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Es fehlen nur wenige Punkte: Dax klopft kurz an Tür zur 11.000

Von Terrorangst ist am deutschen Aktienmarkt zur Wochenmitte nichts zu spüren. Bange Blicke gehen dafür in Richtung Fed: Eine Zinswende in diesem Jahr wird immer wahrscheinlicher.

"Die Pflicht ist durch, vor der Kür ist eine Verschnaufpause angemessen", kommentiert ein Händler zur Wochenmitte die Lage am deutschen Aktienmarkt. Der Dax sei nach dem jüngsten Vorstoß erneut knapp an die 11.000er Marke geklettert. "Für einen weiteren Anstieg fehlen erst einmal die Impulse", sagte er - und behielt recht. Terrorangst kam bei dem einmal mehr technisch geprägten Handel nicht auf.

Der Dax schloss 0,1 Prozent tiefer bei 10.960 Punkten. Das Tageshoch markierte er bei 10.990 Zählern und damit nur 1ß Stellen von der psychologisch wichtigen 11.000-Punkte-Marke entfernt. Das Tagestief lag bei 10.878 Zählern. Am Dienstag hatte der Leitindex 2,4 Prozent fester geschlossen und nur knapp 30 Punkte von der 11.000 entfernt. Der MDax büßte 0,2 Prozent auf 21.139 Stellen ein. Der TecDax verabschiedete sich mit einem Abschlag von0,3 Prozent bei 1819 Punkten.

Charttechnik rückt in den Blick

Damit bewegte sich der deutsche Leitindex weiter um die Widerstandszone zwischen 11.000 und 11.100 Punkten. Bei knapp 11.070 Punkten liegen dem Dax sowohl die 200-Tage-Linie als auch der Abwärtstrend im Weg, der vom März-Rekordstand herunterläuft.

Einen ersten Anlauf hatte der Dax bereits Anfang November abgebrochen. Nun benötigt der Dax für einen erfolgreichen Angriff Impulse aus dem Umfeld: Das Protokoll der letzten US-Notenbank-Sitzung könnte einer sein. Allerdings sollte es erst nach Börsenschluss veröffentlicht werden. Gleichzeitig könnte eine weitere Abschwächung des Euro den Leitindex befeuern.

Auf dem Gesamtmarkt lastete zur Wochenmitte allerdings nach wie vor die Baisse bei den Rohstoffwerten. "Das Umfeld bleibt düster", sagte ein Händler diesbezüglich. Die Talfahrt des Kupferpreises ging weiter, Gold war schon am Dienstagabend auf neue Fünfjahrestiefs gerutscht. Der Preis für die Ölsorte Brent blieb im Bereich der Jahrestiefs.

Dax: Linde unter Druck

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Bei den Einzelwerten stachen die Autowerte positiv heraus. Die Anteilsscheine von Volkswagen führten die Gewinnerliste mit einem Aufschlag von mehr als 3 Prozent an. Auch Daimler und BMW stiegen: jeweils um 0,5 Prozent.

Lufthansa büßten dagegen 1,3 Prozent ein. Deutlich ging es auch bei Linde abwärts. Hier verwiesen Händler auf einen Zukauf des Konkurrenten Air Liquide. Airgas geht an die Franzosen, die 13,4 Milliarden Dollar inklusive Schulden oder 143 Dollar je Aktie bieten. Die Übernahmeprämie liegt rund 20 Prozent über dem 52-Wochen-Hoch des Airgas-Papiers. Linde-Titel fielen 1,3 Prozent.

Kleinere Werte überraschen

In der Berichtssaison überraschten Wirecard und Zooplus mit günstigen Prognosen. Ein konkretisiertes Gewinnziel von Zooplus ließ dabei die Aktien um  mehr als 8 Prozent nach oben schnellen. Der Onlinehändler für Heimtierbedarf rechnet nun mit einem Vorsteuerergebnis am oberen Ende der bisherigen Spanne.

Auch die Aktien von Wirecard legten nach der jüngsten Korrektur wieder den Vorwärtsgang ein. Sie profitierten von einem positiveren Ausblick des Zahlungsabwicklers für das Gesamtjahr und zogen 1,5 Prozent an.

Ströer standen ebenfalls im Fokus: Eine Anteilsplatzierung durch die Gründerfamilien ließ die zuvor sehr gut gelaufenen Papiere des Werbespezialisten zuletzt um fast 10 Prozent einbrechen. Bislang waren Ströer-Aktien mit einem Plus von 156 Prozent seit Jahresbeginn zweitbester SDax-Wert und notierten nahe ihres Rekordhochs. Zur Wochenmitte gaben sie erneut deutliche 11,5 Prozent ab.

USA: Was sagen die Protokolle?

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Die Anleger an der Wall Street reagierten positiv auf die jüngsten Aussagen der US-Notenbank zur Geldpolitik. So bleibt eine erste US-Leitzinsanhebung nach der schweren Finanz- und Wirtschaftskrise bereits im Dezember zwar möglich, ist aber nicht ausgemacht, wie aus dem jüngsten Sitzungsprotokoll der Fed hervorgeht. Der Dow Jones Industrial baute seine Gewinne daraufhin aus und schloss 1,42 Prozent höher mit 17 737,16 Punkten. Der breit gefasste S&P 500 rückte um 1,62 Prozent auf 2083,58 Punkte vor, und der Nasdaq 100 gewann 1,92 Prozent auf 4653,44 Punkte.

Die immer noch vorhandene Debatte innerhalb der Fed über den richtigen Zeitpunkt einer Zinserhöhung reduziere die Wahrscheinlichkeit eines solchen Schrittes im Dezember, sagte Marktstratege Alfonso Esparza vom Devisenhändler Oanda. Ein anderer Börsianer sieht in den Aussagen der Fed derweil den Versuch, die Marktakteure zu überzeugen, dass weitere Zinsschritte nach einer möglichen Anhebung im Dezember behutsam erfolgen werden. Das komme bei den Anlegern gut an. Zuletzt hatten sich Investoren auch gesorgt, wie gut die US-Wirtschaft Zinserhöhungen verkraften kann.

Eine Empfehlung der US-Investmentbank Goldman Sachs verlieh den Aktien des Elektronikkonzerns Apple Rückenwind. Die Papiere gewannen an der Spitze des Dow Jones 3,17 Prozent, nachdem die Analysten sie auf die "Conviction Buy"-Liste gesetzt hatten. Sie zeigten sich damit besonders überzeugt vom Potenzial der Papiere. Für Gesprächsstoff sorgte zudem eine Übernahme. Der Halbleiterexperte On Semiconductor schluckt den Wettbewerber Fairchild für 20 US-Dollar je Aktie in bar und wirft damit den deutschen Chiphersteller Infineon aus dem Rennen. Die Führungen von Fairchild und On sprachen sich für die Offerte aus. Die Fairchild-Aktien legten um 8,50 Prozent auf 19,40 US-Dollar zu. Für die Papiere von On Semiconductor ging es um fast 8 Prozent nach unten.

Zudem lieferte die auslaufende Berichtssaison der Unternehmen Impulse. Für eine positive Überraschung beim Gewinn sorgte dabei die Baumarktkette Lowe's, deren Anteilsscheine um 0,86 Prozent anzogen. Der Büroartikel-Händler Staples enttäuschte die Anleger hingegen mit der Aussage, dass der starke US-Dollar im vierten Quartal belasten dürfte. Der Kurs der Aktien gab daraufhin um 2,73 Prozent nach.

Der Kurs des Euro bewegte sich nach der Veröffentlichung des Fed-Protokolls unter dem Strich nur wenig. Zuletzt kostete die Gemeinschaftswährung 1,0657 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs auf 1,0666 (Dienstag: 1,0670) Dollar festgesetzt. Am US-Rentenmarkt fiel der Kurs richtungweisender zehnjähriger Staatsanleihen um 2/32 Punkte auf 99 25/32 Punkte. Ihre Rendite betrug 2,27 Prozent.

Asien: Nikkei rettet Mini-Plus

An den Aktienmärkten in Ostasien herrschte zur Wochenmitte Zurückhaltung. Die Anleger zeigten sich vor allem aus Angst vor einem weiteren Terroranschlag in Europa verunsichert. Die Reaktion sei nur natürlich, sagte Hirokazu Kabeya von Daiwa Securities. "Die Märkte dürften sich bis auf weiteres Mal in die eine, dann wieder in die andere Richtung bewegen." In Tokio beendete der Nikkei den Handel 0,1 Prozent höher mit 19.649 Punkten. Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans tendierte knapp 0,3 Prozent leichter. Der Shanghai-Composite schloss mit einem Minus von 1 Prozent. Der Hang-Seng-Index gab ebenfalls nach.

Händler wollten beide Bewegungen allerdings nicht überbewerten. Insgesamt verlaufe der Handel in Asien in ruhigen Bahnen. "Die Investoren sind derzeit sehr neutral eingestellt", sagte Analyst Mohit Bajaj von WallachBeth Capital LLC.

Rohstoffe: Gold und Öl etwas teurer

Der Goldpreis blieb auf dem absteigenden Ast - von "Angstkäufen" angesichts erhöhter Terrorgefahr konnte keine Rede sein. Die Feinunze kostete am Abend mit 1069,70 Dollar etwas weniger als am Dienstagabend. Am Morgen war der Preis auf ein Niveau abgerutscht, welches er zuletzt im Februar 2010 inne hatte: 1063,55 Dollar. Übergeordnet setzten Dollarstärke und Zinserhöhungsspekulation dem Edelmetall zu. Auch Kupfer verbilligte sich weiter: rund 1 Prozent auf einen Preis pro Tonne von 4629,50 Dollar.

Der überraschende Rückgang der US-Rohölreserven verlieh dem Ölpreis dagegen Auftrieb. Die Lagerbestände gingen in der vergangenen Woche um etwa 0,5 Millionen Barrel zurück, während Börsianer mit einem Anstieg von 1,9 Millionen Barrel gerechnet hatten. Die richtungsweisende Sorte Brent aus der Nordsee verteuerte sich daraufhin um 0,5 Prozent auf 44,25 Dollar je Barrel. Ein Barrel der US-Sorte WTI kostete rund 0,6 Prozent mehr: 42,40 Dollar.

Nach Einschätzung der Experten der Beratungsfirma Energy Aspects ist das aber nur eine kurze Unterbrechung der Talfahrt. Wegen des anhaltenden weltweiten Überangebots müsse mit weiteren deutlichen Abschlägen gerechnet werden. "Die Rede ist wieder von einem Ölpreis von 20 Dollar", fügten die Analysten hinzu.

Quelle: n-tv.de

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