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Die GM-Chefin Mary Barra genießt es in Las Vegas auf der CES den neuen Chevrolet Bolt zu präsentieren.
Die GM-Chefin Mary Barra genießt es in Las Vegas auf der CES den neuen Chevrolet Bolt zu präsentieren.(Foto: AP)

320 Kilometer rein elektrisch: Chevrolet Bolt - erschwinglicher Stromer?

Bereits in Los Angeles hatte Chevrolet seinen neuen Beitrag zur Elektromobilität gezeigt: den Bolt. Damals nur als Studie, präsentiert GM-Chefin Barra jetzt die finale Version des Autos, das im Herbst zu erschwinglichen Preisen auf den US-Markt kommen wird.

Der Chevrolet Bolt fährt im Crossover-Look vor.
Der Chevrolet Bolt fährt im Crossover-Look vor.

Sie ist die einzige Frau auf dem Chefsessel eines großen Autoherstellers, sitzt zudem im Aufsichtsrat von Opel und wurde jüngst zu einer der einflussreichsten Frauen der Welt gewählt. Mary Barra genoss es sichtlich, dass sie bei der wichtigsten Premiere der CES in Las Vegas ganz allein die Bühne beherrschte. Neben ihr der Chevrolet Bolt, ein kompaktes Elektroauto mit gut 320 Kilometern Reichweite, das noch in diesem Jahr auf den Markt kommt und deutlich weniger als 30.000 Euro kosten soll. In diesen Preis sind allerdings die staatlichen Zuschüsse einberechnet.

Das Problem ist allerdings, das der sogenannte "after federal tax credit" nicht jedem gezahlt wird. Ohne diesen staatlichen Steuernachlass kostet der neue GM-Stromer nämlich 37.500 Dollar (ca. 34.500 Euro). Wieviel Nachlass ein Käufer tatsächlich erhält, hängt letztlich von seinem persönlichen Einkommen und dem damit verbundenen Steuersatz ab.

Kritiker bemängeln im amerikanischen Fördersystem für Plug-in-Hybride und E-Autos daher, dass in der Regel nur Kunden mit einem Jahreseinkommen von über 175.000 Dollar den höchsten Nachlass erhalten, während für Menschen mit deutlich geringerem Einkommen der Kauf eines E-Autos unter Umständen nur mit wenigen hundert Dollar subventioniert wird.

Auch ein E-Opel wird kommen

Im Gegensatz zum größeren Chevrolet Volt, dessen Vorgänger in Deutschland als Opel Ampera nicht gerade ein Verkaufsschlager war, ist der Bolt ein reines E-Mobil. Obwohl die Benzinpreise auch in den USA auf Talfahrt sind, erhofft sich Mary Barra von dem Fünfsitzer im Crossover-Look den Durchbruch für diese Art von Autos – zunächst in den USA: fünf vollwertige Sitze, mehr Platz fürs Gepäck als zum Beispiel im BMW i3, dazu ein hochbeiniges Blechkleid in Leichtbau mit recht steil abfallender Heckpartie. Das von Mary Barra versprochene Elektroauto für die deutsche Tochter Opel wird trotz optischer Unterschiede die Technik des Bolt übernehmen.

Ein recht futuristisches Cockpit ziert den Innenraum des Bolt.
Ein recht futuristisches Cockpit ziert den Innenraum des Bolt.

Über technische Details ihres Hoffnungsträgers schweigt sich die GM-Chefin noch aus. Verraten wird die Reichweite, die pro Batterieladung bei rund 320 Kilometern liegen soll. Auch die Höchstgeschwindigkeit wird mit knapp 140 km/h angegeben. Die Ladezeit beträgt neun Stunden an der Haushaltssteckdose. Etwa 80 Prozent der Batteriekapazität werden in weniger als 60 Minuten an speziellen Stromzapfstellen zur Verfügung gestellt . Vermutlich wird der E-Motor auf gut 136 PS kommen, die schon das aus Südkorea stammende, allerdings kaum verkaufte Elektroauto Chevrolet Spark EV auf die Straße brachte. Mehr Informationen soll es kurz vor dem Marktstart im Herbst dieses Jahres geben.

Ausstattungsstandards bleiben

Kein Geheimnis macht Chevrolet bei der Ausstattung des Bolt. Hier gibt es ein spezielles Navigationssystem, das die nächstgelegenen Stromtankstellen auflistet. Hinzu kommt ein Bordrechner, der je nach Fahrstil, Außentemperatur und jeweiligen Ladezustand der Batterie die exakte Restreichweite berechnet, oder das kabellose Ladefach fürs Handy zwischen den Vordersitzen. Das Cockpit ist, wie bei E-Mobilen üblich, recht futuristisch gestaltet: "Wir haben den Bolt von innen nach außen entwickelt und konnten einige Ideen verwirklichen, die eben nur bei so einer Art von Auto möglich sind", so Designer Stuart Norris. Als Beispiel nannte er den breiten Monitor, der die Mitte des Armaturenbretts beherrscht: "Wir haben uns für dunkle Schriften und Symbole auf weißem Hintergrund entschieden. Die fettigen Fingerabdrücke auf dem Display stören dann nicht so sehr".

Die kleine Durchreiche und die hohe Kante  der umgelegten Rückbank dürften Ladeprofis als störend empfinden.
Die kleine Durchreiche und die hohe Kante der umgelegten Rückbank dürften Ladeprofis als störend empfinden.

Auf dem Monitor kann natürlich auch des Smartphone gespiegelt werden, so dass die Insassen die vertrauten Symbole wiederfinden und fast alle Apps wie gewohnt nutzen können. Dazu gibt es natürlich eine Internet-Anbindung, auch mit dem derzeit schnellsten Standard LTE. Bei alledem müssen künftige Bolt-Käufer nicht auf die bekannten Feinheiten der Benzin-Pendants verzichten: Rückfahrkamera, Notbremsfunktion, Toter-Winkelsensor, Spurhalteassistent und vieles mehr können bestellt werden.

Die Autoindustrie verändert sich

Bei der ersten Sitzprobe überrascht vor allem das Raumgefühl im Fond. Zwei erwachsene Hinterbänkler finden ausreichend Platz, auch für Knie und Füße. Da die Lithium-Ionen-Batterie zentral unter dem Passagierabteil verstaut werden konnte, ist der "Fußboden" des Bolt erfreulich flach bis in den Kofferraum hinein, der durch Umlegen der Rücksitzlehnen vergrößert werden kann. Kleiner Nebeneffekt des Akku-Verstecks: Die Insassen nehmen auf deutlich erhöhten Sitzen Platz.

Mary Barra prophezeit, dass sich "die Autoindustrie in den nächsten fünf bis zehn Jahren mehr verändern wird als in den letzten 50 Jahren". Die Konkurrenz durch neue, meist kleine Hersteller wie Tesla oder künftige chinesische Modelle schreckt sie dabei nicht. "Hier können wir unsere Größe und unser dichtes Händlernetz nutzen". Aber auch Carsharing-Projekte werden ihrer Einschätzung nach an Bedeutung gewinnen. Denn Mary Barra hat erkannt: "Immer mehr Menschen wollen ihr Auto künftig nur nutzen, statt es zu besitzen".

Quelle: n-tv.de

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