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Der Up soll als der kleinste VW vor allem die Emotionen der jungen Käufer wecken.
Der Up soll als der kleinste VW vor allem die Emotionen der jungen Käufer wecken.(Foto: Abdruck fuer Pressezwecke honora)

Mikromobilität boomt einfach nicht: Kleinste müssen wie iPhone sein

von Holger Preiss

Die Werte in der Gesellschaft verändern sich. Heute identifiziert man sich eher über ein iPhone als ein Auto. Insofern scheinen die in Massen auf den Markt drängenden City-Flitzer diese Entwicklung zu bedienen. Doch die Käufer bleiben unbeeindruckt. Mit Blick auf die Vergangenheit stellt sich die Frage nach der Zukunft der Minis.

Angeben mit dem Auto? Das soll, wenn man einer Studie der Unternehmensberatung Progenium unter 1000 Deutschen glaubt, der Vergangenheit angehören. Für viele hat der fahrbare Untersatz nur noch eine funktionale Bedeutung. Gerade bei Großstädtern, Frauen und Westdeutschen ist der Drang verschwunden, mit dem Kauf eines Autos ein soziales Zeichen zu setzen. Ein iPhone, iPad oder gute Kleidung bringen der Umfrage zufolge eher den eigenen  Status zur Geltung als ein Auto. Das Wunschauto ist nicht das Traumauto von gestern. Es kann kleiner sein, es muss dabei nicht unkomfortabel sein. Und auch das Thema Ökologie soll beim Verbraucher angekommen sein.

Insofern wollen die Autohersteller Werte vermitteln, die dem Zeitgeist angepasst sind, und drücken im Segment der Kleinstwagen auf die Tube. Allein unter dem Dach der Übermutter VW werden 2012 gleich drei City-Flitzer angeboten. Volkswagen selbst schickt den Up ins Rennen, Skoda kommt mit dem Citigo und Seat buhlt mit dem Mii um die Gunst der Kunden. Natürlich ist der deutsche Autobauer nicht der Einzige, der vermehrt auf die Straßenzwerge setzt.

Der französische Autobauer Citroen setzt im Segment der Kleinstwagen auf den C1.
Der französische Autobauer Citroen setzt im Segment der Kleinstwagen auf den C1.

Renault hat den Twingo geliftet, Citroen wartet mit einem neuen C1 auf. Die Asiaten bieten bereits seit einiger Zeit entsprechend kleines an. Hyundai den i10, Toyota den iQ und Mazda den Mazda2. Angesichts dieser Tatsache müssten jubelnde Frauen und junge Menschen, die die angesagte Zielgruppe für diese Fahrzeuge sind, die Städte förmlich überschwemmen.

Doch es zeigt sich ein anderes Bild. Die Gewinner bei den Pkw-Neuzulassungen 2011 waren  in Deutschland Oberklasselimousinen (plus 30,3 Prozent), Vans (plus 27,3 Prozent) und Geländewagen (plus 22 Prozent). Deutlich weniger gefragt waren die sogenannten Kleinstwagen. Hier ging der Absatz um 12,4 Prozent zurück.

Keine Emotion, kein Komfort

Woran liegt das? Angesichts  des Wertewandels, stetig steigender Benzinpreise, verstopfter Straßen und nicht vorhandener Parkplätze in den Städten müssten die Fahrzwerge einen unendlichen Boom erleben. Tun sie aber nicht. Auch in der Vergangenheit haben deutsche Autobauer keine guten Erfahrungen mit den Kleinstwagen gemacht. Daimler fuhr mit dem Smart Milliardenverluste ein. BMW hatte lange Mühe, den Mini in die schwarzen Zahlen zu bringen und auch VW hatte in den vergangenen Jahren kein Glück.

Der  Absatz des ab 1998 produzierten Lupo war so schlecht, dass die Wolfsburger die Produktion einstellten. Im Jahr 2002 wurden vom kleinsten VW 24.352 Einheiten verkauft. Der große Bruder Polo wurde im selben Zeitraum 112.925 Mal abgesetzt. Es kann nur gemutmaßt werden, warum der Lupo von der sonst treuen VW-Kundschaft nicht angenommen wurde. Die beengten Platzverhältnisse, der hohe Preis und die daraus resultierende Alltagsuntauglichkeit könnten ein Grund gewesen sein.

Bis 2010 bildete der VW Fox das kurze Ende der VW-Produktpalette.
Bis 2010 bildete der VW Fox das kurze Ende der VW-Produktpalette.(Foto: Abdruck fuer Pressezwecke honora)

2005 wird der Lupo durch den Fox abgelöst. Ein Auto das eher an die Maße des Polos erinnert, dem aber auch kein Verkaufserfolg beschert ist. In seinem letzten Verkaufsjahr 2010 setzen die Wolfsburger gerademal 1717 Fox ab. Lagen damit aber immer noch an der Spitze verkaufter Kleinstwagen in Deutschland. Ob dem neuesten Streich, dem VW Up, der seit November 2011 im Handel ist, ein ähnliches Schicksal droht, ist offen.  Zahlen liegen bei VW noch nicht vor.

Es scheint, als versuchten die Entwicklungschefs der Unternehmen seit Jahren den Boom einer kommenden Mikromobilität herbeizureden. Der Automobilwirtschaftler Ferdinand Dudenhöffer hält den Durchbruch der Minis für eher unwahrscheinlich. „Sie bieten weder die Emotionen eines Motorrades, noch den Komfort eines Autos“, so Dudenhöffer.

Zwerge mit großem Durst

Noch ein weiteres Problem verhindert die Absätze der City-Mobile. Die meisten Fahrzeuge unter vier Meter sind keine Verbrauchswunder. Zwar sind sie leicht gebaut und schwach motorisiert, aber es fehlt aus Kostengründen häufig an der entsprechenden Technik, die den Spritverbrauch senkt. Hinzu kommt, dass es die Kleinsten kaum in einer spritsparenden Dieselvariante gibt. Lediglich der 3-Liter-Lupo wurde derart motorisiert angeboten, schlug dann aber auch mit 15.000 Euro zu Buche.

Zum Vergleich: Der VW Up mit einer 1.0-Liter-Maschine verbraucht mit 44kW (60PS) auf 100 Kilometer 4,5 Liter Super. Der Polo mit 1,2-Litern und ebenfalls 60 PS bringt es auf 5,5 Liter. Also auch das eine, angesichts der besseren Alltagstauglichkeit, zu vernachlässigende Größe. 

Elektroantrieb als Rettung

Die letzte Alternative  scheint der Elektroantrieb zu sein. Bei VW ist er bereits für den Up vorgesehen und das Fahrzeug so konstruiert, dass er problemlos eingebaut werden kann. Sofern er denn da ist. Im Augenblick sind  Brennstoffzellen extrem teuer und würden den letzten nennbaren Vorteil der Stadt-Flitzer in den Schatten stellen. Bestes Beispiel Leaf. Für das reine Elektroauto ruft Nissan 35.000 Euro auf. Der Up kostet in der puristischen Grundausstattung 9850 Euro.

VW setzt, wie andere Fahrzeughersteller auch darauf, dass die Preise für die Akkumulatoren bis 2013 fallen und der Up dann noch vor dem Golf mit einem Elektroantrieb auf den Markt kommen wird. Bis dahin gilt es die Produktionskosten gering, die Optik ansprechend und die technische Ausstattung der Fahrzeuge so hip wie möglich zu machen. 

Vor allem das Elektroauto bietet nach Ansicht von Experten eine enorme Chance, Emotionen zu wecken. Dudenhöffer schätzt, das E-Auto habe schon den Charme des iPad - und es könne gelingen, das Auto jungen Menschen in Großstädten so wieder schmackhaft zu machen. Schließlich sind die Straßen-Liliputaner auch ein Tribut an die Generation iPhone. Die allerdings lieber auf Mobilität, als auf das mobile Internet verzichten würde.

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Quelle: n-tv.de

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