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Ohne Flux-Kompensator wird der DeLorean nicht fliegen können. Aber auf die Straßen kehrt er zurück.
Ohne Flux-Kompensator wird der DeLorean nicht fliegen können. Aber auf die Straßen kehrt er zurück.

"Zurück in die Zukunft": Der DeLorean ist wieder da

Von Holger Preiss

Im Verkauf konnte sich der DeLorean DMC-12 mit seiner Edelstahlkarosserie und den Flügeltüren nie durchsetzen. Dank des Films "Zurück in die Zukunft" kennt ihn aber fast jeder. 2013 soll er auf US-amerikanische Straßen zurückkehren: als DMC-EV.

Lediglich 8600 DeLorean wurden gebaut, bevor die Firma in die Pleite ging.
Lediglich 8600 DeLorean wurden gebaut, bevor die Firma in die Pleite ging.

Als 1985 der erste Teil von "Zurück in die Zukunft" in die Kinos kommt, ist der Hauptdarsteller schon längst gestorben. Nein, nicht Marty McFly (Michael J. Fox), auch nicht "Doc" Emmet L. Brown (Christopher Lloyd), sondern der DeLorean. Nur mit dem DMC-12, Plutonium-Antrieb und Flux-Kompensator sind Reisen in Zukunft und Vergangenheit möglich. Als sich Regisseur Robert Zemeckis entscheidet, den DeLorean für das Kinospektakel zu nutzen, ist die von John DeLorean 1975 in Nordirland gegründete Firma seit drei Jahren vom Markt verschwunden.

Die Geschichte, die zur Schließung führte, ist spektakulär. Im Jahr 1982 stagnierte der Absatz plötzlich und die Einnahmen blieben aus. Um den Laden am Laufen zu halten, soll Firmengründer John DeLorean am Anfang die Gesellschafter geprellt haben. Den Todesstoß gab es aber, als DeLorean vom FBI beim Kokain-Schmuggel erwischt wird. Er beteuert, dass er nur das Unternehmen retten wollte und wird später tatsächlich frei gesprochen. Die Firma aber ist am Boden.

Das Ende eines Traums?

Die Flügeltüren lassen sich beim DMC-EV elektrisch heben und senken.
Die Flügeltüren lassen sich beim DMC-EV elektrisch heben und senken.

Gerade einmal 8600 DeLorean werden gebaut. Heute erinnern nur noch einzelne Devotionalien aus der einstigen Firma in Dunmurry an den DMC-12. Zu sehen sind die inzwischen am neuen Firmensitz der DeLorean Motor Company in Houston, Texas, darunter eine der legendären Flügeltüren, auf der geschrieben steht: "Das ist die letzte rechte Tür, die für einen DMC gefertigt wurde … Das Ende eines Traums. Oder doch nicht?"

Prophetische Worte in den Mauern der Fabrik, die vor 30 Jahren in die Pleite schlitterte. Dennoch nicht unwahr, denn der DeLorean soll jetzt als Elektroauto zu neuem Leben erweckt werden. Das ambitionierte Unternehmen will bereits 2013 die ersten DMC-EV ausliefern. Die Preise haben es in sich. Etwa 90.000 Dollar werden für einen Elektro-DeLorean fällig. Im ersten Jahr sollen 300 Fahrzeuge gebaut und ausgeliefert werden.

In nur fünf Sekunden beschleunigt der DeLorean auf 100 km/h.
In nur fünf Sekunden beschleunigt der DeLorean auf 100 km/h.

Der Initiator des Projektes ist der in Liverpool geborene Stephen Wynne. Vor 30 Jahren zog der Mechaniker in die USA und spezialisierte sich auf die Reparatur des DMC-12. Heute ist er der Hauptgeschäftsführer der DeLorean Motor Company. Die Rechte an der Marke kaufte Wynne bereits 1995. Seit dieser Zeit bietet er Wartungs- und Reparaturarbeiten für die geschätzt 7500 noch existierende DeLorean an.

Elektro-Renner ohne Flux-Kompensator

An der Optik hat Wynne kaum etwas verändert. Der Einstieg erfordert einen tief gebeugten Rücken und bleibt daher beschwerlich, das Äußere hofiert den Stil der 1980er Jahre. Im Inneren hingegen wurde der Wagen an die Gegebenheiten des 21. Jahrhunderts angepasst. Da, wo früher ein Kassettenradio für die Unterhaltung sorgte, gibt es jetzt eine Buchse für das iPhone. Die Gänge werden über eine Tipp-Schaltung am Lenkrad eingelegt und die Gull-Wings lassen sich inzwischen per Knopfdruck heben und senken.

Der Elektromotor des DMC-EV leistet etwa 260 PS. Das führt vom Start weg zu einer sehr eigenen Geräuschentwicklung. Was da klingt wie das Platzen tausend kleiner Bläschen, ist das Kühlsystem, das seine Arbeit leistet, als müsse es einen kleinen Reaktor unter Kontrolle halten. Die Beschleunigung des Wagens ist beachtlich. In knapp fünf Sekunden schießt der Elektro-Renner auf 100 km/h. Die Spitze gibt Wynne mit 193 km/h an. In "Zurück in die Zukunft" reichten 88 Meilen, also 142 km/h, um den Zeitsprung zu schaffen. Hier leider nicht, denn es fehlt ja der Flux-Kompensator. Darauf angesprochen, witzelt Wynne in einem Interview gegenüber der BBC, dass er sich den für künftige Modelle vorbehält.

Zurück in der Gegenwart stellt sich angesichts der Leistungsentwicklung die Frage nach der Reichweite. Die interessiert auch potenzielle Käufer. Wynne wiegelt ab: "Wenn die amerikanische Öffentlichkeit von einem Elektroauto hört, dann fragen sie auch immer nach der Reichweite. Aber wie oft im Jahr, glauben Sie, gehen die wirklich mit ihrem eigenen Auto auf Reisen?" Eine Alternative könnten die auch in den USA immer beliebter werdenden Hybridfahrzeuge sein. Ein Gedanke, den auch Wynne noch nicht verworfen hat.

Quelle: n-tv.de

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