Wirtschaft
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Wall Street deutlich im Minus: Dax büßt an wildem "Hexensabbat" Punkte ein

Dieser "Hexensabbat" - der große Verfallstag - bekommt dem Dax gar nicht gut: Ab Mittag geht es runter mit den Kursen, ein Teil der Vortagesgewinne ist damit wieder futsch. Enttäuschende Konjunkturdaten aus den USA geben dem Index den Rest.

Der "Hexensabbat" spielt dem deutschen Aktienmarkt am übel mit: Der Dax rutschte immer kräftiger ins Minus. Während am Mittag der Verfall von Futures und Optionen auf den Euro-Stoxx-50 zunächst noch wenig bewegte, kamen die Notierungen nach dem Verfall stärker ins Rutschen. Zum Börsenschluss verfielen noch Optionen auf Einzeltitel, was aber nicht mehr für bedeutende Bewegung sorgte.

Hinzu kamen enttäuschende Konjunkturdaten aus den USA und erneut nachgebende Kurse an den US-Börsen als Belastungsfaktoren. Der Dax verlor am Ende 1,2 Prozent auf 10.608 Punkte.

In den USA war der Markit-Einkaufsmanagerindex im Dezember nach den Daten der ersten Veröffentlichung auf 53,7 Punkte von 56,1 im Vormonat gesunken. Das ist der niedrigste Stand seit einem Jahr. "Ein fehlender Preisdruck, ein flaues Wachstum und ein Rückgang des Geschäftsklimas auf ein Fünfjahrestief - das alles sind enttäuschende Nachrichten für eine Wirtschaft, die ihre erste Zinserhöhung seit fast zehn Jahren erlebt hat", sagte Markit-Chefökonom Chris Williamson. Oberhalb von 50 Punkten signalisiert das Konjunkturbarometer aber immer noch Wachstum.

Frankfurt: Stahl-Aktien im Plus

Der Dax schloss am Ende 1,2 Prozent tiefer auf 10.608 Punkten. Für den Nebenwerte-Index MDax ging es 1,1 Prozent nach unten auf 20.649 Zähler. Verluste auch beim TecDax, der sich aber nur um 0,3 Prozent auf 1815 Punkte verschlechterte. Und der Euro-Stoxx-50? Er verlor 1,3 Prozent und sank auf 3263 Punkte.

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Nach einem zuversichtlichen Analystenkommentar legetn Thyssenkrupp und Salzgitter zu. Die Aktien der beiden Unternehmen gewannen 1,2 und rund 1,3 Prozent. Die Experten der RBC gehen bei Thyssenkrupp davon aus, dass die Risiken in der Stahlbranche durch das Geschäft mit Investitionsgütern mehr als ausgeglichen werden sollte. Sie stuften die Aktien hoch auf "Outperform" von "Sector Perform". Salzgitter setzten die Analysten dagegen auf "Sector Perform" von "Underperform". Positiv wertete die RBC die robuste Bilanz und die Restrukturierungsbemühung des Stahlkonzerns.

Deutsche Börse stiegen mit einem Aufschlag von 2,1 Prozent auf den Dax-Spitzenplatz. Am schlechtesten lief es für Beiersdorf: Die Aktien gaben 2,5 Prozent ab und bildeten das Schlusslicht im Dax.

Papiere des Autozulieferers Schaeffler schlossen leicht im Minus. Die Franken buchten 230 Millionen Euro für Ansprüche Dritter in einem EU-Kartellverfahren, das im März 2014 abgeschlossen worden war. Dieser Betrag liegt Händlern zufolge über den Erwartungen am Markt.

USA: Verluste an der Wall Street weiten sich aus

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Auch die US-Börsen notierten zum Ende der Woche hin schwächer. Vor allem die Schwäche der Ölpreise sorgte dafür, dass die Anleger vor dem Wochenende keine neuen Positionen mehr eingingen. Zudem dürfte nach den Gewinnen an den ersten drei Handelstagen der Woche auch bei vielen die Neigung zur Gewinnmitnahme groß gewesen sein.

Der Dow-Jones-Index verlor 2,1 Prozent auf 17.129 Punkte, der S&P-500 gab um weitere 1,8 Prozent nach. Der Nasdaq-Composite büßte 1,6 Prozent ein.

Unter den Einzelwerten kletterten Blackberry-Aktien in New York zeitweise um 10,8 Prozent. Der Smartphone-Hersteller kommt offenbar wieder in ruhigeres Fahrwasser und konnte im abgelaufenen Quartal - im Vergleich zum Vorquartal - erstmals seit mehr als zwei Jahren seine Erlöse steigern.

Rohstoffe: Ölpreise erholen sich leicht

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Weiterhin auf niedrigem Niveau tendierten die Ölpreise, auch wenn sie sich am späten Nachmittag etwas erholten. Im Tagestief fiel US-Öl der Sorte WTI auf 34,29 Dollar zurück. Der Settlementpreis von 34,73 Dollar war der niedrigste seit Februar 2009. Zuletzt kostete das US-Öl 34,55 Dollar. Brent-Öl ging mit 36,71 Dollar um, verglichen mit knapp 37 Dollar am späten Donnerstag.

Auch das Gold profitierte von der Suche nach vermeintlich sicheren Häfen. Die Feinunze verteuerte sich um 15 Dollar je Feinunze auf knapp 1.066 Dollar, verglichen mit dem späten Donnerstaghandel in den USA.

Asien: Japans Nikkei wieder unter 19.000

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Mit überwiegend negativen Vorzeichen zeigen sich die ostasiatischen Aktienmärkte am Freitag. Die Euphorie über die Fed-Entscheidung in den USA sei schon wieder verflogen und die weiter fallenden Ölpreise rückten wieder zunehmend in den Fokus, so ein Marktteilnehmer. Daneben gibt es Sorgen, dass die am Mittwoch beschlossene Zinserhöhung der US-Notenbank zu verstärkten Umschichtungen in Richtung USA führt und damit die Märkte der Schwellenländer belastet.

In China schließt der Shanghai Composite unverändert bei 3579 Punkten, der Hongkonger Hang Seng legt um 0,8 Prozent auf 21.872 Zähler zu. In Japan schießt der Nikkei-225 zu Beginn des Handels zunächst mit dem beschlossenen zusätzlichen ETF-Kaufprogramm durch die Bank of Japan (BoJ) um 2,0 Prozent nach oben. Anschließend bröckeln die Kurse aber wieder ab und der Index schließt 1,9 Prozent leichter bei 18.987 Punkten.

Die Schritte der BoJ änderten insgesamt nicht viel, so ein Händler. Er nennt die Auswirkungen des zusätzlichen Kaufprogramms von 300 Milliarden Yen "unbedeutend". Denn die Gesamtsumme der jährlichen Rückkäufe bleibe unverändert bei 80 Billionen Yen. Zudem handele es sich dabei um "eine technische Maßnahme". Die heftige Reaktion an der Börse in Tokio erklärt ein anderer Teilnehmer mit den schon sehr dünnen Umsätzen an den Märkten.

Wegen der sinkenden Ölpreise gehören vor allem die Energie- und Rohstoffwerte zu den Verlierern an den Börsen in Asien. In Hongkong fallen die Aktien von Petrochina um 2,5 Prozent und CNOOC geben um 1,9 Prozent nach.

Devisen: Euro bleibt unter 1,09 Dollar

Am Morgen war der Euro bis auf gut 1,0860 Dollar gestiegen, kam danach wieder deutlich zurück und erholte sich dann wieder auf zuletzt 1,0865 Dollar.

Mangels entscheidender Konjunkturdaten blieb der Handel zwischen Euro und Dollar impulslos. Seit der Zinserhöhung durch die US-Notenbank Fed am Mittwoch gab es wenig Bewegung am Devisenmarkt. "Die Gelassenheit des Marktes hängt damit zusammen, dass die Fed glaubhaft dargelegt hat, dass der anstehende Zinserhöhungszyklus der wohl vorsichtigste in der Geschichte der Fed werden dürfte", meint Peter Kinsella, Analyst bei der Commerzbank.

Die deutlichste Kursbewegung unter den großen Währungen gab es im Dollar-Yen-Handel. Nachdem die Bank of Japan ihre Geldpolitik am Morgen leicht gelockert hatte, geriet der Yen zunächst unter Druck, wertete im weiteren Verlauf aber etwa ein Prozent zum Dollar auf.

Quelle: n-tv.de

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