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Die meisten Menschen, denen Norrie auf der Straße begegnet, halten sie für eine Frau.
Die meisten Menschen, denen Norrie auf der Straße begegnet, halten sie für eine Frau.(Foto: dpa)

Im Pass steht "X" für "unbestimmt": Australierin ist weder Mann noch Frau

Norrie. Das klingt nach - ja wonach eigentlich? Einem Mann, einer Frau? Die fehlende Eindeutigkeit ist Absicht. Denn für Norrie aus Australien gilt keine der Bezeichnungen. Das hat Norrie schon lange für sich persönlich entschieden. Doch nun ist es auch endlich offiziell, die Geschlechtsbezeichnung lautet "unbestimmt".

Norrie ist weder Mann noch Frau. "Wenn mich die Leute ansehen und wenn ich dann sage, ich sei nicht Arthur oder Martha, dann sagen sie, 'ja das verstehen wir'. Ich bin beides. Ich bin keins von beidem. Ich bin ich", sagt die Australierin, die als Mann auf die Welt kam. Norrie bevorzugt das Pronomen "sie", obwohl sie sich eigentlich geschlechtslos fühlt. Sie nennt sich schlicht Norrie.

Let's Dance-Teilnehmer Balian Buschbaum (l.) gehörte bis 2003 als Yvonne Buschbaum (r.) zur Weltklasse im Stabhochsprung der Frauen.
Let's Dance-Teilnehmer Balian Buschbaum (l.) gehörte bis 2003 als Yvonne Buschbaum (r.) zur Weltklasse im Stabhochsprung der Frauen.(Foto: picture alliance / dpa)

Vor zwei Jahren erreichte Norrie ein für sie wichtiges Ziel. Sie wurde die erste Australierin, in deren Reisepass bei Geschlecht nur ein "X" eingetragen ist, statt dem üblichen "M" für "männlich" oder "W" für "weiblich". Nun ist die 52 Jahre alte ehemalige Beamtin einen Schritt weiter. Nach einem dreijährigen Rechtsstreit bekam sie im Juni als erste Australierin ein Identitätsdokument, das seinen Besitzer weder als männlich noch weiblich ausweist. Dieses Dokument hat den Rang einer Geburtsurkunde und damit konnte Norrie bei ihrem Bankkonto oder Führerschein ihre Geschlechtsbezeichnung auf "unbestimmt" ändern.

Nach dem Gerichtsentscheid wird es in Australien wohl auch zu offiziellen Änderungen kommen. "Sie sind einfach dem wahren Leben gefolgt", sagt Norrie über die Entscheidung der Richter. Sie hofft, dass man irgendwann gar keine Kästchen mehr über das Geschlecht ankreuzen muss. Früher fanden sich in Pässen Angaben wie Berufsbezeichnung oder Religion. Alles Dinge, die sich im Lauf des Lebens des Passinhabers ändern können. Dazu gehört auch das Geschlecht.

Geschlecht ist nicht nur Biologie

Larry Wachowski, der gemeinsam mit Bruder Andy unter anderem die Matrix-Trilogie inszenierte, nennt sich nach seiner Geschlechtsumwandlung Lana.
Larry Wachowski, der gemeinsam mit Bruder Andy unter anderem die Matrix-Trilogie inszenierte, nennt sich nach seiner Geschlechtsumwandlung Lana.(Foto: REUTERS)

Die Richter hätten erkannt, dass Sexualität nicht nur eine rein biologische Dimension habe, sagt Norries Anwältin Emily Christie. "Es ist ein Durchbruch", zum ersten Mal sei anerkannt worden, dass Geschlecht mehr sei, als männlich oder weiblich zu sein. "Das ist die Realität, in der wir leben."

Die Entscheidung hat Auswirkungen auf das tägliche Leben: Norrie kann nun darauf bestehen, dass ihrem Wunsch nach einer nicht-geschlechtsdefinierten Kategorie stattgegeben wird. "Ich hab das jetzt schriftlich. Es ist nicht etwas, dass ich mir nur einbilde. Wenn man nun sagt, man müsse das eine oder andere sein, bin ich der lebende Beweis für das Gegenteil."

Die sexuelle Identität und das Geschlecht einer Person stimmten nicht zwingend überein, sagt Generalstaatsanwalt Mark Dreyfus. Ein Mensch unbestimmten Geschlechts sei jemand, dessen biologisches Geschlecht nicht eindeutig bestimmt werden könne oder jemand, der sich als weder männlich noch weiblich bezeichne.

Norrie sollte Behindertentoilette benutzen

Vor dreißig Jahren machte einmal ein Büroleiter nach Angaben Norries genaue Notizen, welche Kleidung und Frisur sie trug. Sie habe weder die Herren- noch die Damentoilette benutzen dürfen. "Ich sollte die Behindertentoilette benutzen. Das kam mir nicht richtig vor." Nach zwei Wochen hatte sie gekündigt.

Norrie wurde als Mann geboren. Im Alter von 27 Jahren unterzog sie sich einer operativen Geschlechtsumwandlung. Die folgenden körperlichen Veränderungen fühlten sich dann jedoch nicht mehr richtig an. Norrie brach die weiterführende Behandlung vor mehr als 20 Jahren ab. Sie nimmt keine Medikamente, die sie noch mehr verweiblichen würden.

Das Kästchen mit dem "X" sei eine Option für transsexuelle Menschen, und nicht verpflichtend, das habe das Gericht klargemacht, sagt Anwältin Christie. "Das ist keine Kategorie, die Menschen wählen müssen." Norrie ist zufrieden damit, als geschlechtslos oder androgyn zu gelten. "So bin ich." Sie habe alle Geschlechter ausprobiert, und keines habe zu ihr gepasst.

Quelle: n-tv.de

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