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Dass Porsche den Fahrer eines 911 zum Büttel der Elektronik macht, kann und will man sich nicht vorstellen.
Dass Porsche den Fahrer eines 911 zum Büttel der Elektronik macht, kann und will man sich nicht vorstellen.

Experimente mit Effizienzprogrammen: Entmündigt Porsche den Fahrer?

von Axel Busse

Während Autos immer effizienter werden, gibt es nach wie vor ein Problem: Vorne links sitzt der größte Energieverschwender. Bei Porsche wird an einer Technik gearbeitet, die noch einmal bis zu zehn Prozent Kraftstoffersparnis verspricht. Leider läuft sie auf eine weitgehende Entmündigung des Fahrers hinaus.

Eigentlich kein Wunder, dass der Zielkonflikt zwischen Spaß und Sparen gerade bei Porsche so intensiv bearbeitet wird. Der Zuffenhausener Sportwagenbauer, der nach Ansicht vieler Fans die ultimativen Fahrmaschinen herstellt, befindet sich in permanentem Abwehrkampf gegen Vorwürfe, spritfressende Spielzeuge für Reiche zu produzieren. Vor allem der Geländewagen Cayenne, als Dieselmodell derzeit der meistverkaufte Porsche überhaupt, hat lange Zeit die Gemüter der Öko-Fraktion erhitzt. Wer etwas gelassener die Fakten begutachtet, muss allerdings konzedieren, dass die Stuttgarter Erzeugnisse, gemessen an Leistungsvermögen und bewegter Masse, sehr wirtschaftlich mit dem eingesetzten Treibstoff umgehen.

Greift die Elektronik ein, können bis zu elf Prozent Sprit gespart werden.
Greift die Elektronik ein, können bis zu elf Prozent Sprit gespart werden.

Die Sparmöglichkeiten aus Motorentechnik und Reduzierung der Fahrwiderstände neigen sich jedoch einer Grenze zu. Einspritz-, Verbrennungs- und Abgastechnik sind soweit ausgereizt, dass nennenswerte Ergebnisse mit vertretbarem Kostenaufwand kaum noch erzielt werden können. Ähnliches gilt für die Einsparerfolge durch Leichtlaufreifen, Reduzierung des Luftwiderstandes sowie Verringerung der Reibungsverluste in Motor oder Getriebe. Die Einwirkung des Fahrers auf das Auto, also sein Fahrstil, erscheint den Experten jedoch als vielversprechendes Feld zusätzlicher Verbrauchsabsenkung.

Bordsensorik hilft sparen

Ebenso wie andere Fabrikate auch, verfügt ein aktueller Porsche über die Möglichkeit der Entkoppelung von Antriebsstrang und Rädern, was das sogenannte "Segeln" erlaubt. Beim Bremsen wird Energie zurückgewonnen, eine Auto-Stopp-Start-Funktion legt den Motor still, wenn er zum Beispiel an der Ampel nicht gebraucht wird. Die Techniken aber, so die Erkenntnis von Porsche-Ingenieur Dr. Matthias Lederer und seinem Team, könnten noch wirksamer sein, schränkte man den Einfluss des Menschen hinterm Steuer nachhaltig ein. Die meisten sind nämlich allenfalls nach intensivem Training in der Lage, wirklich verbrauchsoptimiert zu fahren. Stattdessen wird eher intuitiv auf Gas oder Bremse gedrückt, was selten den tatsächlichen Erfordernissen und der Effizienzoptimierung entspricht.

Zur Steuerung von Sicherheits-, Warn- und Effizienzsystemen werden in einem modernen und komfortablen Auto ständig eine große Menge an Daten erhoben. Diese Bordsensorik will sich Lederer zunutze machen, um Fahrfunktionen so zu beeinflussen, dass der Sprit noch weiter reicht. Ein Sparpotenzial von zusätzlichen zehn Prozent wird für möglich gehalten. Auf der Grundlage von detaillierten GPS-Daten und Navigationskarten, unter Einbeziehung von Wettereinflüssen, Fahrbahnbelägen und Kurvenradien soll dieser Porsche der Zukunft das optimale Sparmobil werden.

Detaillierte Karten als Basis

Die Sache hat nur einen Schönheitsfehler: Fahrer oder Fahrerin werden kaum noch gebraucht. Soll das Auto so ressourcenschonend von A nach B fahren, wie es technisch möglich ist, muss sich der Einfluss des Chauffeurs aufs Lenken beschränken, den Rest macht das System, dass in der Entwicklung "ACC InnoDrive" genannt wird. Die ersten drei Buchstaben stehen für Adaptive Cruise Control, also die an die Verkehrssituation angepasste Geschwindigkeitsregelung. Staus und Kreuzungen, eine Bergkuppe oder das beste Tempo für eine Kurvendurchfahrt erkennt das auf Kameras und Sensorik basierende System und regelt die Fahrt danach ein. Lederer schätzt, dass in frühestens zwei Jahren die Hersteller von Navigationsgeräten entsprechend detailliertes Kartenmaterial zur Verfügung stellen können.

Die "Fahrstrategie", so Lederer, kann nach Berechnung der Bedingungen auf einem Diagramm aus Tempo und Zeit wie ein Schlauch dargestellt werden, der optimiertes Beschleunigen und Verzögern ebenso enthält wie die automatischen Motorstopps an Ampeln oder im Stau. In der Perspektive scheinen jedoch eher Modelle wie der Cayenne oder der Panamera für den praktischen Einsatz geeignet. Den Fahrer eines 911ers zum Lenk-Lakaien zu degradieren, mag sich bei Porsche derzeit niemand vorstellen. Da erscheint noch die Einführung eines Diesel- oder Hybrid-Motors in der Baureihe wahrscheinlicher.

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Quelle: n-tv.de

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