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Dienstag, 29. August 2017

Trump "an der Seite Japans": Nordkorea feuert Rakete über Japan hinweg

Neue Provokation aus Nordkorea: Das Regime in Pjöngjang testet erneut eine weitreichende Rakete. Das Geschoss fliegt über das dichtbevölkerte Japan hinweg. Die japanische Regierung spricht von einer "beispiellos ernsten und schweren Bedrohung".

Der Konflikt um das nordkoreanische Raketenprogramm erreicht eine neue Stufe der Eskalation: Erneut hat das Land eine Rakete getestet und diesmal über das dichtbesiedelte Japan fliegen lassen, wie das US-Verteidigungsministerium bestätigte. Der Test werde derzeit noch ausgewertet. Die USA stuften den erneuten Test einer Interkontinentalrakete zunächst nicht als akute Bedrohung für die eigene Bevölkerung ein.

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International schlägt der Vorfall hohe Wellen. In Japan löste der neuerliche Raketentest der Nordkoreaner große Besorgnis aus. Ministerpräsident Shinzo Abe sprach von einer "beispiellos ernsten und schweren Bedrohung". Das Land werde "alle Schritte" unternehmen, um die Bevölkerung zu schützen.

Trump verspricht Japan Beistand

Abe kündigte an, gemeinsam mit US-Präsident Donald Trump den Druck auf die international weitgehend isolierte Führung in Pjöngjang weiter zu erhöhen. Darauf habe er sich nach einem 40-minütigen Telefonat mit Trump verständigt. Der US-Präsident habe ihm versichert, "zu hundert Prozent an der Seite Japans" zu stehen.

Russland, das im Osten an Nordkorea grenzt, zeigte sich ebenfalls "extrem besorgt". Die Lage habe die "Tendenz zur Eskalation", sagte der russische Vize-Außenminister Sergej Riabkow laut der staatlichen Nachrichtenagentur Ria Nowosti. "Wir sind extrem besorgt über die allgemeine Entwicklung", sagte er demnach. Der UN-Sicherheitsrat soll noch im Lauf des Tages zu einer Dringlichkeitssitzung zusammenkommen.

Der Raketenstart erfolgte nach Angaben des südkoreanischen Militärs am frühen Dienstagmorgen (Ortszeit, Montagabend 22.57 Uhr MESZ). Nordkorea habe ein zunächst "nicht identifiziertes Geschoss" von Pjöngjang aus gestartet..

Tokio verschickt Alarm-SMS

Im Norden Japans wurden Einwohner von den Behörden via Textnachrichten aufgefordert, Schutz zu suchen. Zugpassagiere wurden angewiesen, sich in Bahnhöfen in Sicherheit zu bringen. Der Überflug der Rakete sei ein "ungeheuerlicher Akt", der Frieden und Sicherheit in der Region großen Schaden zufüge, sagte Abe.

Nach übereinstimmenden Angaben aus Japan, Südkorea und des US-Militärs überflog die Rakete bislang unbekannter Bauart auf ihrer Flugbahn Richtung Osten eine der japanischen Hauptinseln. Der Regierung in Tokio zufolge stürzte das Geschoss mehr als 1000 Kilometer östlich der japanischen Insel Hokkaido in den Pazifischen Ozean.

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Das japanische Militär unternahm demnach keinen Versuch, die Rakete abzuschießen. Japan hatte in der Vergangenheit angekündigt, nordkoreanische Raketen abzuschießen, falls sie eine Bedrohung japanischen Territoriums darstellten.

Norad: Ballistische Rakete

Bei dem rund zweiminütigen Überflug der Rakete am Dienstag sei die Armee jedoch zu der Einschätzung gekommen, dass keine Gefahr für japanisches Gebiet bestehe, sagte Verteidigungsminister Itsunori Onodera. Einem Bericht des Senders NHK zufolge zerbrach das Geschoss in drei Teile, bevor es auf offenem Meer aufschlug. Letztmals flog 2009 ein nordkoreanisches Geschoss über Japan hinweg.

Das für die USA und Kanada zuständigen Nordamerikanischen Luft- und Weltraum-Verteidigungskommandos (Norad) bestätigte den Start und die Flugbahn einer ballistischen Rakete. Die zuständigen Stellen seien noch dabei, den neuerlichen Raketenstart Nordkoreas zu bewerten, teilte ein Pentagon-Sprecher mit. Die nordkoreanische Rakete überwand demnach eine Distanz von 2700 Kilometern und erreichte dabei eine maximale Höhe von rund 550 Kilometern.

Den Norad-Angaben zufolge gehen US-Experten davon aus, dass es sich bei dem abgefeuerten Geschoss um eine Interkontinentalrakete gehandelt haben dürfte. Solche weitreichenden Waffensysteme könnten theoretisch auch Sprengköpfe über den Pazifik hinweg bis in die USA tragen.

Der Nationale Sicherheitsrat in Südkorea verurteilte den Raketentest durch Nordkorea als Verletzung von UN-Resolutionen. Diese verbieten dem Land Tests mit ballistischen Raketen. Das sind in der Regel Boden-Boden-Raketen, die je nach Bauart konventionelle, chemische, biologische oder atomare Sprengkopf transportieren können. Das diplomatisch isolierte Nordkorea arbeitet an Raketen, die eine atomaren Sprengkopf bis in die USA tragen können.

Aktienkurse geben nach

An den Aktienmärkten reagierten Anleger nervös. Die ersten Nachrichten vom Raketenstart erreichten die Wall Street eine knappe Stunde nach Handelsschluss. Im nachbörslichen Spezialistenhandel gaben die Kurse der wichtigsten US-Aktienindizes knapp ein Prozent nach.

Im fernöstlichen Marktgeschehen gab der Nikkei-Index der japanischen Standardwerte um 0,6 Prozent auf 19.330 Punkte nach. Zeitweise fiel er auf den niedrigsten Stand seit fast vier Monaten. In Seoul büßte der Kospi-Index zeitweise sogar mehr als 1,0 Prozent auf 2343 Punkte ein. Das südkoreanische Finanzministerium teilte vorsorglich mit, bei Bedarf die Märkte zu stabilisieren.

Die Regierung in Südkorea bemühte sich nach dem Raketentest um eine Demonstration militärischer Stärke. Vier F15K-Kampfjets hätten auf einem Schießplatz in der Nähe der innerkoreanischen Grenze Bomben fallen lassen, teilte ein Sprecher von Präsident Moon Jae In mit.

Bei der Übung sei die nordkoreanische Führung als simuliertes Ziel ausgegeben worden, berichtete die nationale Nachrichtenagentur Yonhap. Moon hatte zuvor die Streitkräfte angewiesen, ihre Kampfkraft zu demonstrieren.

Neue Provokationen

Mit dem neuerlichen Raketenstart setzt das Regime in Pjöngjang seinen aggressiven Provokationskurs fort: Erst am Samstag hatte Nordkorea drei Kurzstreckenraketen getestet - offenbar als Reaktion auf ein gemeinsames Militärmanöver der USA und Südkoreas. Der US-Armee zufolge stürzten die Raketen vor der Ostküste Nordkoreas ins Meer. Die Geschosse waren demnach keine Gefahr für das nordamerikanische Festland und die Pazifikinsel Guam, auf der die USA mehrere Militärstützpunkte unterhalten.

Nordkorea hatte Anfang August damit gedroht, Raketen in Richtung Guam abzufeuern. Zuvor hatte US-Präsident Donald Trump Pjöngjang mit "Feuer und Wut" indirekt einen Atomwaffeneinsatz angedroht. Pjöngjang hatte im Juli zwei Interkontinentalraketen getestet, die nach Angaben der Regierung Ziele auf dem US-Festland erreichen können. Daraufhin verschärfte sich der Ton zwischen Washington und Pjöngjang deutlich. Am Mittwoch meldete die nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA, Staatschef Kim Jong Un habe angeordnet, mehr Raketentriebwerke und Raketensprengköpfe herzustellen.

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Quelle: n-tv.de

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