Wirtschaft
Gute Laune in Frankfurt: Bereits am Nachmittag setzte sich der Dax oberhalb der 10.000 Punkte fest.
Gute Laune in Frankfurt: Bereits am Nachmittag setzte sich der Dax oberhalb der 10.000 Punkte fest.(Foto: picture alliance / dpa)

Aufwärtsrausch nach Daten-Glück: Dax stürmt auf neues Rekordhoch

Was gestern nur kurz währte, hat heute Bestand: Der Dax schließt auf einem neuen Allzeithoch. Nach einem ohnehin erfolgreichen Tag knackt der deutsche Leitindex in den letzten Handelsminuten die Rekordmarke. Die Nachrichtenlage ist schlicht und einfach zu gut.

Deutschlands Leitindex war am Freitag nach den Verlusten vom Vortag wieder auf Rekordjagd: Bereits am Nachmittag setzte sich der Dax oberhalb der 10.000 Punkte fest - der Weg zu einem neuen Rekordhoch war nicht mehr weit. Unterstützung kam von einem überraschend positiven US-Arbeitsmarktbericht: Die US-Wirtschaft hat im November so viele Stellen geschaffen wie seit knapp drei Jahren nicht mehr. Insgesamt entstanden 321.000 neue Jobs - Ökonomen hatten lediglich mit einem Zuwachs von 230.000 gerechnet.

Nach einem kräftigen Schub kurz nach Bekanntwerden der US-Daten schloss der Dax am Ende sensationelle 2,4 Prozent fester bei 10.087 Zählern - der höchste Schlusskurs aller Zeiten. Kurz vor Handelsschluss erreichte der Leitindex sogar 10.093 Punkte. Der Nebenwerteindex MDax legte um 1,3 Prozent zu auf 17.184 Punkte, der TecDax gewann 1,7 Prozent auf 1379 Punkte.

Zusätzliche Unterstützung kam von Wirtschaftsdaten aus Deutschland: Die Aufträge der deutschen Industrie stiegen im Oktober um 2,5 Prozent zum Vormonat-Analysten hatten lediglich ein Plus von 0,5 Prozent erwartet. Die Daten signalisierten, dass sich die Konjunktur in Deutschland nach der Schwächephase im Sommer wieder stabilisiert habe, urteilt Stefan Kipar von der BayernLB.

Die Erholung des Dax kommt nach einem Vortag voller Turbulenzen: Am Donnerstag hatten Aussagen von EZB-Chef Mario Draghi zum geldpolitischen Kurs im Euro-Raum für Verunsicherung gesorgt. Der Dax war kurzzeitig auf ein Rekordhoch von 10.084 Punkten gesprungen, ging dann aber 1,2 Prozent schwächer aus dem Handel. Für Enttäuschung sorgte, dass sich die EZB bislang nicht auf einen konkreten Zeitpunkt für weitere Geldspritzen festgelegt hat. Gleichzeitig ließ sich Draghi jedoch alle Optionen für einen solchen Schritt offen.

Daimler beglückt Anleger

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Zu den größten Gewinner im Dax zählten die Verlierer des Vortages: Die Aktien von Commerzbank und Deutscher Bank standen mit einem Plus von 3,4 Prozent und 3,6 Prozent weit oben. Auch Daimler legten kräftig zu und stiegen ebenfalls um 3,6 Prozent. Dank des starken China-Geschäfts und neuer Modelle hat der Autobauer im November mehr Autos verkauft und steuert ein Rekordjahr an. Spitzenreiter im Dax waren jedoch Conti, die sich um 3,8 verteuerten. Eon notierten 3,0 Prozent fester. Shanghai Electric Power interessiert sich für eine Übernahme des Kohlegeschäfts des Versorgers in Italien.

Einzige Verlierer an diesem Rekord-Tag waren Lanxess, die um 1,0 Prozent abgaben. "Die schwache Chemiekonjunktur bläst Lanxess ins Gesicht", sagte ein Händler. Daneben drohe im März die Entnahme aus dem Dax. In der Rangliste per Ende November lag Lanxess in der Rangliste der Marktkapitalisierung nur noch auf Platz 43 und nur noch knapp über einem Fast-Exit-Platz. Die Fast-Exit-Regel würde bei Platz 46 greifen, ProSieben könnten nachrücken.

Für weitere Kursbewegungen bei Einzelwerten sorgten erneute Umstufungen. So verwiesen Händler auf Hochstufungen durch Goldman Sachs. Die Analysten hatten Deutsche Telekom auf "Neutral" und United Internet auf "Buy" erhöht und Drillisch mit einer Kaufempfehlung in ihr Beobachtungsuniversum aufgenommen. Deutsche Telekom stiegen um 2,8 Prozent. Im TecDax legten United Internet um 3,2 Prozent zu, Drillisch um 4,5 Prozent.

Kuka weiter unter Druck

Nach dem Wechsel des Vorstandsvorsitzenden zog die Leoni-Aktie um 6,5 Prozent an und setzte sich an die Spitze des MDax. "Es gibt einige Bedenken im Markt, dass der neue CEO die Prognose für 2016 senken könnte", kommentierte DZ-Analyst Michael Punzet. Da das Unternehmen aber betont habe, diese Prognose sei vom ganzen Vorstand getragen worden, dem auch der neue CEO Dieter Bellé angehört, scheint ein solcher Schritt aus seiner Sicht unwahrscheinlich.

Kuka landeten erneut weit hinten im MDax: Sie verloren 0,9 Prozent. Anleger reagierten auf eine Herunterstufung Kukas durch Kepler Cheuvreux. Die Analysten hatten die Titel des Roboterbauers auf "Reduce" von "Hold" gesetzt.

Quelle: n-tv.de

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