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Den wasserstoffgetriebenen Mirai stellte Toyota auch auf dem Autosalon in Genf vor.
Den wasserstoffgetriebenen Mirai stellte Toyota auch auf dem Autosalon in Genf vor.(Foto: Holger Preiss)

Toyota Mirai ist ein Signal: Bewegt uns in Zukunft der Wasserstoff?

Von Holger Preiss

Während sich E-Autos immer mehr als Ladenhüter erweisen, könnte die Brennstoffzellentechnik ein Durchbruch werden. Mit Wasserstoff lassen sich lange Strecken zurücklegen, getankt wird in Windeseile und teurer als Benzin ist der emissionsfreie Treibstoff auch nicht. Doch etwas fehlt noch.

Dass der Antrieb mit Wasserstoff und die Brennstoffzelle die mobile Zukunft bestimmen und verändern können, ist keine Überraschung mehr. Toyota hat jedenfalls gerade in Japan den Mirai auf den Markt gebracht, der sich ob seines umweltfreundlichen und reichweitenstarken Antriebs dort größerer Beliebtheit erfreut als vom Hersteller erwartet.

Bereits nach wenigen Wochen konnte Toyota die Prognose der Jahresproduktion von den zunächst geplanten 700 Einheiten auf bis zu 3000 Fahrzeuge im Jahr 2017 erhöhen. Das sind immer noch keine Stückzahlen, die Massen bewegen könnten. Doch die entscheidende Bremse liegt hier nicht bei den Autobauern, sondern in der Infrastruktur.

Ein Prüfgerät für ganz Deutschland

Einer der Wasserstofftanks befindet sich über der Hinterachse.
Einer der Wasserstofftanks befindet sich über der Hinterachse.(Foto: Holger Preiss)

Insofern ist die entscheidende Herausforderung bei der Etablierung des Brennstoffzellenantriebs der Auf- und Ausbau eines flächendeckenden Tankstellennetzes mit Wasserstoffzapfsäulen. Bis zum Jahr 2016 sollen allein in Deutschland 50 Stationen entstehen, die das Gas anbieten – derzeit gibt es gerade einmal 15 und deren Wartung gestaltet sich schwierig. Warum? Weil es für ganz Deutschland nur ein Prüfgerät gibt, mit dessen Hilfe die Sicherheit der Gasanlage verifiziert werden kann, so Jessica Becker, Sprecherin der "Nationalen Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie".

Bis 2023, so verspricht Werner Diwald vom Bündnis für Windwasserstoff, sollen die Kunden aber an rund 400 Stationen Wasserstoff nachfüllen können. Doch auch hier ist die Rechnung noch nicht ganz schlüssig. Die Allianz des Projektes Brennstoffzelle, bestehend aus Autobauern, Energieindustrie und Politik läuft im kommenden Jahr aus. Eine Verlängerung muss in den kommenden Monaten verhandelt und beschlossen werden. Wenn das vollzogen ist, stehen die Signale in allen Belangen auf Grün. Der Treibstoff wird dann zu großen Teilen aus erneuerbaren Energien kommen, verspricht Diwald.

Wasserstoff so teuer wie Benzin

Futuristisch wie die Außenhaut ist auch der Innenraum des Mirai. Luxus verströmt er für über 70.000 Euro nicht.
Futuristisch wie die Außenhaut ist auch der Innenraum des Mirai. Luxus verströmt er für über 70.000 Euro nicht.(Foto: Holger Preiss)

Der angenehme Nebeneffekt von Wasserstoff ist der, dass er mit Hilfe von Elektrolyse-Anlagen gut gespeichert werden kann. Selbst bei einer Überproduktion würde so die Energie nicht wieder verloren gehen. Hierzulande gibt es momentan 15 Anlagen, die Wasserstoff herstellen können. Bis zum Jahr 2022 sollen bis zu 600 Millionen Kubikmeter Wasserstoff zur Verfügung stehen. Überproduktion, Speicherkapazität und Menge lassen jetzt die Annahme zu, dass das Gas zum kleinen Preis in die Tanks der Fahrzeuge kommen wird. Doch weit gefehlt. Diwald geht davon aus, dass eine Fahrt über 100 Kilometer etwa acht Euro kosten wird. Hinzu kommen Steuern, die die Summe dann auf 14 Euro treiben werden.

Was jetzt natürlich immer noch für die Brennstoffzelle spricht, ist die Fahrt ohne Emissionen und der Umstand, dass der derzeitige Tiefpreis von Benzin und Diesel nicht ewig anhalten wird. Diwald prophezeit für die nahe Zukunft Preise von weit über 1,50 Euro für den Liter. Und damit steht er nicht allein. Allerdings sind auch diese Rechnungen im Moment nur Planspiele, denn zurzeit ist das Fahrzeugangebot noch übersichtlicher als das Tankstellennetz. Neben dem Toyota Mirai, der ab September zu einem Preis von 78.580 Euro zu kaufen ist, offeriert lediglich Hyundai den ix35 als Fuel Cell. Den gibt es aber nur für ausgewählte Kunden. Kostenpunkt für den Hyundai sind 65.000 Euro. Beide Autos dürften angesichts der Preise aber eher Prestigeobjekte sein denn eine wirtschaftliche Überlegung. Allerdings haben auch schon Honda und Mercedes angekündigt, ihre Brennstoffzellenfahrzeuge in den nächsten zwei Jahren auf den Markt zu bringen. Andere Marken wie BMW haben das Projekt vorerst auf Eis gelegt. Unterdessen arbeiten die Münchner aber mit Toyota zusammen an der zweiten Generation des Brennstofzellenautos. Für 2020 ist hier eine Großserie geplant und damit vielleicht auch die ersten wasserstoffgetriebenen Fahrzeuge der Bayern.

Es bleibt der lange Atem

Betrachtet man den Mirai genauer, wird deutlich, dass es sich hier nicht um ein Luxusauto handelt. Unter seiner futuristischen Haut verbirgt sich ein 158 PS starker Elektromotor, der dem 4,89 Meter langen Viertürer eine Spitzengeschwindigkeit von 178 km/h ermöglicht. Eine Optionsliste gibt es für den 1,9 Tonnen schweren Japaner nicht. Was auch dem Umstand geschuldet ist, dass der Wagen im Moment noch wie in einer Manufaktur gefertigt wird. Lediglich drei Autos verlassen pro Tag das Werk. Zur Serie gehören aber nicht nur elektrisch verstellbare Sitze und eine Lenkradheizung, sondern auch ein umfassendes Infotainmentsystem und das Bewusstsein, als einer der Ersten über eine lange Strecke in eine grüne Zukunft zu fahren.

Fakt ist natürlich, dass auch in Zukunft kaum ein Kunde bereit sein wird, für ein Auto mit 160 PS mehr als 70.000 Euro auszugeben. Deshalb sieht Toyota natürlich noch einen anderen Einsatzbereich für die Brennstoffzelle. Die Japaner testen gerade mit der Hino Motors Corporation einen Bus mit dem Antrieb, der auch den Mirai bewegt. Und auch bei Schwerlastern und Lieferfahrzeugen sehen die Japaner den Antrieb in Zukunft. Und das scheint nur logisch, denn die schon erwähnte Langstrecke ist der große Bonus von Wasserstoff.

Bleibt nur zu hoffen, dass Toyota nicht der Atem ausgeht. Dem widersprechen die Japaner aber schon im Ansatz und verweisen darauf, dass sie bereits mit dem Hybridantrieb bei der Stange geblieben sind, obgleich andere Hersteller erst jetzt auf diese Technik setzen. Und es hat sich gelohnt. Während in den ersten zehn Jahren seit 1997 kaum 100.000 Fahrzeuge verkauft wurden, sind es heute 7,4 Millionen weltweit.

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Quelle: n-tv.de

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