Wirtschaft
Ein frühzeitiges Feuerwerk kann auch erfreuen.
Ein frühzeitiges Feuerwerk kann auch erfreuen.(Foto: dpa)

"Starke Käufer" zünden Jahresend-Rally: Dax-Kursfeuerwerk vor Silvester

Dünne Umsätze, dicke Pluszeichen: Das macht den Dax am vorletzten Handelstag des Jahres aus. Die Kurse steigen auf breiter Front. Als Kurstreiber erweist sich unter anderem der Ölpreis, der auch der Wall Street Beine macht.

Am vorletzten Handelstag des Jahres hat sich der deutsche Aktienmarkt noch einmal von seiner besten Seite gezeigt. Bereits zum Handelsstart am Dienstag stand ein Plus, im weiteren Verlauf wurde daraus ein satter Aufschlag. "Da sind ein paar starke Käufer am Markt, treffen aber auf keine verkaufswilligen Gegenüber mehr", sagte ein Händler und verwies auf erneut dünne Umsätze. "Der Dax kann auf ein ordentliches Jahr zurückblicken", zog n-tv-Börsenexpertin Katja Dofel bereits ein erstes Fazit. "Rund 9 Prozent hat er bisher zugelegt."

Der Dax schloss 1,9 Prozent fester bei 10.860 Punkten. Das Tageshoch markierte er bei 10.851 Zählern. Am Montag war der Leitindex 0,7 Prozent schwächer bei 10.654 Stellen aus dem Handel gegangen. Der MDax verbesserte sich um 1,7 Prozent auf 20.940 Punkte, der TecDax legte ebenfalls kräftig zu und verabschiedete sich mit 1.843 Stellen und einem Gewinn von 1,9 Prozent aus dem Handel.

Rohstoffe: Ölpreis unter 37 Dollar

Die Entwicklung der Ölpreise bleibt das bestimmende Thema. Die Aussicht auf kältere Temperaturen in Europa und den USA verteuert Brent und WTI. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte stieg leicht, bleibt aber unter der 37-Dollar-Marke. Zum Wochenstart war der Preis über 3 Prozent eingebrochen. Das gleiche Bild zeigte sich auch bei der Nordseesorte: Der Preis legte leicht zu, konnte 37 Dollar je Fass aber nicht erreichen.  

Der Preis bleibt damit nahe seines Elfjahrestiefs. Wegen des weltweiten Überangebots hat sich der Ölpreis seit Mitte 2014 mehr als halbiert. Da sich daran auf längere Sicht nichts ändern sollte, dürfte die Preis-Erholung auch nur von kurzer Dauer sein, prognostizieren Experten.

Dax: Versorger im Blick

Alle 30 Dax-Werte schlossen im positiven Bereich. Nachdem die Versorger in der Vorwoche als "Nachzügler" gefragt waren, wiesen sie nun die geringsten Gewinne auf: RWE zogen 0,3 Prozent an, Eon 0,9 Prozent. Beide Werte zählen nach wie vor zu den am schlechtesten performenden Dax-Titeln 2015.

Etwas belastend für Eon werteten Händler zudem Presseberichte, wonach die Deutsche Bahn einen Großvertrag überdenke. "Die Sorge, dass Eon den Kunden verliert, belasten", sagte ein Händler. Immerhin gehe es um Umsätze im Bereich mehrerer hundert Millionen Euro. Die Deutsche Bahn wollte rund ein Drittel der Stromproduktion des noch fertigzustellenden Steinkohlekraftwerks Datteln abnehmen, wie das "Handelsblatt" berichtete. Nun könnte der alte Abnahmevertrag aus 2007 nachverhandelt oder sogar verloren werden.

Die größten Gewinne verbuchten Finanzwerte. So sprangen Deutsche Bank um 2,5 Prozent an, Deutsche Börse legten gar um 3,5 Prozent zu.

TecDax: Morphosys zuversichtlich

Positiv für Morphosys sahen Marktteilnehmer das Interview mit Vorstandschef Simon Moroney in der "Börsen-Zeitung". Er bestätigte seinen zuversichtlichen Ausblick auf 2016. Zudem erwartet er, für den Wirkstoff MOR 202 kommendes Jahr einen neuen Partner zu finden, nachdem die Kooperation mit Celgene dieses Jahr gescheitert war. Der Wirkstoff Bimagrumab gegen Muskelschwund mit einem erwarteten Umsatz von rund 400 Millionen Dollar könnte von der US-Gesundheitsbehörde FDA bereits 2016 zugelassen werden. Der Hinweis auf den wahrscheinlichen Verlustausweis des Unternehmens im vierten Quartal 2015 sei dagegen keine Belastung, da von Analysten erwartet, heißt es. Die Titel zogen 3,42 Prozent an.

USA: Stabile Ölpreise treiben Wall Street

Die Wall Street hat sich mit Gewinnen präsentiert. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 1,1 Prozent höher auf 17.720 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 legte 1,1 Prozent auf 2078 Zähler zu. Der Index der Technologiebörse Nasdaq erhöhte sich um 1,3 Prozent auf 5107 Punkte. Für positive Stimmung an den Aktienmärkten sorgte Börsianern zufolge die Stabilisierung der Ölpreise.

Nur wenige Einzelwerte standen im Mittelpunkt. Dazu gehörte erneut die Werkstatt- und Fachmarktkette Pep Boys, deren Aktien um fast neun Prozent kletterten. Zuvor hatte der Konzern erklärt, das Angebot des US-Investors Carl Icahn der Offerte des japanischen Reifenherstellers Bridgestone vorzuziehen.

Zu den Profiteuren der Entspannung am Ölmarkt gehörten US-Ölkonzerne wie Exxon oder Chevron. Deren Aktien verteuerten sich um 0,5 Prozent beziehungsweise ein Prozent. Gefragt waren auch die Anteilsscheine von Amazon mit einem Aufschlag von 2,8 Prozent. Der Internet-Handelsriese hatte für die dritte Dezemberwoche mehr als drei Millionen neue Prime-Mitgliedschaften bekanntgegeben.

Asien: Aufgalopp zum Jahresschluss

Die asiatischen Aktienmärkte können anfängliche Verluste wettmachen und drehen überwiegend in den positiven Bereich. Auch in China, wo die Börsen am Vortag deutliche Verluste verbucht haben, liegen die Indizes im Plus. Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans notiert leicht fester.

In Japan geht der Nikkei-Index mit einem Plus von 0,6 Prozent und 18.982 Punkte aus dem Handel. Damit zeichnet sich ein Gewinn von 8 Prozent im ablaufenden Jahr ab. Der breiter gefasste Topix gewinnt 0,9 Prozent auf 1543 Zähler. Händler rechnen nicht mehr mit größeren Bewegungen bis zum Jahresende.

In China legt der Shanghai Composite 0,8 Prozent zu. Der Shenzen Composite gewinnt ebenfalls 0,9 Prozent. Beide Indizes haben am Montag jeweils mehr als 2 Prozent verloren. "Die Handelsvolumina sind aber in der ganzen Region sehr niedrig, sogar niedriger als im vorweihnachtlichen Handel", sagt Angus Nicholson, Markt-Analyst bei IG. Man könne daher nicht viel daraus lesen.

Devisen: Euro driftet Richtung 1,09

Der Euro präsentiert sich nur kurz kampfeslustig. Die europäische Gemeinschaftswährung notiert mit 1,0923 Dollar am Nachmittag wieder deutlich unterhalb der 1,10er Marke. Das Tageshoch markiert sie mit 1,0992 Dollar aber nur unweit der psychologisch wichtigen Marke. Die Europäische Zentralbank (EZB) legte den Referenzkurs am Mittag auf 1,0952 Dollar fest nach 1,0962 Dollar am Montag undh 1,0947 Dollar am Donnerstag fest.

Yuan in Bedrängnis

Die chinesische Währung Yuan gerät indes im Verhältnis zum Dollar weiter unter Druck. Der Renminbi, wie der Yuan auch genannt wird, gibt stark nach und fällt auf den schwächsten Außenwert seit Juni 2011. Er sinkt um 114 Basispunkte. Die Notenbank in Peking setzt den Mittelkurs auf 6,4864 Yuan je Dollar fest.

Der Wechselkurs des Yuan kann nicht unbegrenzt frei schwanken, weil er von der Zentralbank innerhalb bestimmter Grenzen kontrolliert wird. Von dem täglich festgesetzten Mittelkurs darf er nach oben und unten jeweils um zwei Prozent abweichen. Die chinesischen Währungshüter haben allerdings das Verfahren, nach dem sie den Zentralkurs ermitteln, im August umgestellt. Sie orientieren sich jetzt stärker an Angebot und Nachfrage am Markt.

In diesem Jahr ist der Wert des Yuan gegenüber dem Dollar bereits um 5 Prozent gefallen. Experten erwarten, dass der Trend anhält. Sie sehen die zentral gelenkte langsame Abwertung als Versuch, die Exporte des Landes zu stärken und damit eine größere Rezession in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt zu verhindern. Die einst sehr hohen Wachstumsraten der Volksrepublik haben sich zuletzt abgekühlt. Eine schwächere heimische Währung verbilligt Exportprodukte im Ausland und kann so dazu beitragen, eigene Ausfuhren anzukurbeln.

Quelle: n-tv.de

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