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Ferrari stellt in Genf sein neues Topmodell mit dem Namen La Ferrari vor.
Ferrari stellt in Genf sein neues Topmodell mit dem Namen La Ferrari vor.(Foto: REUTERS)

Die Welt ist voller Sportwagen: Genf protzt mit Superlativen

Ihre Neuheiten haben die Volumenhersteller bereits im Vorfeld des Genfer Salons auf den Markt geworfen. Insofern ist das Feld für die Luxushersteller frei und sie fahren glanzvoll und PS-geladen auf der traditionsreichen Automesse auf.

Mit dem Veneno macht Lamborghini Erzfeind Ferrari erneut Druck.
Mit dem Veneno macht Lamborghini Erzfeind Ferrari erneut Druck.

Nimmt man den Genfer Salon zum Maßstab, müsste die Welt voller Supersportwagen sein. Denn Boliden der obersten Leistungsliga bestimmen auf der Frühjahrsmesse das Bild. Dass die Exponate der Volumenhersteller dabei im Halbschatten stehen, hat nicht nur mit dem PS-Glanz der exklusiven Sportler zu tun, sondern auch mit einer gewissen Ideenarmut im bürgerlichen Lager.

Die Edelmarken hingegen liefern sich einen Wettbewerb auf höchstem Niveau. Von der europäischen Absatzkrise ist man nicht betroffen, die Kundschaft sitzt in Asien, den USA  und Osteuropa. Und sie muss gar nicht zahlreich sein, wie Lamborghini weiß. In der Mini-Auflage von drei Exemplaren haben die Italiener ihren ultimativen Sportwagen aufgelegt: Der Veneno ist ein 750-PS-Ableger des Aventador und bietet ein extrem aggressives Designs, brachiale Fahrleistungen und einen abenteuerlichen Preise. Jedes Mitglied des Produktions-Trios wird 3,6 Millionen Euro kosten. Der Veneno ist aber nicht nur ein Lockmittel für reiche Scheichs, sondern auch eine kleine Spitze gegen Ferrari.

Enzo, P1 und GT3 kämpfen um die Spitze

Auch der McLaren P1 ist ein echter Ferrari-Jäger.
Auch der McLaren P1 ist ein echter Ferrari-Jäger.

Denn der Erzkonkurrent mit dem Pferd im Wappen stellt in Genf sein neues Top-Modell mit dem schönen Namen La Ferrari vor, den Nachfolger des legendären Enzo. Seit dessen Produktionsende 2004 ist bei Ferrari der Spitzenplatz in der Modellfamilie unbesetzt. Um den Thron in der Supersportwagenklasse wird der Italiener aber kämpfen müssen, steht doch in Genf mit dem McLaren P1 ein ernsthafter weiterer Anwärter bereit.

Der 916 PS starke Hybridmotor-Brite hat im legendären F1 ebenfalls einen berühmten Ahnen. Komplettiert wird das Supersportwagenprogramm durch den Porsche GT3; die stärkste Saugmotorvariante des 911 ist aber trotz seines auffälligen Flügelwerks weniger Paradiesvogel als ehrlicher Rundstreckenarbeiter. Und auch jenseits absoluter Sportlichkeit glänzen die Edel-Marken in Genf. Rolls-Royce stellt mit dem Wraith ein Coupé auf Basis des Einstiegsmodells Phantom vor, Ex-Schwestermarke Bentley hat die Luxuslimousine Flying Spur erneuert und zur schnellsten ihrer Art aufgerüstet.

Visionen für die Zukunft fehlen

Während bei den Luxusherstellern also Glanz und Glamour herrscht, haben die Massenmarken mit der europäischen Pkw-Krise zu kämpfen. Mancherorts scheint man sich schon auf einen längeren Winterschlaf vorzubereiten. Statt Zukunftsvisionen vorzustellen wie noch zu Beginn des Jahrzehnts, geht es diesmal eher um die Festigung des Bestehenden. Einen Großteil der 116 Premieren bestreiten daher Nachfolger bekannter Modelle. So etwa Volkswagens wichtigste Premiere, der Golf Variant. Die Neuauflage ist etwas größer, aber viel geräumiger und etwas praktischer geworden, verzichtet aber wie bereits die Limousine auf revolutionär Neues.

(Foto: REUTERS)

Das kann man ihm genau so wenig vorwerfen wie dem ebenfalls neuen Skoda Octavia, der an seinem Erfolgsrezept mit großzügigem Raumangebot und preissensibler Bauweise festhält. Ergänzt wird das Volumensegment unter anderem durch Toyota Auris Touring Sports, Kia Carens und Nissan Note. Alles vernünftige Autos, ordentlich gemacht, aber klar der Tradition ihrer Vorgänger verpflichtet. Das Pflichtprogramm eines jeden Herstellers, Evolution statt Revolution.

Nicht viel origineller mutet da der fortgesetzte SUV-Trend an, der nun auch die Klein- und Kleinstwagen erreicht hat. Eine ganze Reihe Crossover-Stadtflitzer feiern in diesem Jahr Premiere. Angefangen mit dem Peugeot 2008, über den Renault Captur und den Ford Eco Sport bis hin zu Mini-Mobilen wie der VW Cross Up und dem Fiat 500L Trekking. Die Zutaten beschränken sich in der Regel auf eine höher gelegte und etwas bulliger gestaltete Karosserie sowie Anbauteile in Matsch-und-Schlamm-Optik. Allradantrieb gibt es in den wenigsten Fällen.

CLA und 3er GT retten das Bild

Der Micromax von Rinspeed ist eine Studie, fern ab der Realität.
Der Micromax von Rinspeed ist eine Studie, fern ab der Realität.

Ein paar Premieren mit echtem Neuerungswert gibt es aber doch. Allen voran der erstmals aufgelegte BMW 3er GT, der Elemente von Kombi und Coupé vereint und so zum schnittigen Reisewagen in der Mittelklasse-Familie wird. Oder der Mercedes CLA, der das Coupé-Styling auf eine kompakte Limousine überträgt. Auch Opel verlässt mit dem Cascada seine ausgetretenen Pfade. Das Cabrio mit Stoffdach basiert zwar auf dem Astra, ist aber ein Nummer größer und eine Note edler. So wollen die Rüsselsheimer als Preisbrecher im Segment der großen offenen Viersitzer punkten, das aktuell fest in den Händen der Edelmarken ist.

Was trotzdem fehlt sind zukunftsweisende Modelle. Zwar hat VW nach jahrelanger Arbeit endlich eine Serienversion des Ein-Liter-Autos XL1 vorgestellt, gebaut wird der skurrile Leichtbau-Kleinwagen mit Diesel-Hybridantrieb aber nur in homöopathischen Dosen.

Schwester Audi entdeckt mit dem A3 G-Tron den Erdgasantrieb neu, hat für das löchrige Tankstellennetz aber auch keine praktikable Lösung. Zwar stellen die Ingolstädter mit dem A3 E-Tron auch einen modernen Plug-in-Hybrid vor – auf den Markt kommt er aber erst in rund einem Jahr.

Micromax – Originell, aber ohne Zukunft

Somit stammt die originellste Lösung für die Verkehrs- und Umweltprobleme der Zukunft vom schweizerischen Konzeptauto-Spezialisten Rinspeed. Der Micromax bietet dank seiner neuartigen Steh-Sitze auf der Grundfläche eines Kleinwagens Platz für vier Personen und Gepäck. Der Antrieb erfolgt elektrisch, die Fahrzeuge sind untereinander vernetzt und können Staus umfahren. Eine Serienumsetzung allerdings wird es nicht geben.

Im Kampf gegen die aufflammende Langeweile im automobilen Neuheitenreigen kann da fast nur Qoros helfen. Die neugegründete chinesische Marke setzt zum Sprung nach Europa an und will gleich VW Golf und Co. ernsthafte Konkurrenz machen. Sieht man sich den professionellen Auftritt in Genf und die zumindest optisch gelungenen Fahrzeuge an, könnte das besser klappen als die bisherigen Versuche von Marken aus dem Reich der Mitte. Und ein kleiner China-Schock täte der Branche vielleicht sogar gut.

Quelle: n-tv.de

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