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Viele Gerüchte und Halbwahrheiten ranken sich um die MPU.
Viele Gerüchte und Halbwahrheiten ranken sich um die MPU.(Foto: picture alliance / dpa)

Wenn der "Idiotentest" droht: Tipps und Tricks rund um die MPU

von Holger Preiss

Wenn 2013 das neue Punktesystem von Verkehrsminister Peter Ramsauer zum Tragen kommt, wird sich einiges ändern. Was aber auch dann noch bleiben wird, ist der "Idiotentest". Nur der Aufruf zum medizinisch-psychologischen Gutachten erfolgt dann schon bei acht Punkten.

Der Gedanke, den Führerschein zu verlieren, ist für Autofahrer eine Horrorvorstellung, die eine enorme emotionale Belastung darstellt. Nicht nur, dass die Mobilität extrem eingeschränkt wird - ein Führerscheinentzug kann auch schwerwiegende wirtschaftliche Folgen nach sich ziehen, bis hin zum Verlust des Arbeitsplatzes.

Die medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU) - im Volksmund auch "Idiotentest" genannt - ist oftmals der letzte Weg, den Führerschein zu retten. Viele Gerüchte und Halbwahrheiten ranken sich um die MPU. Das gilt zum einen für den Umfang der Prüfung und zum anderen darum, dass es schier unmöglich, ist sie beim ersten Versuch zu bestehen.

Eins ist allerdings wahr: Wer unvorbereitet in den Test geht oder unbedacht Antworten gibt, hat kaum eine Chance, zu bestehen. Deshalb sollte man keine Zeit verlieren und sich, sobald der Termin für eine MPU feststeht, professionelle Hilfe suchen. Aber Vorsicht: Auf dem Markt gibt es etliche Scharlatane, die für viel Geld unsinnige Tipps geben.

Erst einmal beraten lassen

Eine erste Beratung bei einem Verkehrspsychologen ist in jedem Fall empfehlenswert. Dort können die Weichen für eine erfolgreiche Begutachtung gestellt werden. Eine seriöse Vorbereitung auf die MPU bieten einige Unternehmen, wie zum Beispiel der TÜV Süd Pluspunkt oder auch der ADAC. Der Vorbereitungskurs kostet zwischen 600 und 1000 Euro, das Gespräch mit einem Psychologen mindestens 89 Euro. Kursangebote gibt es für unterschiedliche Problematiken wie Alkohol, Drogen oder Punkte. Welcher Kurs der richtige ist, richtet sich natürlich nach den persönlichen Umständen des Betroffenen.

Ist der Führerschein bereits eingezogen, sollte ein Kurs ausgewählt werden, durch den die Sperrzeit verkürzt werden kann. Dabei gibt es erhebliche Unterschiede in den einzelnen Bundesländern, über die es sich zu informieren gilt. In jedem Fall ist aber eine Reduzierung des Entzuges um bis zu drei Monate mit Hilfe eines solchen Kurses möglich.

Der Ablauf bis zur MPU

Wenn eine MPU ansteht, stellt sich auch die Frage nach dem bürokratischen Ablauf. Egal, ob die medizinisch-psychologische Untersuchung bei 18 Punkten angeordnet wird oder ab elf Punkten die Empfehlung ausgesprochen wird: Der Betroffene muss sich in jedem Fall selber darum kümmern. Als erstes muss ein Wiedererteilungsantrag bei der Führerscheinstelle eingereicht werden. Die prüft dann, ob alle Erteilungsvoraussetzungen vorliegen und ob eine MPU absolviert werden muss.

Der Antragsteller muss dann die Begutachtungsstelle benennen und diese beauftragen, ein Gutachten zu erstellen. Aber Achtung: Lassen Sie nie das Gutachten direkt von der Untersuchungsstelle an die Fahrerlaubnisbehörde schicken. Falls es doch negativ sein sollte, ist es besser, den Antrag auf Wiedererteilung der Fahrerlaubnis zurückzunehmen, um einen Ablehnungsbescheid und den damit verbundenen Eintrag im Verkehrszentralregister zu vermeiden. Besser ist es, erneut einen Antrag zu stellen.

Bitte auf die Wortwahl achten

Wer beim Gutachter nicht den richtigen Ton trifft, hat schon verloren.
Wer beim Gutachter nicht den richtigen Ton trifft, hat schon verloren.(Foto: picture alliance / dpa)

Wer zur MPU antritt, sollte während des Gespräches mit den Gutachtern auf seine Wortwahl achten. Unüberlegte Sätze können weitreichende Konsequenzen haben. Ausreden wie "Normalerweise habe ich meinen Alkoholkonsum im Griff", implizieren beispielsweise, dass man ihn in manchen Fällen eben nicht kontrollieren kann. Wer "Blitzanlagen als reine Abzocke" bezeichnet, nimmt sich in den Augen der Gutachter gerne das Recht heraus, Tempolimits bewusst zu missachten. Die Einstellung, dass man sich im heutigen Verkehr auch mal durchsetzen muss, zieht bei Gutachtern eher nicht. Sie können das als aggressives Verhalten auf Kosten anderer sehen.

Sinnvoll ist es auf jeden Fall, keine Fragen auswendig zu lernen und die MPU nicht als Bestrafung anzusehen, sondern als Chance, sein Verhalten zu ändern und dadurch den Führerschein wiederzuerlangen, rät der ADAC. Prinzipiell sollte man sich während der MPU kooperativ verhalten, um eine positive Stimmung zu erzeugen und den Willen zur Besserung zu verdeutlichen.

Der Betroffene trägt alle Kosten

Bleibt die Frage, wer die Kosten rund um die MPU trägt. Alle Kosten, die in dem bürokratischen Reigen anfallen, muss der Antragsteller, also der Betroffene selber tragen und das ist nicht wenig. Neben den Kosten für Beratung und Vorbereitung muss auch die MPU selber bezahlt werden. Die Gebühren werden jeweils nach dem Begutachtungsanlass festgesetzt. Je nach dem fallen Kosten von 350 bis 750 Euro an, wobei Gutachten zu Punkten und Straftaten günstiger sind als Alkohol- und Drogenuntersuchungen. Hier schlagen Haaranalysen und Urinproben mit bis zu 300 Euro zu Buche.

In den vergangenen Jahren ist die Zahl der "Idiotentests" immer weiter gestiegen. Insgesamt führten die 15 Träger der bundesdeutschen Begutachtungsstellen für Fahreignung über 106.000 Untersuchungen durch, 2008 waren es rund 103.000. Das Fahren unter Alkoholeinfluss war 2009 mit 54 Prozent weiterhin die häufigste Ursache für eine Vorstellung zur MPU, auch wenn dieser Wert um drei Prozentpunkte gesunken ist. 30 Prozent der zu Begutachtenden waren erstmalig mit Alkohol aufgefallen. Fahrer, die unter Drogen- und Medikamenteneinfluss erwischt wurden, bildeten mit 19 Prozent die zweitgrößte Gruppe. Sie wuchs im Vergleich zum Vorjahr um neun Prozentpunkte. Tendenz steigend.

Insofern wird es auch mit dem neuen Punktesystem im Jahr 2013 eine medizinisch-psychologische Untersuchung geben. Lediglich die Zahl der Punkte bis zum Aufruf zum "Idiotentest" ändert sich. Wenn dann ab acht Punkten ein Fahrverbot erteilt ist, wird auch die Aufforderung zur MPU ins Haus flattern.

Quelle: n-tv.de

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