Politik
Für Mohammed bin Salman änderte der Vater die Thronfolge.
Für Mohammed bin Salman änderte der Vater die Thronfolge.(Foto: picture alliance / Rainer Jensen)
Mittwoch, 21. Juni 2017

Mohammed bin Salman: Das ist der künftige König der Saudis

Von Johannes Graf

Erst 31 Jahre alt ist Mohammed bin Salman - und bereits einer der einflussreichsten Männer in Saudi-Arabien. Vater und König Salman befördert den machthungrigen Prinzen nun zu seinem Nachfolger.

In einer weitreichenden Rochade ändert der saudische König Salman die Regelung seiner Nachfolge. Es ist ein Schritt, der das Königreich verändern wird. Sein Neffe, der 57-jährige Mohammed bin Nayef, wird entmachtet. Seinen Titel als Kronprinz trägt fortan Mohammad bin Salman, der erst 31-jährige Sohn des Königs. Der Schritt folgt der Logik des raketenhaften Aufstiegs des ehrgeizigen Königssohns.

Den 1985 geborenen Mohammed bin Salman wussten bis vor zwei Jahren lediglich Kenner des unübersichtlichen Königshauses einzuordnen. Seit sein Vater im Januar 2015 König wurde, ändert sich das. Rasch wurde Beobachtern klar, dass sein Vater den erkennbar machthungrigen Sprössling gerne als seinen Nachfolger sehen würde.

Bin Salman nutzte seinen direkten Zugang zum Thron, um dem Land seinen Stempel aufzudrücken. Es gibt seit 2015 kaum eine politische Initiative der Saudis, die nicht auch die Handschrift des neuen starken Mannes am Golf trägt.

Intervention im Jemen schlägt fehl

Die deutlichsten Akzente setzte er als Verteidigungsminister – diesen Posten übernahm bin Salman mit der Thronbesteigung seines Vaters. Bin Salman will dem Königreich militärisch in der Region Achtung verschaffen. Als Vehikel dazu dient ihm der Bürgerkrieg im Jemen. Er stellte bereits nach wenigen Wochen eine Koalition zusammen, die die vom Iran unterstützten schiitischen Huthi-Rebellen im Jemen bekämpfen sollte.

Bilderserie

Militärisch gilt die Operation als gescheitert. Es gelang der Koalition, die unter anderem auch von den USA und Deutschland unterstützt wird, nicht, die Rebellen entscheidend zu schlagen und aus Jemens Hauptstadt Sanaa zu vertreiben. Für das ohnehin arme und zerstörte Land hat die Intervention dagegen verheerende Auswirkungen, es gab Tausende zivile Opfer.

So sehr der ausbleibende Erfolg im Jemen bin Salmans Regierungsbilanz zu schmälern droht - er versteht es, die Intervention als höhere Mission darzustellen. In einem TV-Interview beschwor er die Notwendigkeit, den in der Ära von Ex-US-Präsident Barack Obama aufs diplomatische Parkett zurückbeförderten Iran zu bekämpfen. Es sei das Ziel des Iran, "die islamische Welt zu kontrollieren" - ein Vorwurf, der ebenso gut den Saudis gemacht werden könnte.

Isolation Katars geht auf bin Salman zurück

Der Machtwechsel in Washington stärkte bin Salmans Position jedenfalls auch in diesem Zusammenhang beträchtlich. Obamas vergleichsweise Iran-freundlicher Kurs stieß in Riad naturgemäß auf Ablehnung. Seit Trumps Amtsantritt versucht das Königshaus daher, seine Position als wichtigster US-Alliierter in der Region zu bekräftigen. Entscheidend dabei war der Besuch bin Salmans im Weißen Haus im März dieses Jahres. Dass der König seinen Vizekronprinzen zu diesem wichtigen Termin schickte und nicht den nun düpierten bin Nayef, sprach schon damals Bände.

Dass Trump nach seinem Gegenbesuch vor wenigen Wochen öffentlich seine Ächtung für den Nachbarn Katar äußerte, darf als Trophäe bin Salmans gewertet werden. Saudi-Arabien bezichtigt Doha der Terrorunterstützung und sorgt für die weitgehende Isolation des Emirats. Die Initiative für diesen Schritt geht Beobachtern zufolge von bin Salman und einem seiner engen Vertrauten, dem Kronprinz von Abu Dhabi, Muhammad bin Zayid, aus.

Profil gewann bin Salman dagegen auch schon früh auf dem ökonomischen Sektor. Er erkannte, dass die Zukunft des ölreichen Saudi-Arabiens bedroht ist, wenn das Land sein Schicksal weiter im Wesentlichen an diese eine Ressource bindet. Sein Vater erhob ihn nach seinem Amtsantritt zum Vorsitzenden des neu geschaffenen Hohen Wirtschaftsrats. In dieser Funktion betreibt er seither konsequent den wirtschaftlichen Umbau seines Landes.

Bin Salman verändert die saudische Gesellschaft

Im April 2016 verkündete bin Salman den weitreichenden Plan "Vision 2030". Salman will die Wirtschaft seines Landes diversifizieren. Saudi-Arabien soll Weltmarktführer bei Photovoltaik werden, mindestens ein Viertel der Energie des Landes sollen so erzeugt werden. Damit einher geht ein schleichender Ausstieg des Staates aus der Ölindustrie – ein angesichts sinkender Ölpreise und -vorräte an sich folgerichtiger Schritt. Für Saudi-Arabien, das seinen immensen Reichtum fast ausschließlich auf dem schwarzen Gold aufgebaut hat, ist es jedoch ein Kulturbruch, der bin Salman viel Kritik eingebracht hat.

Parallel zu dem wirtschaftlichen Reformkurs betreibt bin Salman eine sanfte Öffnung des bislang in sich verschlossenen und traditionellen Königreichs. Salmans Reformpläne sehen auch vor, die Zahl der jährlich gestatteten Pilger nach Mekka zu erhöhen, um den Tourismus zu fördern. Ein Islam-Museum für Nicht-Muslime ist Teil dieser Idee. Damit kommen mehr fremde Einflüsse in das Land, die die streng muslimische Gesellschaft verändern dürften. Mindestens ebenso groß dürfte der Effekt von bin Salmans Initiative sein, den Anteil der Frauen an der Erwerbsbevölkerung erheblich zu erhöhen.

In mehreren langen Interviews mit westlichen Medien brach bin Salman mit der bisher üblichen Diskretion der Saudis. Vertraute beschreiben bin Salman als detailversessen und risikofreudig. Er ist bereit, Konventionen zu brechen, um an seine Ziele zu gelangen. Auch das ist für einen saudischen Königssohn eher untypisch.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen