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Angriff von Regimetruppen auf die Stadt Anadan in der Region Aleppo.
Angriff von Regimetruppen auf die Stadt Anadan in der Region Aleppo.(Foto: REUTERS)

Vormarsch im Norden und Süden: Assad und Russen schaffen Fakten

Die syrischen Regierungstruppen setzen ihre Offensive gegen die Rebellen fort. Durch massive russische Luftunterstützung kommen sie an mehreren Punkten zu Geländegewinnen. Mehrere Ortschaften werden erobert.

Die syrische Armee hat mit Unterstützung russischer Kampfflugzeuge ihre Offensive im Norden und Süden des Bürgerkriegslandes fortgesetzt. Die Regierungstruppen nahmen eine wichtige Ortschaft bei Daraa im Süden ein. Gemeinsam mit der libanesischen Hisbollah-Miliz sowie syrischen und ausländischen Milizen habe die Armee den nördlichen Vorort Atman nach 48-stündigen Gefechten von den Rebellen zurückerobert, meldete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Die russische Luftwaffe habe mehr als 80 Angriffe geflogen.

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"Von Atman führten die Rebellen ihre Angriffe auf Daraa aus, daher die Bedeutung dieses Erfolgs für das Regime", sagte der Leiter der Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman. Die Armee hatte Ende Januar bereits die Ortschaft Scheich Miskin weiter nördlich erobert. Laut der Beobachtungsstelle bleiben im Norden Daraas nur noch die Dörfer Dael und Ibtaa in der Hand der Rebellen. Die Angaben der oppositionsnahen Organisation sind für Medien nur schwer zu überprüfen.

Die Stadt Daraa, wo der Aufstand gegen Präsident Baschar al-Assad im Frühjahr 2011 begann, bleibt geteilt zwischen Regierung und Rebellen. Der Großteil der gleichnamigen Provinz, die an Jordanien und an die von Israel besetzten Golanhöhen grenzt, ist weiter unter Kontrolle der Aufständischen, darunter die islamistische Al-Nusra-Front.

Vormarsch im Norden

Auch in Nordsyrien ist die Front in Bewegung. Die Assad-Truppen rücken weiter gegen Rebellen vor. Gemeinsam mit verbündeten Kämpfern der Schiitenmiliz Hisbollah und iranischen Einheiten eroberten sie die Stadt Ratjan nördlich der Großstadt Aleppo zurück. Die Armee hatte in der Region zuletzt die wichtigste Nachschubroute der Rebellen aus der Türkei gekappt und auch den Belagerungsring um zwei Dörfer der Regimeanhänger nach drei Jahren durchbrochen.

Wegen der heftigen Kämpfe sind nach Angaben der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte Zehntausende Zivilisten auf dem Weg zur geschlossenen türkischen Grenze. Die frühere Handelsmetropole Aleppo ist neben Damaskus die wichtigste Stadt Syriens. Während das Regime den Westen Aleppos kontrolliert, beherrschen Rebellengruppen den Osten und den Süden. Es ist das letzte große Stadtzentrum, das in Syrien noch von Rebellen kontrolliert wird.

Moskau steht zu Unterstützung für Assad

Derweil hat Russland Schuldzuweisungen des Westens wegen der stockenden Syrien-Gespräche zurückgewiesen. Kritiker hatten Moskau vorgeworfen, mit seiner militärischen Unterstützung für Assad die Verhandlungen in Genf zum Scheitern gebracht zu haben.

"Das ist falsch", sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow. Russland setze sich für eine friedliche Lösung des Konflikts ein, unterstütze die syrische Regierung aber im Kampf gegen den Terrorismus, sagte er.

Der UN-Sondervermittler Staffan de Mistura hatte die Verhandlungen in der Schweiz bis Ende Februar ausgesetzt. Die Ankündigung Saudi-Arabiens, möglicherweise Bodentruppen für den Kampf gegen den Islamischen Staat (IS) in Syrien bereitzustellen, löste in Russland heftige Kritik aus. Sollte es ohne Absprache mit der Regierung in Damaskus dazu kommen, wäre dies ein Verstoß gegen das Völkerrecht, sagte der Außenpolitiker Konstantin Kossatschjow der Agentur Interfax zufolge.

Quelle: n-tv.de

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