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Über 30 Tote und 250 Verletzte: IS-Terroristen greifen Brüssel an

Nach Paris jetzt Brüssel: Terroristen zünden Sprengsätze am Flughafen und in der U-Bahn der EU-Hauptstadt. Mehr als 30 Menschen kommen ums Leben, bis zu 250 werden verletzt. Einer der IS-Attentäter kann offenbar fliehen. Führt seine Spur nach Deutschland?

Die beiden dunkel gekleideten Männer sollen die Selbstmordanschläge in Brüssel verübt haben. Nach dem Mann in der hellen Jacke wird gefahndet.
Die beiden dunkel gekleideten Männer sollen die Selbstmordanschläge in Brüssel verübt haben. Nach dem Mann in der hellen Jacke wird gefahndet.(Foto: imago/Belga)

Die Terrororganisation Islamischer Staat hat sich zu den blutigen Anschlägen von Brüssel bekannt. Das meldet die dem IS nahestehende Nachrichtenagentur AMAQ. IS-Kämpfer hätten die Taten mit Sprengstoffgürteln und anderen Mitteln begangen, heißt es in der in Englisch verbreiteten Meldung. Die Zahl der involvierten Attentäter wurde dabei nicht genannt. Eine Stellungnahme der belgischen Behörden steht noch aus.

Fast zeitgleich veröffentlichten belgische Medien das Bild einer Sicherheitskamera vom Brüsseler Flughafen, auf dem Verdächtige für das Bombenattentat am Airport zu sehen sind. Das Bild zeigt drei junge Männer mit dunklen Haaren, die Gepäckwagen schieben. Ihre Identität ist noch unklar. Nach den bisherigen Erkenntnissen, kamen zwei der drei Selbstmordattentäter bei dem Anschlag ums Leben. Nach dem dritten Mann sucht die Brüsseler Polizei anhand eines Fahndungsaufrufs.

Nagelbombe und IS-Flagge gefunden

Nach den Anschlägen gab es in Belgien mehrere Razzien. Die Hausdurchsuchungen "an mehreren Orten" laufen noch, sagte Generalstaatsanwalt Frédéric Van Leeuw am Abend. Außerdem würden mehrere Zeugen vernommen. Bei einer Durchsuchung im Brüsseler Stadtteil Schaerbeek wurden den Angaben zufolge eine IS-Flagge und ein Sprengsatz mit Nägeln und chemische Substanzen gefunden. Bei den Explosionen auf dem Flughafen von Brüssel waren solche Nagelbomben verwendet worden.

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Bei der für Belgien beispiellosen Terrorwelle sind nach bisherigen Informationen 31 Menschen getötet und mehr als 250 verletzt worden. Ein Selbstmordattentäter hatte sich am Flughafen Zaventem in die Luft gesprengt. Weniger später detonierten Sprengsätze in einer Metrostation der belgischen Hauptstadt. Die Regierung rief eine dreitägige Staatstrauer aus.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach von tiefer Bestürzung und Trauer über das, "was die Terroristen den Menschen in Brüssel angetan haben, was Terroristen uns allen angetan haben". Belgien werde alle Unterstützung von Deutschland erhalten, "um die Schuldigen für die heutigen Verbrechen zu finden, festzusetzen und zu bestrafen". In Deutschland arbeiteten alle staatlichen Ebenen daran, "dass trotz der nicht zu leugnenden Bedrohung das menschenmögliche für die Sicherheit in unserem Land getan wird".

Das nationale Krisenzentrum in Belgien richtete eine spezielle Telefonnummer ein: Unter +32 781 51 771 können sich Anrufer aus dem Ausland erkundigen. Die Mitarbeiter baten aber darum, möglichst über soziale Medien zu versuchen, Menschen zu kontaktieren, damit das Telefonnetz nicht unnötig belastet werde.

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Zwei Explosionen am Flughafen

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Gegen 8.00 Uhr hatten die Attentäter den Flughafen der belgischen Hauptstadt angegriffen. Nach Augenzeugenberichten hatte ein Mann ein paar Wörter auf Arabisch gerufen, danach sei die Explosion erfolgt. Zwei Minuten später habe dann die nächste Explosion den Airport erschüttert. Die Sprengsätze waren mit Nägeln und Schrauben präpariert. Neben der Leiche eines der Attentäter war später eine Kalaschnikow gefunden worden. Das deckt auch Berichte, wonach vor den Explosionen Schüsse gefallen sein sollen.

Zudem entdeckte die Polizei einen Sprengstoffgürtel, der nicht explodiert ist. Sprengstoffexperten zündeten die Bombe später kontrolliert. Diese Bombe könnte zu dem dritten Mann gehören, der als flüchtig gilt. In diesem Zusammenhang hatte das Innenministerium von einer weiterbestehenden Gefahr durch einen möglicherweise noch immer bewaffneten Terroristen in der Brüsseler Innenstadt gewarnt.

Festnahme an deutscher Grenze

In diesem Zusammenhang wurden an der Grenze zu Deutschland vermehrt Fahrzeuge kontrolliert. Dabei seien im Raum Aachen zwei Männer aus Tschetschenien festgenommen und verhört worden, berichtete die belgische Polizei am Abend. Ob die Festgenommenen in Verbindung mit dem Anschlag stehen, ist zur Stunde noch nicht geklärt. Bereits am Nachmittag hatte die Polizei auf der Autobahn München-Salzburg drei Kosovaren festgenommen, die Verbindungen zu einem Terrornetzwerk haben könnten.

Auch Großbritannien hat die Kontrollen an den Landesgrenzen verschärft. Es seien mehr Grenzpolizisten im Einsatz und mehr Autos würden durchsucht, sagte Innenministerin Theresa May. Zuvor hatte bereits Scotland Yard mitgeteilt, dass insbesondere an Verkehrsknotenpunkten die Polizeipräsenz verstärkt werde.

Die Explosionen am Flughafen hatten Betonplatten aus der Decke gerissen, die nahe der Eincheck-Schalter zu Boden stürzten. Die gesamte Fensterfront wurde nach der Explosion zerstört. Die Rettungsdienste berichteten von einer großen Zahl Schwerstverletzter, was sicher auf die mit Metallteilen präparierten Bomben zurückzuführen sei. Deshalb müsse von einer steigenden Opferzahl ausgegangen werden. Nach Angaben der belgischen Gesundheitsministerin Maggie de Block wurden bislang 31 Todesopfer registriert. Die Zahl der Verletzten belaufe sich auf 250. Demnach wurden 11 Menschen am Brüsseler Flughafen getötet, 20 in der U-Bahn-Station Maelbeek.

Viele Tote auch in der U-Bahn

Kurz nach 9.00 Uhr erschütterte eine dritte Explosion die belgische Hauptstadt. Getroffen wurde diesmal die U-Bahnstation Maelbeek, nur wenige Hundert Meter von den Hauptgebäuden der EU-Kommission und des EU-Rats entfernt. Die Menschen stürzten dort aus dem Schacht ins Freie, hielten sich Taschentücher auf blutende Kopfwunden, sackten auf dem Bürgersteig zusammen.

Die Explosion ereignete sich, als eine U-Bahn gerade in den Bahnhof einfuhr. Bilder vom Tatort zeigen einen völlig zerstörten Waggon. Über die Nationalität der 20 Todesopfer und bis zu 130 Verletzten wurde bislang nichts bekannt. Auch das Auswärtige Amt in Berlin richtete einen Krisenstab ein.

Aus Sicherheitsgründen wurden die Atomkraftwerke Tihange und Doel evakuiert. Die belgischen Atomkraftwerke waren bereits unter verschärften Schutz gestellt worden. Sowohl Polizei als auch Militär seien vor Ort, wie der Betreiber Engie mitteilte.

Terror mit Ansage

Bereits nach den Anschlägen von Paris am 13. November 2015 hatten Sicherheitsbehörden vor ähnlichen Angriffen auch in Belgien gewarnt. Die Pariser Attentäter hatten engste Verbindungen in die belgische Hauptstadt – im Brennpunktviertel Molenbeek waren einige der Drahtzieher zu Hause.

Erst am Freitag war es den belgischen Sicherheitskräften gelungen, Salam Abdeslam zu fassen, der mutmaßlich eine entscheidende Rolle bei den Anschlägen von Paris spielte. Belgien und die internationale Gemeinschaft feierten dies als Erfolg. Der Terrorexperte Rolf Tophoven geht davon aus, dass das Umfeld Abdeslams zeigen wollte, dass es weiter handlungsfähig und nicht operativ geschwächt sei. Es handele sich somit um einen "perfekt koordinierten und professionell durchgeführten Anschlag".

(Foto: n-tv.de / stepmap.de)

Quelle: n-tv.de

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