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Geschärft wird der Seat Leon Cupra auf Wunsch durch das Performance Paket.
Geschärft wird der Seat Leon Cupra auf Wunsch durch das Performance Paket.(Foto: Holger Preiss)

Rennsound nicht für alle: Seat Leon Cupra - 290 PS zum Geburtstag

Von Holger Preiss

Seit 20 Jahren kümmert sich die Rennsportabteilung von Seat um die Verschärfung der Serienfahrzeuge. Zum Ehrentag überraschen die Sportfreunde die Kundschaft mit einem erstarkten Seat Leon Cupra 290. Wobei die Ziffer Programm ist.

Im Seat Leon Cupra 290 ST gibt es aus den Endrohren leider keinen Race-Sound.
Im Seat Leon Cupra 290 ST gibt es aus den Endrohren leider keinen Race-Sound.(Foto: Holger Preiss)

Zum 20. Geburtstag hat sich die Sportschmiede der spanischen Marke Seat ein Geschenk gemacht. Sie durften den Leon mit dem Zusatz Cupra aufbohren. Statt 280 PS leistet der kompakte Dynamiker jetzt 290 PS. Das mag auf den ersten Blick nicht viel sein, katapultiert den Leon Cupra rein zahlentechnisch nicht nur im VW-Konzern weiter nach vorn, sondern räumt ihm auch im Vergleich mit der externen Konkurrenz einen vorderen Platz ein. Aus der Serie stehen wohl nur noch der Honda Civic Type R mit 310 PS, der Mercedes AMG A45 mit 381 PS und der Ford Focus RS mit 350 PS vor dem Spanier. Golf GTI, Skoda Octavia RS oder Peugeot 308 GTi müssen sich indessen hinten anstellen.

Neue Abgasanlage für den guten Ton

Mit Blick auf seinen Vorgänger, den Cupra 280, hat der 290 natürlich auch gewonnen und das liegt nicht nur an den zusätzlichen 10 PS. Vor allem am Sound haben die Ingenieure getüftelt, denn der war den Cupra-Fans im 280 schon ein wenig zu bieder. Um es hier richtig krachen zu lassen, wurde die Abgasanlage komplett überarbeitet. Das sorgt nicht nur für einen waschechten Sound mit partiellem Drosselklappen-Feeling, sondern erleichtert den Cupra auch um fünf Kilogramm. Allerdings muss einschränkend erwähnt werden, dass es den vollen Ton mit allen Facetten nur mit dem 6-Gang-DSG gibt. Wer hier den Wahlschalter für die Fahrmodi auf "Cupra" stellt, der kann schon den einen oder anderen Radfahrer erschrecken, wenn er auf gleicher Höhe den rechten Fuß kraftvoll Richtung Bodenblech schiebt.

Im Innenraum ist alles beim Alten geblieben.
Im Innenraum ist alles beim Alten geblieben.(Foto: Holger Preiss)

Bei den Handschaltern gibt sich der Sound etwas verhaltener. Hier drückt zwar der Aktuator künstlich noch etwas Ton in den Innenraum, aber dieses höllisch schöne Spratzen mit kurzem Zwischengas kann eben nur das Automatikgetriebe im Zusammenspiel mit der Elektronik hervorbringen. Vor allem schnelle Familienväter müssen jetzt ganz stark sein, denn der Cupra 290 ST, der Kombi also, kann den Sound, den es im Drei- und Fünftürer gibt, nicht bieten. Das liegt daran, so Seat-Entwicklungschef Matthias Rabe, dass es im ST bei vollem Abgassound derart unangenehme Schwingungen im Fond gibt, dass man entschied, die Reisenden in der zweiten Reihe nicht zu malträtieren. Vor allem Kindern wollte man diese Sound-Kulisse nicht zumuten.

Etwas teurer als der Vorgänger

Hinzu kommt aber noch etwas anderes: Radstand und Länge des ST differieren zum Drei- und Fünftürer um 6 und 26 Zentimeter. Hier hätte also die Abgasanlage noch einmal komplett überarbeitet und angepasst werden müssen, was zusätzlich Geld verschlungen hätte. Und das wollte man nicht ausgeben. Unter Umständen wäre so die gesamte Preispolitik ins Wanken geraten. Denn für einen 290-PS-Boliden steigt der Dreitürer mit 33.120 Euro recht kommod ein. Für zwei Türen mehr ruft Seat 33.620 Euro auf und für den Kombi ST werden 34.750 Euro fällig. Das sind etwa 500 Euro mehr als für das 280 PS starke Vorgängermodell. Dafür gibt es aber auch reichlich Ausstattung. Angefangen mit LED-Licht, sind im Paket auch Notbremsassistent und eine elektronische Geschwindigkeitsregelung enthalten. Klar, wer will, kann mit dem Performance Paket optisch und finanziell aufsatteln.

Mit dem Seat Leon Cupra 290 lässt sich mehr anstellen, als nur auf der Straße zu fahren.
Mit dem Seat Leon Cupra 290 lässt sich mehr anstellen, als nur auf der Straße zu fahren.

Für den puren Fahrspaß kann auf diese Ausgabe getrost verzichtet werden. Denn auch ohne 4-Kolben-Brembo-Bremsen und die mit Hochleistungsreifen von Michelin bespannten 20-Zoll-Räder lässt sich der Leon Cupra 290 verschärft ums Eck peitschen. Wie beim Vorgänger liegen in der Spitze 350 Newtonmeter an der Vorderachse an. Allerdings stehen die, dank der neu programmierten Motorsteuerung, jetzt bereits ab 1700 Kurbelwellenumdrehungen zur Verfügung und bleiben bis 5800 Umdrehungen linear. Die volle PS-Leistung gibt es hingegen erst ab 5900 Umdrehungen. Bei den Handschaltern bedeutet das, dass der Pilot den Drehzahlmesser im Blick behalten sollte, um genau an dem Punkt zu schalten. Denn bereits ab 6500 Umdrehungen kommt der Begrenzer und hängt den gesamten Vortrieb aus. Wer hingegen den richtigen Moment nicht verpasst, dürfte mit knapp 1,4 Tonnen Lebendgewicht in 5,7 Sekunden an der Tempo 100-Marke vorbeischießen. Mit dem Automaten geht es 0,1 Sekunde schneller. Abgeregelt fliegen alle drei Modellvarianten bis auf 250 km/h.

Gelungene Mischung

Wichtig ist noch, dass der Cupra 290 durch sein elektronisches Sperrdifferenzial an der Vorderachse tatsächlich auch für die ernstgemeinte Kurvenhatz taugt. Wer im Cupra-Modus, also mit weit gespreiztem ESP, in die Kehre schießt, kann sicher sein, dass das kurvenäußere Rad immer maximalen Grip bekommt. Auf diese Weise bleibt der Bolide auch hart am Grenzbereich gefahren beherrschbar. Hinzu kommt die progressive Lenkung, die sich ebenfalls wie die Federung den Fahrbedingungen anpasst. Im Comfort-Modus öffnet sie sich, während sie im Cupra-Modus enger wird. Die Rückmeldung ist in allen Bereichen exzellent, wobei sich passionierte Sportfahrer wünschen könnten, dass sie im Rennbetrieb noch etwas direkter wäre.

Letztlich werden wohl nur einige der Cupra-Käufer mit ihrem Straßensportler den Weg auf den Rundkurs suchen. Wer es aber wagt, kann davon ausgehen, dass er dort eben so viel Spaß haben wird wie im ganz normalen Straßenverkehr. Denn letztlich ist es den Spaniern gelungen, Sportlichkeit und Alltagstauglichkeit in Einklang zu bringen. Das gilt auch für das Fahrwerk. Das donnert einem beim Überlaufen von Querfugen nicht die Bandscheiben bis zur Halswirbelsäule, sondern ist durchaus in der Lage Unebenheiten straff auszufedern. Der Grund dafür ist auch in den Sportsitzen zu suchen, die neben sehr gutem Seitenhalt einiges an Härte aus dem Asphalt saugen.

Schon vor 16 Jahren ein Highlight

Letztlich sind in den Cupra 290 eben jene 20 Jahre Erfahrung eingeflossen, die 1996 mit dem Seat Ibiza Cupra begannen. Und wer heute die Möglichkeit hat mit dem Leon Cupra 2.8 V6 aus dem Jahr 2000 eine Runde auf der legendären Rennstrecke von Terramar zu drehen, der wird deutliche Unterschiede bemerken. Dessen Triebwerk sei an dieser Stelle nicht in Frage gestellt, denn der 2,8 Liter V6 ist damals wie heute ein Highlight.

Zwar schickt der, gemessen an dem jetzt im Cupra 290 werkelnden 2,0 Liter Vierzylinder mit Turboaufladung, nur 204 Pferde auf die Reise, aber die Kraftentfaltung wirkt im Zusammenspiel mit 270 Newtonmetern und dem unnachahmlichen Sound immer noch gigantisch. Anders verhält es sich mit der extrem straffen Kupplung, der im Vergleich sehr ungenau wirkenden Lenkung und dem knochentrockenen Fahrwerk. Dennoch, seinerzeit war der Cupra ein echter Sportwagen, so wie es der Nachfahre heute ist. Und irgendwas muss dran sein, denn immerhin entscheiden sich inzwischen 10 Prozent der Leon-Käufer für einen Cupra.

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Quelle: n-tv.de

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