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"In die Sonne, in die Ferne" ist eine Zeitreise auf einer der einst schönsten Straßen Europas.
"In die Sonne, in die Ferne" ist eine Zeitreise auf einer der einst schönsten Straßen Europas.

"In die Sonne, in die Ferne": Auf der Straße der Sehnsucht

Die Route 66 ist legendär, aber nicht nur die USA haben Straßen mit Vergangenheit. Auch in Europa gibt es derartige Strecken. Eine davon ist die Straße der "Wünsche und Träume" von Paris an die Côte d’Azur. Wer sie befährt, bricht zu einer Zeitreise auf.

Es gibt Bücher, die kommen einfach zum richtigen Zeitpunkt. "In die Sonne, in die Ferne" ist ein solches Exemplar. Der Journalist Michael Kroeher und der Fotograf Wolfgang Groeger-Meier haben sich auf die N7 begeben, die einst als Straße der Sehnsucht galt und das nicht nur für Franzosen. Über rund 1000 Kilometer führt sie aus dem Zentrum von Paris bis nach Menton an der Côte d’Azur.

"In die Sonne, in die Ferne" ist eine Zeitreise auf einer der einst schönsten Straßen Europas.
"In die Sonne, in die Ferne" ist eine Zeitreise auf einer der einst schönsten Straßen Europas.

Auf ihrer zehntägigen Fahrt spüren die beiden Reisenden einem magischen Asphaltband nach, das einst den eher industriell geprägten Norden Frankreichs mit dem sonnenverwöhnten Mittelmer, mehr aber noch mit den Wünschen und Träumen vom entspannten Leben verband.

Die Geschichte einer Straße

Dabei ergibt sich der Text von Michael Kroeher keinesfalls in Nostalgie, sondern zeigt auf, wie die Straße in den letzten Jahrzehnten im Zuge veränderter Reisegewohnheiten und neuer Autobahnen an Bedeutung verlor und wie sich das auf Bevölkerung und Wirtschaft ausgewirkt hat. Auch Fotograf Wolfgang Groeger-Meier versuchen nicht in seine Bildern, allein das Altes und Schöne zu bannen, sondern zeigen vor allem die Gegenwart an einer Strecke, zu der der Verfall genauso gehört, wie die über weite Strecken unberührte Natur. Flankiert wird das alles vom ständig präsenten Lebensgenuss durch Essen und Trinken.

Der eigentliche Star des 176 Seiten umfassenden Buches ist allerdings der dritte Reisebegleiter, ein Opel Kapitän aus dem Jahr 1956. Sich für diese Ikone der Wirtschaftswunderjahre als Gefährten entschieden zu haben war ein kluger Schachzug. Wird doch gerade für hiesige Leser das Gefühl von Freizeit und Freiheit dieser Jahre unmittelbar greifbar.

"In die Sonne, in die Ferne"  ist ein schöner kleiner Band, mit kleinen Schwächen in Form von manchmal überflüssigen Erläuterungen und redundanten Fotos. Es ist aber vor allem ein Buch, das Lust auf Urlaub mit dem Auto macht, auf echtes Reisen in einer ursprünglichen, entschleunigten Form. Insofern sollte das Buch als Anregung für den eigenen Trip betrachtet werden, egal, mit welchem Fahrzeug letztlich die N7 bewältigt wird.

(Michael Kroeher/Wolfgang Groeger-Meier; In die Sonne, in die Ferne; Corso Verlag; Hardcover; 172 Seiten; 24,90 Euro)

Quelle: n-tv.de

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