf eine Rekordhöhe steigen, berichtete die japanische Wirtschaftszeitung "Nikkei".

Die chinesische Börse in Shanghai schloss ebenfalls fester, der Markt in Hongkong tat es gleich. Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans tendierte 1,5 Prozent fester. In Shanghai und Shenzhen waren Aktien aus dem Rüstungssektor gesucht angesichts der Erwartung langfristig steigender Rüstungsausgaben Chinas.

Rohstoffe: Gold fällt zurück

Dass die Terrorangst zumindest an den Finanzmärkten keine größere Belastung mehr darstellt, lässt sich auch am Preis für Gold ablesen. Mit 1076 Dollar fiel der Preis zum Vortag um rund 0,5 Prozent. Er lag damit wieder in etwa auf dem Niveau von vor den Anschlägen auf Paris. Schon am Montag hatten viele Analysten ihre Erwartung geäußert, dass die negativen Auswirkungen des Blutbades wie immer wieder zu beobachten wohl nur von kurzer Dauer an den Märkten sein würden.

Die Ölpreise gaben noch deutlicher nach. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Dezember kostete am Abend 43,87 Dollar - 2,3 Prozent weniger als zu Wochenbeginn. Der Preis für ein Fass der US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) zeigte sich mit 42,09 Dollar etwa 2,2 Prozent leichter. Es gebe nach wie vor einen starken Preisdruck, sagte David Lennox, Analyst beim australischen Finanzdienstleister Fat Prophets.

Quelle: n-tv.de

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