Politik
Donald Trumps umstrittener Chefstratege Steve Bannon hat ein überraschendes Interview gegeben.
Donald Trumps umstrittener Chefstratege Steve Bannon hat ein überraschendes Interview gegeben.(Foto: REUTERS)
Donnerstag, 17. August 2017

China, Neonazis, Demokraten: Bannon holt zum Rundumschlag aus

Von Christoph Rieke

Der Stuhl von Steve Bannon wackelt heftig. Laut US-Medien steht der rechte Trump-Flüsterer kurz vor dem Rauswurf. Umso überraschender ist es, dass er sich nun einem linken Journalisten anvertraut. Und er hat Erstaunliches zu sagen.

Die neueste Episode um Steve Bannon ist überraschend. Der Chefstratege von US-Präsident Donald Trump greift zum Telefon und wählt nicht irgendeine Nummer, sondern die von Robert Kuttner, Mitherausgeber der linksgerichteten US-Webseite "American Prospect". Einer der Helden der rechtsextremen Alt-Right-Bewegung und ehemaliger Chef des rechtsnationalistischen Portals "Breitbart News" vertraut sich einem linken Journalisten an.

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Noch überraschender: Bannon geht in dem Gespräch auf Distanz zu seinem Chef. Dessen Drohgebärden gegenüber Nordkorea hält er demnach für überflüssig: "Es gibt keine militärische Lösung, vergessen Sie es." Er deutete an, dass in den ersten 30 Minuten nach einem US-Erstschlag zehn Millionen Menschen in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul durch einen nordkoreanischen Gegenangriff sterben würden.

Ohnehin sei die Auseinandersetzung mit Nordkorea "nur ein Nebenschauplatz", so Bannon. "Der Handelskrieg mit China ist alles für mich. Und wir müssen uns wahnsinnig darauf konzentrieren." Ansonsten würden die USA gegenüber Peking deutlich an Einfluss verlieren. "Wenn wir den Krieg verlieren, sind wir fünf, höchstens zehn Jahre, von einem Wendepunkt entfernt, von dem wir uns nie erholen werden können", sagte der 63-Jährige in dem Telefonat mit Kuttner, dem er gleiche Ansichten zum Thema China attestierte.

"Sie machen sich in die Hose"

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Möglicherweise hatte Bannon das Gefühl, etwas tun zu müssen. Seit Tagen kursiert das Gerücht, er habe die Gunst von Trump verloren. Dieser distanzierte sich nach den rechtsextremen Ausschreitungen in Charlottesville, wenn auch halbherzig und verspätet, von der Ultrarechten. Und das schien Bannon gar nicht zu schmecken, er kritisierte Trump heftig. Nun sehen nicht nur Beobachter, sondern auch Stabsmitglieder die Tage Bannons im Weißen Haus gezählt. Vor Kurzem sagte Trump: "Wir werden sehen, was mit Mr. Bannon geschieht."

Zum Gegenwind äußerte sich Bannon betont gelassen. "Das ist ein Kampf, den ich hier tagtäglich führe", sagte er und zeigte sich gleich angriffslustig. "Sie machen sich in die Hose", lästerte Bannon über seine Kritiker. Unverhohlen kündigte er an, interne Gegner aus dem Amt zu drängen und durch sogenannte Falken zu ersetzen. Damit sind politische Hardliner wie er gemeint. Bannon fordert unter anderem die "Dekonstruktion" des Staates und sieht im Islam eine ernsthafte Bedrohung der westlichen Zivilisation.

Sehnsucht nach Zerstörung

Umso überraschender erscheint es, dass sich Bannon in dem Gespräch abfällig über weiße Nationalisten äußerte. "Diese Leute sind eine Sammlung von Clowns", sagte er. Zudem bezeichnete er sie als "Loser": "Ich denke, wir müssen versuchen, die Bewegung zu zerstören." Im US-Wahlkampf hatte Bannon die Stimmung unter den extremen Rechten selbst mit angeheizt. Noch immer werden ihm exzellente Verbindungen in die Rechtsaußen-Bewegung nachgesagt. Die verstärkte Berichterstattung über die Alt-Right-Bewegung hält der ehemalige "Breitbart"-Chef für übertrieben: "Ich denke, die Medien spielen es zu sehr hoch."

Allerdings hoffe er, dass sich die US-Demokraten weiter auf das Thema konzentrieren. "Wenn sich die Linken auf Rasse und Identität fokussieren und wir auf ökonomischen Nationalismus setzen, können wir die Demokraten zerschmettern", sagte er. Bannon gilt als einer der Strategen der Trump'schen Wirtschaftspolitik nach dem Credo "America first".

Das Telefonat erscheint wie ein überraschender Schritt in die Offensive des angezählten Bannon. Offenbar war auch niemand Geringeres als Bannon selbst davon überrascht, von seinen Ausführungen zu lesen. Er habe nicht damit gerechnet, dass das Gespräch veröffentlicht wird. Das berichtet zumindest die US-Webseite "Axios". Allein, dies zu glauben fällt schwer. Bannon gilt als medienerfahren. Unter anderem war er vier Jahre lang Chef von "Breitbart". Sein Gesprächspartner Kuttner schreibt, dass sich während des Telefonats nie die Frage gestellt habe, ob es ein Hintergrundgespräch sei oder nicht.

Der Fall erinnert an Trumps Ex-Kommunikationschef Anthony Scaramucci, der in E-Mails über Mitglieder aus Trumps Team herzog. Doch in diesem Fall war es Bannon, der das Gespräch suchte. Zum Abschluss des Telefonats sei Kuttner von Bannon zu einer China-Diskussion ins Weiße Haus eingeladen worden. Bannons Beweggründe für den plötzlichen Kontakt mit dem liberalen Journalisten bleiben im Dunkeln - ebenso wie die Frage, wie lange ihn Trump noch Gäste ins Weiße Haus einladen lässt.

Quelle: n-tv.de

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