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Nimmt der Sturm zu, rücken die Möwen dicht zusammen. Andere Vögel reagieren anders.
Nimmt der Sturm zu, rücken die Möwen dicht zusammen. Andere Vögel reagieren anders.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Frage & Antwort, Nr. 81: Wie ergeht es Vögeln im Sturm?

Von Andrea Schorsch

Bei starken Stürmen oder Gewittern ist kein Vogel mehr am Himmel zu sehen. Suchen die Tiere in Bäumen Schutz? Unwahrscheinlich. Schließlich werden diese heftig durchgepeitscht bei Sturm. Was aber, wenn Vögel gerade Brut in einem Baumnest haben? Lassen sie die Jungvögel dann allein? Und wohin verschwinden sie überhaupt? (fragt Lars Schiffmann)

Katrin Koch, Mitarbeiterin beim NABU Berlin, kann uns hier Auskunft geben. "Vögel entwickelten sich bereits im Tertiär vor über 60 Millionen Jahren", erklärt die Expertin. Sie haben also den Beginn der Klimaveränderungen vor rund 2,6 Millionen Jahren überlebt, das Eiszeitalter, den Wechsel von Kalt- und Warmperioden. Es gab für die Tiere somit lange Zeiträume, um Strategien zu entwickeln, mit denen sie dem Wetter trotzten. Und wie Koch weiter ausführt, entwickelten unterschiedliche Vogelarten unterschiedliches Verhalten bei Sturm. Pauschal lässt sich die Frage unseres Lesers also nicht beantworten. Aber die NABU-Expertin hat viele verschiedene Beispiele parat. Wir haben sie in Kategorien zusammengefasst:

Stoiker und Steher

Katrin Koch vom NABU Berlin weiß, wie sich Vögel bei Sturm verhalten.
Katrin Koch vom NABU Berlin weiß, wie sich Vögel bei Sturm verhalten.(Foto: Katrin Koch)

Pinguine, Gänse, Möwen und Watvögel sitzen schlechtes Wetter einfach aus. Wie Koch beschreibt, rücken die Vögel bei Sturm dicht aneinander, drehen ihre Körper so in Windrichtung, dass sie möglichst wenig Angriffsfläche bieten, und vertrauen auf die hervorragenden thermischen Eigenschaften ihres Federkleides.

Größere Greifvögel wie Bussarde, Milane oder Seeadler stehen oft ruhig auf ihren Sitzwarten, von denen es mehrere in den Revieren gibt.

Konfliktscheue und Lethargiker

Mauersegler weichen Schlechtwetterfronten weiträumig aus. Lassen sie Junge zurück, verfallen diese, so Koch, in einen Torpor – eine Hunger-Lethargie. Das bedeutet, wie die Nabu-Mitarbeiterin erklärt, dass Atemfrequenz und Körpertemperatur herabgesetzt werden, sodass die Jungen bis zu einer Woche ohne Futter überleben können. "Kein anderer heimischer Vogel kann das!", betont Koch. Auch die Altvögel können in den Torpor verfallen, wenn sie bei den Jungen in der Bruthöhle bleiben.

Die Schutzsuchenden

Wasservögel wie z.B. Enten, Gänse und Schwäne finden sich – wie Koch weiter erzählt - in windgeschützten Buchten am Schilfsaum ein. Da ihr Gefieder durch ein Fettsekret aus der Bürzeldrüse imprägniert ist, sind diese Vögel unempfindlich gegen Regen. Andere Wasservogelarten, wie Teichhühner und Rallen, suchen Deckung im Ufersaum im Röhricht oder Schilf.

Falken stellen sich bei Sturm an die wetterabgewandte Seite von Gebäuden.
Falken stellen sich bei Sturm an die wetterabgewandte Seite von Gebäuden.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Von Falken berichtet die Vogelkennerin, dass sie sich an die wetterabgewandte Seite von Baumstämmen oder Gebäuden stellen.

Kleine Vögel dagegen flüchten sich in Höhlen, also z.B. in Gebäude, Bäume, Nistkästen u.ä., oder aber in dichte Hecken und Gestrüpp. Manche suchen sich auch ein windgeschütztes, trockenes Plätzchen am Boden in der Laubstreu oder der Krautschicht.

Die Beschützer

Kommen wir zu den Eltern. Selbst sturmgeplagte Vogeleltern sind überaus fürsorglich. "Brütende Vögel (Freibrüter in Sträuchern, Hecken oder Bäumen)", erklärt Koch, "bleiben möglichst lange auf dem Gelege sitzen um die Eier oder kleinen Jungen nicht auskühlen zu lassen." Deswegen gibt es unter den Eltern grundsätzlich nur einen Typ: die Beschützer. Diese scheinen sich jedoch in zwei Gruppen zu teilen:

Die Bodennahen

Bodenbrüter drücken sich dicht auf das Nest, um Wind und Regen möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten.

Die Widerständler

Er bleibt auch bei schlechtem Wetter auf dem Nest sitzen: der Storch.
Er bleibt auch bei schlechtem Wetter auf dem Nest sitzen: der Storch.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Exponiert brütende Vögel - wie z.B. Störche oder Fischadler – sind "oft erstaunlich resistent gegen Witterungseinflüsse und harren auf ihren Gelegen auch bei schlechtem Wetter aus", sagt die Expertin. Allerdings – so ihr Hinweis – "funktioniert die Drainage des üblicherweise aus Naturmaterial errichteten Horstes nicht, wenn in den Nestern zu viel Zivilisationsmüll liegt – Plasteteile und Folienstückchen." Die Folgen sind fatal: "Die Jungen werden nass, verklammen und sterben – trotz der elterlichen Fürsorge."

Außerdem kann es passieren, dass exponierte Nester im Sturm abstürzen. Oder dass Altvögel bei sehr starkem Unwetter letztlich doch das Nest verlassen und die Brut aufgeben. Wie Katrin Koch abschließend berichtet, haben kleine Vogelarten dann eine zweite Chance: Viele können die Verluste von Eiern oder Jungtieren durch Nachgelege und Zweitbruten noch im selben Jahr ausgleichen.

Quelle: n-tv.de

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