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Donald Trump bezeichnete Merkel schon vor Wochen als "irre" und forderte ein Einreiseverbot für Muslime. Seit den Übergriffen in Köln sind diese Forderungen aus mehreren prominenten Mündern zu hören.
Donald Trump bezeichnete Merkel schon vor Wochen als "irre" und forderte ein Einreiseverbot für Muslime. Seit den Übergriffen in Köln sind diese Forderungen aus mehreren prominenten Mündern zu hören.(Foto: REUTERS)

Ausland reagiert heftig auf Köln: Die "wahnsinnige" Merkel soll gehen

Von Issio Ehrich

Der Ruf, keine Muslime mehr ins Land zu lassen, ist nicht mehr Donald Trump vorbehalten. Die Kölner Übergriffe werden im Ausland mit der Willkommenskultur Merkels verknüpft. Auch in sachlichen Medien sind Rücktrittsforderungen kein Tabu.

Es ist ein erstaunlicher Schritt: Ausgerechnet in der alles andere als schrill formulierenden "New York Times" wird Kanzlerin Angela Merkel als irre beschrieben. Und nicht nur das: Ihr wird gleich auch noch der Rücktritt nahegelegt. Deutschland müsse umgehend umsteuern, schreibt der Kolumnist Ross Douthat in einem Gastbeitrag, der am Wochenende auf der Webseite des renommierten Blattes erschien. "Das bedeutet, dass Angela Merkel gehen muss - damit ihr Land und der Kontinent, der es trägt, vermeiden kann, einen zu hohen Preis zu zahlen für ihren wohlmeinenden Wahnsinn."

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Die sexuellen Übergriffe auf dem Kölner Bahnhofsvorplatz, hinter denen offenbar vor allem  Menschen mit Migrationshintergrund stecken, gepaart mit der Wir-schaffen-das-Willkommenskultur von Kanzlerin Merkel, provozieren heftige Reaktionen im Ausland. Teils von erwartbaren Absendern. Wie das Beispiel der "New York Times" zeigt, aber auch aus überraschenden Quellen.

Douthat erinnert in seiner Wortwahl fast schon an Donald Trump, der der nächste Präsident der Vereinigten Staaten werden möchte. "Ich dachte, Merkel wäre eine großartige Regierungschefin, aber was sie in Deutschland getan hat, ist irre", sagte er bereits vor einigen Monaten angesichts der Aufnahme von Hunderttausenden Flüchtlingen. Zu den Vorfällen in Köln ergänzte er nun auf einer Wahlkampfveranstaltung im Bundesstaat Iowa: "Schaut, was in Deutschland geschah, die erschütternden Verbrechen, die Silvesternacht, die Vergewaltigungen und das gesamte Gemetzel." Trump will Muslimen die Einreise in die USA verbieten.

Ungarns Regierungschef Viktor Orbán rät schon seit Längerem vom Zusammenleben mit Muslimen ab. Angesichts der verheerenden Kölner Silvesternacht erklärte auch die Slowakei lautstark, Muslimen die Einreise zu untersagen. Regierungschef Robert Fico sagte, er werde verhindern, dass eine geschlossene muslimische Gemeinschaft überhaupt entstehen könne. Auch vor dem Hintergrund der Terrorgefahr fügte er hinzu: "Wer Migranten ins Land lässt, kann mit solchen Problemen konfrontiert werden."

"Das Ende der Migrations-Flitterwochen"

Polen wirft der Bundesregierung vor, den Zusammenhang zwischen den Übergriffen und der Flüchtlingskrise zu vertuschen. Der Chef der nationalkonservativen Regierung Piotr Glinski versprach, Flüchtlinge genau unter die Lupe zu nehmen. "Junge Männer, die Helden der Ereignisse von Köln" wolle man in Polen nicht haben.

Die lauteste Stimme in Frankreich ist angesichts der Übergriffe der "Front National". Die rechte Partei bezeichnet die Ereignisse als Folge eines "erzwungenen Multikulturalismus".

Nicht in allen Staaten ertönt ein derart lauter Ruf nach drastischen Konsequenzen auf hoher politischer Ebene. Doch in etlichen Ländern wird medial hitzig über die Vorkommnisse debattiert. Ein Beispiel dafür ist Großbritannien. Dort warnen sowohl der liberale "Guardian" als auch die konservative "Times" die Bundesregierung davor, die Herkunft der Täter zu tabuisieren. Das habe bei einem systematischen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen in Rotherham zwischen 1997 und 2013 vor allem Rechtsextreme gestärkt, heißt es. In beiden Blättern ist davon die Rede, dass sich die ohnehin schon großen Spannungen angesichts der Flüchtlingskrise jetzt weiter verstärken könnten. Die boulevardeske "Sun" titelt: "Die Migrations-Flitterwochen sind vorbei". Aber auch Prominente wie die "Harry Potter"-Autorin J.K. Rowling mischen sich in die Debatte ein. Rowling fordert, die Übergriffe nicht in erster Linie zu einer "Frage der Rasse" zu machen.

Ein Grund, warum Köln so viele Menschen im Ausland derart schockiert, liefert womöglich EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker. Auch er mache sich "große Sorgen", sagte er. Für ein gut organisiertes Land wie Deutschland sei das, was auf dem Bahnhofsvorplatz passiert ist, doch "sehr überraschend".

Quelle: n-tv.de

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