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Renault-Taxi in London, 1907
Renault-Taxi in London, 1907

Erst verteufelt, dann geliebt: Wie Autotaxis mobil machten

Die ersten Motorfahrzeuge wurden heftig angefeindet. Doch das Taxigewerbe verhalf ihnen als Werbeträger zu schneller Akzeptanz. Von Paris aus eroberten die Autotaxis nach und nach ganz Europa.

Victoria-Taxi von Daimler, 1897
Victoria-Taxi von Daimler, 1897

Laufen lernte das Automobil durch seine Chauffeure. Waren dies zunächst die Erfinder und Konstrukteure wie Carl Benz und Gottlieb Daimler, galt das Auto ab etwa 1890 als neues Spielzeug wirtschaftlicher Aufsteiger und reichem Adel. Fast alle waren sie aber auf die Dienste von Chauffeuren angewiesen. Denn selbst auf dem "Kutschbock" zu sitzen, war damals vor allem die Sache von Händlern und Bauern. Die Zeit der Selbstfahrer war noch nicht gekommen. Beste Basis für Droschkenunternehmer von der Pferdekutsche auf das neuartige Automobil umzusteigen und den bis dahin nur wenigen Wohlhabenden vorbehaltenen Luxus des Motorwagens vielen Menschen zugänglich zu machen.

Marne-Taxis von Renault sind 1914 auf dem Weg Front.
Marne-Taxis von Renault sind 1914 auf dem Weg Front.

Damit war das Taxigewerbe gefragter Image- und Werbeträger für die gesamte Automobilindustrie, denn die sogar in Großstädten nicht nur von Pferdekutschenbesitzern heftig angefeindeten Motorfahrzeuge fanden jetzt eine raschere gesellschaftliche Akzeptanz. Nach der Einführung des Taxis in der besonders technikbegeisterten französischen Kapitale Paris erlaubten ab 1896 auch die deutschen Großstädte nach und nach den Betrieb von Autotaxis. Den Anfang machten Stuttgart, Hamburg, Berlin und München. War die Genehmigung für Motordroschken durch die Behörden erst einmal erteilt worden, avancierten die Autotaxis rasch zu beliebten Helden des Alltags. So wurden allein in Berlin bis zum ersten Weltkrieg rund 2000 Droschken mit Benzinmotor und über 500 Taxis mit Elektroantrieb zugelassen.

Taxis schreiben Weltgeschichte

In Paris beendeten motorisierte Mietwagen bereits um die Jahrhundertwende die Vormachtstellung der Kutschen. Ganz besonders populär waren in den Gründerjahren die bis zu 60 km/h schnellen Elektrotaxis vom Typ Jeantaud. 1914 schrieben dann Renault-Droschken als sogenannte Marne-Taxis Weltgeschichte: Als die deutsche Armee kurz vor Paris stand, wurden alle Droschken requiriert, um 6000 französische Soldaten an die Front zu bringen. Der schnelle Nachschub sorgte für das sogenannte "Wunder an der Marne".

De Dion Bouton, 1902
De Dion Bouton, 1902

Wie viele seiner Konkurrenten bemühte sich auch Gottlieb Daimler in den 1890er Jahren erstmals gezielt um gewerbliche Kunden und bewarb deshalb 1896 seinen Riemenwagen, Modell "N", als Kraft-Droschke. Erster Kunde wurde Friedrich August Greiner. Der Stuttgarter Droschkenunternehmer bestellte eine motorisierte Victoria-Kutsche als Landaulet mit Taxameter, die im Mai 1897 ausgeliefert wurde. Die Stuttgarter fanden so schnell Gefallen an den neuen Droschken mit Benzinantrieb, dass auch Benz aus Mannheim ins Taxi-Geschäft kam.

"Schatzi, fahr’n wir im Automobil, von Hamburg nach Kiel" lautete ein musikalischer Schlager, der wenig später die ersten Hamburger Kraftdroschken besang und in ganz Deutschland ein Gassenhauer wurde. In fast allen Großstädten wurden die Autotaxiplätze Symbol des Fortschritts und beliebte Publikumsattraktion. Oft nahmen enthusiastische Zuschauer den in feiner Livree gekleideten Fahrern sogar die anstrengende Betätigung der Anlasskurbel ab. So wurde Autofahren durch das Taxi zu einem für viele erschwinglichen Luxus.

Quelle: n-tv.de

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