Politik
Aus Ali Mohammed al-Nimrs Umfeld heißt es, dass er ein Junge gewesen sei, der nur politisierten Mitschülern gefolgt ist.
Aus Ali Mohammed al-Nimrs Umfeld heißt es, dass er ein Junge gewesen sei, der nur politisierten Mitschülern gefolgt ist.(Foto: Facebook)

Mit 17 in den Todestrakt: Saudis wollen auch Nimrs Neffen köpfen

Von Issio Ehrich

Ein Angriff auf eine Botschaften, der Abbruch diplomatischer Beziehungen - die Empörung über die Hinrichtung des schiitischen Geistlichen Nimr trifft Saudi-Arabien heftig. Ein noch skandalöserer Akt steht womöglich trotzdem kurz bevor.

Morgen, übermorgen, nächste Woche - jeden Tag könnte es so weit sein. Jeden Tag könnte die saudische Justiz auch Ali Mohammed al-Nimr hinrichten. In dem Golfstaat ist es üblich, dass nicht einmal die Angehörigen den Termin des Todestages erfahren.

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Am Samstag töteten die Henker des sunnitischen Königreichs bereits Nimrs Onkel, den einflussreichen schiitischen Geistlichen Nimr al Nimr und 46 weitere Menschen. Die Massenhinrichtung löste weltweit Protest aus, war der Anlass für den Angriffe auf eine saudische Botschaft und der Auslöser für den Abbruch diplomatischen Beziehungen mit dem Iran. Die Hinrichtung Ali Mohammed al-Nimrs dürfte für noch mehr Empörung sorgen. Als er verhaftet wurde, war er fast noch ein Kind.

Auf dem Höhepunkt des "Arabischen Frühlings" im Jahr 2012 nahm der damals 17-Jährige in seiner Heimatstadt Qatif an Straßenprotesten teil. Menschenrechtsorganisationen und Vertraute zeichnen das Bild eines Jugendlichen, der sich politisierten Mitschülern anschloss. Anders als sein Onkel war er nie ein politisches Schwergewicht.

Das oberste Gericht Saudi-Arabiens verurteilte ihn dann aber wegen der angeblichen Mitgliedschaft in einer Terrororganisation, Waffenbesitzes und Gewalt gegen Sicherheitsbeamte. Kritiker halten den Richtern vor, ihn für die Verwandtschaft mit dem bekannten oppositionellen Onkel zu bestrafen. Als skandalös bezeichnen Menschenrechtsorganisationen das Verfahren aber auch, weil die Justiz Nimr keinen Anwalt gewährte und ein Geständnis eigenen Angaben zufolge unter Folter erpresst wurde.

Vater des Todeskandidaten bittet um Gnade

Sollte die Justiz das Urteil tatsächlich vollstrecken, wäre das angesichts des Alters Nimrs bei seiner Festnahme ein Verstoß gegen die UN-Kinderrechtskonvention, die auch Saudi Arabien ratifiziert hat. Ob die Konvention tatsächlich ein Hindernis darstellt, ist aber fraglich. Für das Königreich sind auch ratifizierte UN-Richtlinien bekanntlich nicht immer bindende Maßstäbe. Auch die Todesstrafe für Erwachsene ist schwer mit den Regeln der Vereinten Nationen vereinbar. Allein im vergangenen Jahr tötete die saudische Justiz trotzdem mehr als 130 Menschen.

Ob Saudi-Arabien die Hinrichtung trotz des zu erwartenden Aufruhrs vollstreckt, hängt allein von König Salman Bin Abd al Aziz Al Saud ab. Er könnte das Gnadengesuch des Vaters des Todeskandidaten erhören. Etliche Menschenrechtsorganisationen versuchen durch Petitionen Druck auf den Herrscher auszuüben. Laute Kritik an der sich abzeichnenden Hinrichtung eines derart jungen Mannes ertönt auch von den engen Verbündeten des saudischen Könighauses Frankreich und den Vereinigten Staaten.

Sollte der Staatschef ihm die Gnade verwehren, wird Nimr zunächst geköpft. Dann werden seine Überreste gekreuzigt. Wie bei einigen anderen Verurteilten könnte die saudische Justiz dann auch die Leiche Nimrs zur Abschreckung an einem öffentlichen Platz zur Schau stellen.

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Quelle: n-tv.de

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