Politik
Mütterlich tätschelt die Kanzlerin am Tag nach der Wahl die Schulter des Unterlegenen.
Mütterlich tätschelt die Kanzlerin am Tag nach der Wahl die Schulter des Unterlegenen.(Foto: picture alliance / dpa)

McAllister kann noch alles erreichen: Plan "B" wie "Berlin"

Von Christoph Herwartz

Was macht ein 42-jähriger Senkrechtstarter, wenn er seinen Job verliert? In Rente gehen wohl nicht. In der Hauptstadt sucht die CDU schon nach einer neuen Aufgabe für David McAllister. Und dort könnte er es weit bringen – obwohl seine Karriere einen Makel hat.

Bislang ging es für David McAllister politisch immer nur in eine Richtung: nach oben. Den Weg vom Kreisvorsitzenden der Jungen Union Cuxhaven ins Amt des Ministerpräsidenten beschritt er ungewöhnlich schnell. Mit nur 40 Jahren wurde er zum Landesvater, weil Amtsinhaber Christan Wulff zu höherem berufen schien. Dass es auf diesem Weg nun nicht weitergeht, liegt an einem Wahlergebnis, das so knapp ausfiel, dass es sich kaum als eine Stimmung gegen McAllister auslegen lässt. Im Gegenteil: Er ist der beliebteste Politiker seines Landes, und auch wenn seine Partei viele Stimmen verloren hat, liegt die Niederlage nicht an ihm, sondern paradoxerweise an der Schwäche des Koalitionspartners FDP.

Dass Karriereende des David McAllister haben die Niedersachsen darum nicht herbei gewählt. Die Wahl ist eher ein Karriereknick, McAllister bleibt eine Nachwuchshoffnung der CDU – er ist sogar derjenige mit den besten Chancen auf höchste Ämter. Um als Nachwuchshoffnung zu gelten, ist in der CDU vor allem eines wichtig: der Segen der Vorsitzenden Angela Merkel. Und die ließ am Tag nach der Wahl keinen Zweifel daran, dass sie ihn weiter fördern wird: "David McAllister gehört zu den fähigsten, besten Köpfen in der CDU", sagt sie: "Ihm gehört die Zukunft, an welcher Stelle auch immer." Ursula von der Leyen sagt, McAllister könne sich frei entscheiden, wohin er gehe.

McAllister ist in Berlin gut vernetzt

In der Wulff-Affäre vermied McAllister sowohl zu viel Nähe, wie auch zu viel Distanz.
In der Wulff-Affäre vermied McAllister sowohl zu viel Nähe, wie auch zu viel Distanz.(Foto: picture alliance / dpa)

Der Halb-Schotte scheint kaum aufzuhalten zu sein: Auf dem Bundesparteitag im Dezember wurde er von einer Sympathiewelle getragen, er ist seiner Partei häufig einen Schritt voraus und führt ein geregeltes Privatleben. In der Affäre um Bundespräsident Christian Wulff schlug er den richtigen Ton an und meisterte den schmalen Grat zwischen Distanz und Solidarität ohne Peinlichkeiten. Und ganz wichtig: Gegenüber Merkel zeigt er sich stets loyal. Schon einige talentierte Politiker scheiterten in der Union, weil sie die Alleinherrschaft der Kanzlerin nicht anerkannten – zuletzt Norbert Röttgen. Auch wenn sich McAllister schon negativ über den Berliner Politikbetrieb äußerte: Er kennt sich in der Hauptstadt aus, verbrachte dort seine Kindheit und ist politisch bestens vernetzt. "Der Schotte, der dazu auserkoren ist, Deutschland zu führen", schreibt der britische "Telegraph".

Die Frage ist nun: Über welchen Posten zieht McAllister in die Bundespolitik ein? Als Politiker ist er Generalist und wäre damit für viele Ressorts geeignet. Der Volljurist war bislang nie Minister, sondern Bürgermeister, Generalsekretär, Fraktionsvorsitzender. Auf der Bundesebene könnte es zunächst dabei bleiben: Schon zweimal trug ihm Merkel das Amt des Generalsekretärs an – nun wäre Zeit, zuzugreifen.

Im Herbst werden Stühle gerückt

Als Machtbasis könnte weiterhin Niedersachsen dienen, McAllister will Chef des CDU-Landesverbandes bleiben. Zuletzt schloss er auch nicht mehr aus, Fraktionschef im Landtag zu werden. Doch dies wäre allenfalls ein Übergangsposten, denn in Hannover kann er sich nicht weiter profilieren.

Damit die Karriere weiter geht, muss er bald nach Berlin. Die Gelegenheit ist günstig: Schon in neun Monaten wird gewählt und derzeit spricht viel dafür, dass Merkel Kanzlerin bleiben kann. In ihrem Kabinett dürfte es dann einige personelle Wechsel geben: Mindestens Wissenschaftsministerin Annette Schavan wird sich nach dem Ärger um ihre Doktorarbeit nicht halten können. Familienministerin Kristina Schröder konnte die Hoffnungen, die ihre Partei in sie setzte, nicht erfüllen. Und ob der Koalitionspartner FDP erhalten bleibt, ist fraglich.

Selbst wenn die CDU abgewählt wird, müsste dies für McAllister kein Schaden sein: Bei einer Neuaufstellung der Parteispitze würde man um ihn nicht herum kommen. Als Mitglied eines Schattenkabinetts für die Wahl 2017 wäre er gesetzt. Vielleicht sogar als Spitzenkandidat? Dagegen gäbe es ein Argument. Denn McAllister hat einen Makel – den gleichen wie Peer Steinbrück: Eine große Wahl hat er noch nie gewonnen.

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Quelle: n-tv.de

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