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Seit den Anschlägen vom Dienstag durchsuchte die belgische Polizei zahlreiche Wohnungen in Brüssel.
Seit den Anschlägen vom Dienstag durchsuchte die belgische Polizei zahlreiche Wohnungen in Brüssel.(Foto: REUTERS)

Mehrere Festnahmen: Polizei durchsucht weiteres Haus in Brüssel

Bei erneuten Razzien in der belgischen Hauptstadt werden mehrere Menschen festgenommen. Zwei Verdächtige werden dabei verletzt. Wegen eines Sprengstofffundes ist auch ein Roboter im Einsatz. Es soll einen Zusammenhang zur Festnahme bei Paris geben.

Spezialeinsatzkräfte der Polizei haben erneut ein Haus in Brüssel durchsucht. Eine Spezialeinheit habe eine Wohnung im Stadtteil Schaerbeek gestürmt, meldete die Nachrichtenagentur Belga. Dabei habe es drei Explosionen gegeben, berichtete der öffentlich-rechtliche Sender RTBF. Der belgischen Zeitung "Le Soir" zufolge wurden alle Explosionen "kontrolliert" von den Einsatzkräften ausgelöst. Medienberichten zufolge wurde der Einsatz inzwischen beendet.

Mit einem Roboter untersuchte die Polizei einen Rucksack in Schaerbeek.
Mit einem Roboter untersuchte die Polizei einen Rucksack in Schaerbeek.(Foto: REUTERS)

Die Staatsanwaltschaft bestätigte, dass bei Razzien am Freitag insgesamt zwei Männer jeweils am Bein verletzt und dann festgenommen wurden: einer in der Gemeinde Forest, der andere bei dem Einsatz in Schaerbeek. Ihre Namen gab die Behörde mit Tawfik A. und Salah A. an. Ein weiterer Mann wurde in der Gemeinde St. Gilles festgenommen. Die Ermittlungen stünden im Zusammenhang mit einer Anti-Terror-Aktion vom Donnerstagabend im französischen Argenteuil. Dort hatten Beamte eine Wohnung durchsucht und einen Verdächtigen festgenommen. Es handele sich um den 34-Jährigen Franzosen Reda Kriket, der wegen Beteiligung an einer terroristischen Gruppe zu zehn Jahren Haft verurteilt worden war, so die Staatsanwaltschaft.

Nach Informationen von RTBF hatte der Verdächtige in Schaerbeek einen Rucksack oder einen Koffer mit Sprengstoff dabei. Laut der belgischen Nachrichtenseite De Redactie setzte der Minendienst der belgischen Armee deshalb einen Roboter ein, um nach Sprengstoff zu suchen. Aufnahmen der Seite zeigen zudem, wie Soldaten an einer Straßenbahnhaltestelle in Schaerbeek einen Rucksack untersuchen.

Weitere Festnahmen in der Nacht

Die Polizei forderte Anwohner auf, in den Wohnungen zu bleiben. Die Umgebung wurde abgeriegelt, schwerbewaffnete und maskierte Kräfte sowie Armeefahrzeuge waren im Einsatz. Aus Schaerbeek waren die Brüsseler Attentäter am Dienstagmorgen mit ihrem Sprengstoff in einem Taxi losgefahren, bevor sie am Flughafen und in der U-Bahn der belgischen Hauptstadt 31 Menschen töteten und 300 weitere verletzen.

Auch in der Nacht wurden bereits bei Razzien unter anderem in Schaerbeek sechs Verdächtige festgenommen. Laut belgischer Staatsanwaltschaft wurden fünf der Verdächtigen an zwei verschiedenen Orten im Zentrum von Brüssel festgenommen, ein weiterer im Vorort Jette. Drei der Verdächtigen seien "direkt vor unserer Tür" festgenommen worden, sagte ein Sprecher der Behörde. Laut einem Bericht der Zeitung "La Libre Belgique" waren die drei Männer zusammen in einem Auto unterwegs. Warum sie sich in der Nähe des Gebäudes der Bundesstaatsanwaltschaft aufhielten, war zunächst unklar.

Drei der sechs Festgenommenen behält die Justiz in Gewahrsam. Unter ihnen sei einer der Männer, die sich nahe der Staatsanwaltschaft aufhielten. Die Ermittler äußerten sich nicht dazu, in welchem Zusammenhang dieser Mann zu den Anschlägen vom Dienstag. Spekulationen, wonach der Mann der noch flüchtige Verdächtige vom Flughafen-Terrorkommando sein könnte, wurden laut Medienberichten zunächst nicht bestätigt. Auch in Deutschland wurden zwei Männer mit möglichen Verbindungen zu den Attentätern festgenommen.

"Ich bin ein Brüsseler"

Derweil sicherte US-Außenminister John Kerry Belgien und Europa amerikanische Unterstützung im Kampf gegen den Terror zu. "Wir werden jede erforderliche Hilfe leisten, um diese abscheulichen Taten aufzuklären und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen", sagte er bei einem kurzfristig angesetzten Besuch in der belgischen Hauptstadt. Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in den USA hätten Europäer mit dem Satz "Ich bin Amerikaner" ihre Solidarität erklärt. Nun sage er für die USA: "Ich bin Brüsseler".

Kerry bestätigte, dass bei den Selbstmordattentaten in der belgischen Hauptstadt mindestens zwei US-Bürger ums Leben kamen. Als Schlüsselelement für den Kampf gegen den islamistischen Terrorismus nannte Kerry die Zerstörung des sogenannten Islamischen Staates (IS) in Syrien und im Irak. Dieser hat sich zu den Anschlägen in Brüssel bekannt.

Quelle: n-tv.de

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