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Ein ehemaliges Straßenbahn-Depot wird in Augsburg zum ersten deutschen Mazda-Museum.
Ein ehemaliges Straßenbahn-Depot wird in Augsburg zum ersten deutschen Mazda-Museum.(Foto: Mazda)
Donnerstag, 11. Mai 2017

Unternehmer mit Benzin im Blut: Erstes Mazda-Museum außerhalb Japans

Von Axel F. Busse

Seit über 40 Jahren verkauft Mazda seine Autos in Deutschland. Seit 30 Jahren sammelt die Familie des Augsburger Unternehmers Walther Frey die japanischen Fahrzeuge. Jetzt präsentiert er seine weltweit erworbenen Raritäten im eigenen Automuseum.

Wenn es noch eines Beweises bedürfte, dass Deutschland ein Auto-Land ist, müsste man sich nur die Anzahl der Auto-Museen anschauen: Genau 254 waren es 2016 und seit heute gibt es noch eines mehr: Das "Mazda Classic – Automobil Museum Frey" in Augsburg.

Auch das gab es mal bei Mazda: Einen Geländewagen namens Pathfinder.
Auch das gab es mal bei Mazda: Einen Geländewagen namens Pathfinder.(Foto: Busse/Textfabrik)

Eine private Initiative ist Ursprung dieser einzigartigen Sammlung von Mazda-Automobilen. Der Augsburger Unternehmer Walther Frey, später unterstützt von seinen Söhnen Joachim und Markus, hat den Grundstock dafür gelegt. In mehr als 30 Jahren hat die Familie rund 120 Mazda-Fahrzeuge aus aller Welt zusammen getragen, von denen mehr als ein Drittel nun erstmals der Öffentlichkeit präsentiert wird. Ab diesem Samstag ist die Schau für jedermann geöffnet.

Die 1920 gegründete und im japanischen Hiroshima beheimatete Firma Mazda haben viele Klassiker-Freunde gar nicht auf der Rechnung, wenn es um historische Automobile geht. Gerade deshalb war es Walther Frey ein Bedürfnis, die Vielfalt der Stile und Konzepte erlebbar zu machen und zu einem repräsentativen Querschnitt zusammenzustellen. Bei der weltweiten Suche nach originellen und außergewöhnlichen Modellen wurde deshalb besonders auf solche Exemplare Wert gelegt, die nicht in Deutschland oder Europa im Handel waren. Wahre Exoten schmücken also die Schau, die in einem ehemaligen Straßenbahndepot ihre Heimat gefunden hat. Es ist das einzige Mazda-Museum außerhalb Japans.

Straßenbahn raus – Cosmo rein

Ein Hauch von Maserati: Das Coupè Luce R 130 aus dem Jahr 1969.
Ein Hauch von Maserati: Das Coupè Luce R 130 aus dem Jahr 1969.(Foto: Busse/Textfabrik)

Die Freys hatten sich schon seit Jahren mit der Idee getragen, ihre Preziosen nicht länger vor der Öffentlichkeit zu verstecken. Als sich 2012 die Möglichkeit auftat, von der Stadt Augsburg das stillgelegte Depot zu kaufen, nahm das Vorhaben konkrete Formen an. Sanierungspläne für die denkmalgeschützte Halle wurden aufgestellt, ein zusätzlicher Neubau konzipiert, Genehmigungen eingeholt, Verbündete gesucht. Auf Unterstützung aus der in Leverkusen gelegenen Deutschland-Zentrale von Mazda mussten die Initiatoren nicht lange warten. Die Chance auf ein publikumswirksames Forum zur eigenen Traditionspflege wollte man sich dort nicht entgehen lassen. Für markenspezifische Auto-Sammlungen waren bis dato nur einheimische Hersteller wie Mercedes, BMW oder Porsche bekannt, keinesfalls aber Importeure.

Außer dem persönlichen Enthusiasmus Walther Freys gab es noch einen weiteren hilfreichen Umstand für die Realisierung des Projekts. Die Firma ist seit 1978 Mazda-Händler, besitzt eine umfangreiche Werkstatt und hat die nötigen, teils aufwändigen Restaurationen der angekauften Altfahrzeuge im eigenen Hause vornehmen können. Legendäre Fahrzeuge wie etwa das Wankel-Coupé Cosmo sehen daher aus, als seien sie eben vom Band gelaufen. Als etwas zu kühn erwies sich allerdings im Spätherbst 2016 der aufgestellte Zeitplan, in dem eine Eröffnung bereits zum Jahresbeginn 2017 vorgesehen war.

Dieser winzige Flügeltürer trägt die Bezeichnung Autozam AZ-1.
Dieser winzige Flügeltürer trägt die Bezeichnung Autozam AZ-1.(Foto: Busse/Textfabrik)

Nun ist alles fertig und es stehen in den restaurierten Gebäuden rund 1500 Quadratmeter Ausstellungsfläche und ein 700 Quadratmeter großer Eventbereich zur Verfügung. Eine Gastronomie sowie ein Mazda Classic Shop mit ausgewählten Merchandising-Produkten der Marke ergänzen das Angebot für die Besucher. Zur Eröffnung war eigens der geschäftsführende Vizepräsident der Mazda Motor Corporation, Akira Marumoto, angereist. "Alle Mitarbeiter in unserer Unternehmenszentrale in Hiroshima sind sehr stolz darauf, dass die Familie Frey so etwas großartiges erschaffen hat", so Marumoto zum Engagement der Augsburger.

Für Abwechslung ist gesorgt

Der Name Mazda steht nicht nur für die Wiederbelebung des Roadster-Segments durch den MX-5 oder den einzigen Sieg eines Rennwagens mit Wankelmotor beim 24-Stunden-Rennen in Le Mans. Highlights der Fahrzeugausstellung sind verschiedene Modelle, die offiziell nie in Deutschland verkauft worden sind, unter anderem der Mazda K360, ein dreirädriger Leicht-Lkw sowie der erste Mazda-Pkw R360 Coupé von 1960, das Mazda Familia 1000 Coupé von 1966, der Luce RX87 von 1969 oder der AZ-1 von 1992. Natürlich werden auch hierzulande bekanntere historische Mazda-Modelle, angefangen vom ersten ab 1972 offiziell verkauften Mazda 616 über die Erfolgs-Baureihen 323 und 626 bis hin zum MX-5 der ersten Generation von 1990 oder die Xedos-Modelle aus den 90er Jahren gezeigt.

Ergänzt wird die Sammlung der rollenden Kostbarkeiten durch Bild- und Textdokumentationen, technische Erläuterungen und Archivmaterial. Filme und Fotos erzählen in deutscher und englischer Sprache verblüffende und unterhaltsame Geschichten über den japanischen Hersteller. Da Walther Frey und seine Söhne über genügend Auswahl verfügen, wird ein regelmäßiger Austausch der ausgestellten Fahrzeuge für Abwechslung sorgen.

Quelle: n-tv.de

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