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Weltpremiere für Serien-Lkw: Autonomer Daimler-Truck fährt auf der A8

Von Holger Preiss

Bis dato durfte kein teilautonom fahrender Lkw auf deutschen Straßen bewegt werden. Mit dem vom Highway Pilot gesteuerten Serien-Actros fuhr ein solches Fahrzeug erstmals auf der A8 und soll es in Zukunft noch öfter machen.

Am Rasthof Denkendorf, "da wo die echten Trucker zu Hause sind", wie der Ministerpräsident von Baden-Württemberg Winfried Kretschmann bemerkte, wurde heute eine Deutschlandpremiere eingeläutet. Erstmals durfte ein Serien-Lkw teilautonom am öffentlichen Straßenverkehr teilnehmen. Das hört sich nicht spektakulär an? Für hiesige Verhältnisse ist es das schon, denn Deutschland hat sich lange gesträubt, den öffentlichen Straßenverkehr als Versuchsfeld für teilautonome Testfahrten freizugeben.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Kretschmann (l) und Daimler-Truck-Chef Bernhard bei der teilautonomen Fahrt auf der A8.
Baden-Württembergs Ministerpräsident Kretschmann (l) und Daimler-Truck-Chef Bernhard bei der teilautonomen Fahrt auf der A8.(Foto: picture alliance / dpa)

Jetzt soll sich das ändern und in Baden Württemberg soll das erste Versuchsfeld freigegeben werden. Dass der Mercedes Actros mit sogenanntem Highway Pilot den Bedingungen im öffentlichen Verkehr auf der A8 zwischen Denkendorf und Stuttgart gewachsen ist, stellte die Jungfernfahrt von Ministerpräsident Kretschmann und dem Chef der Daimler-Trucks Wolfgang Bernhard unter Beweis. Mit konstant 80 km/h - die Geschwindigkeit ist für derartige Testläufe verbindlich - schnurrte der Lkw mit Trailer ohne menschliches Zutun durch den Verkehr.

Lediglich an Baustellen und Ausfahrten musste Bernhard das Lenkrad übernehmen. "Theoretisch könnte der Highway Pilot weit mehr Funktionen übernehmen", so Bernhard. Dadurch, dass ihm aber momentan nur die Genehmigung für die Stufe 2 des automatisierten Fahrens erteilt wurde, ist an Engstellen und Ausfahrten bis dato Schluss mit der Freifahrt. Die besagt nämlich, dass der Fahrer das System dauerhaft überwachen muss. Insofern können hier nur einfache Funktionen übernommen werden, von denen Daimler aber überzeugt ist, dass sie bereits jetzt den Fahrer enorm entlasten können.

130.000 Kilometer im Jahr

Die Automatisierungsgrade des autonomen Fahrens.
Die Automatisierungsgrade des autonomen Fahrens.

Laut Bernhard spult ein Lkw im Jahr im Schnitt 130.000 Kilometer ab. Das bedeutet für die Fahrer lange und ermüdende Stunden hinter dem Lenkrad. Hier, so Bernhard, wird der Fahrer mit dem Highway Pilot deutlich entlastet. Denn genau diese monotonen Strecken würden wie in einem Flugzeug vom Autopilot zurückgelegt. Um das System aber letztlich für die Straße zulassen zu können, bedarf es der Tests im öffentlichen Verkehr.

Bis 2020, so Bernhard, ist das System in den Actros-Modellen mit Sicherheit verfügbar. Wünschen würde er es sich aber etwas früher, denn bereits jetzt verlangt die Kundschaft in Deutschland und den USA danach. Gerade im Land der unbegrenzten Möglichkeiten hat der Job des Truckers nicht mehr den Stellenwert wie noch vor Jahren. Viel Fahrer klagen über zu lange Fahrtzeiten und Überlastung.

Noch kein Future Truck

(Foto: picture alliance / dpa)

Natürlich ist man mit dem Highway Pilot, wie er im vorgestellten Actros arbeitet, noch weit von dem entfernt, was Mercedes mit dem Future Truck bereits als Vision im Auge hat. Eben der Tatsache, dass sich der Fahrer mit anderen Dingen beschäftigen kann und Fahrzeug und Verkehr nicht mehr dauerhaft im Blick haben muss. Dabei sind die Grundlagen bereits gelegt: Das System beinhaltet nämlich neben einem Frontradar und eine Stereokamera Assistenzsysteme wie den Abstands-Regeltempomaten. Die haben ihre Zuverlässigkeit auf der Straße bereits über 20.000 Kilometer auf Teststrecken in Deutschland und in den USA unter Beweis gestellt.

Noch fehlt aber der regulatorische Rahmen, den Politik und Behörden schaffen müssen, damit die von einem Higway Pilot gesteuerten Trucks auch ohne Ausnahmeregelung auf die Straße dürfen. Wichtigster Punkt dafür ist, dass die neu gefassten Wiener Konventionen auch in deutsches Recht übertragen werden. Denn letztlich ist das die Maßgabe dafür, dass der Fahrer das Steuern des Lkw Assistenz-Systemen überlassen darf.

Quelle: n-tv.de

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