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Protest vor dem Tagungsgebäude in Durban.
Protest vor dem Tagungsgebäude in Durban.(Foto: Reuters)

Warnung vor dramatischen Klimafolgen: Schellnhuber: Bald zu spät

Die Welt hat offenbar nur noch acht Jahre Zeit, um eine Kippen des Klimas zu verhindern. Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung warnt, dass bis spätestens 2020 der Scheitelpunkt der globalen Treibhausgasemissionen erreicht werde. Die Politik müsse endlich handeln. Bremser wie die USA und China müssten bei Veranstaltungen wie jetzt in Durban umgestimmt werden.

Blick über ein Zeltlager für Flutopfer in Larkana. Pakistan ist das am stärksten von Wetterkatastrophen geschundene Land 2010, wie aus dem Klima-Risiko-Index der Organisation Germanwatch hervorgeht.
Blick über ein Zeltlager für Flutopfer in Larkana. Pakistan ist das am stärksten von Wetterkatastrophen geschundene Land 2010, wie aus dem Klima-Risiko-Index der Organisation Germanwatch hervorgeht.(Foto: dpa)

Der deutsche Klimaforscher Hans-Joachim Schellnhuber hat zum Auftakt der UN-Klimakonferenz in Durban vor zu hohen Erwartungen gewarnt. "Nüchtern betrachtet wird Durban der Versuch sein, die globale Klimagemeinschaft zusammenzuhalten, einen Zusammenbruch der Klimadiplomatie zu vermeiden", sagte der Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung der "Süddeutschen Zeitung". Denkbar sei allerdings im ungünstigsten Fall auch, dass der Verhandlungsprozess als solches verloren gehe.

Schellnhuber warnte eindringlich davor, die Folgen der Erderwärmung zu unterschätzen. "Die Zeichen an der Wand werden immer deutlicher", sagte er. Der Staatengemeinschaft bleibe nur noch wenige Jahre Zeit, umzusteuern. So müsse bis spätestens 2020 der Scheitelpunkt der globalen Treibhausgasemissionen erreicht werden, forderte Schellnhuber. "2020 könnte so gerade noch, total auf Kante genäht, funktionieren."

USA wollen Klimaziel nicht annehmen

Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) forderte mehr Einsatz, um die Erderwärmung auf zwei Grad Celsius zu begrenzen. Die US-Delegation will dagegen in Durban gar nicht über ein konkretes Kyoto-Nachfolgeabkommen verhandeln. Wir können den Klimawandel nur dann wirksam begrenzen, wenn sich alle großen Verschmutzer daran beteiligen und sich zu wirksamen Reduktionen verpflichten", sagte Röttgen in Berlin. Er reist erst später nach Durban. "Leider sind die USA, China, Indien und andere Schwellenländer aus politischen oder ökonomischen Gründen dazu nicht oder noch nicht bereit." Die Lage sei schwierig. "Der Klimaschutzprozess ist ein Marathonlauf, bei dem jeder Schritt der Mühe wert ist." Zu den Verhandlungen auf UN-Ebene gebe es keine Alternative.

Ein Mann schläft auf den Trümmern seines durch die Fluten zerstörten Hauses in Nowshera, Pakistan.
Ein Mann schläft auf den Trümmern seines durch die Fluten zerstörten Hauses in Nowshera, Pakistan.(Foto: dpa)

Röttgen stellte in Aussicht, die Regeln des Kyoto-Protokolls womöglich etwas zu verlängern, bis eine Übereinkunft mit den anderen großen Klimasündern für ein gemeinsames Abkommen zur Minderung der Treibhausgase möglich ist.

Vor allem in den USA und in China ist der Widerstand gegen international verbindliche Regeln zur Begrenzung der Treibhausgase groß. Für die USA gehe es in Durban vor allem um die Ausgestaltung der bei dem vorangegangenen Klimagipfel in Cancún vereinbarten Punkte, betonte US-Unterhändler Jonathan Pershing in Durban.

Dazu gehört die Errichtung eines Fonds, der 100 Milliarden Dollar (74 Milliarden Euro) pro Jahr ab 2020 bereitstellt. Damit sollen ärmeren Staaten die Anpassung an den Klimawandel und klimafreundliche Entwicklungsprojekte erleichtert werden. "Das wäre ein beachtlicher Schritt vorwärts im Kampf gegen den Klimawandel", sagte Pershing. Zu Verhandlungen über international rechtlich verbindliche Abmachungen seien die USA derzeit nicht bereit. Zunächst müssten viele andere Fragen geklärt werden.

Afrika fürchtet weitere extreme Wetterphänomene

"Windkraft für alle", fordern diese Demonstranten in Durban.
"Windkraft für alle", fordern diese Demonstranten in Durban.(Foto: Reuters)

Südafrikas Präsident Jacob Zuma forderte von der internationalen Gemeinschaft rasche Entscheidungen zum gemeinsamen Vorgehen gegen den Klimawandel und seine Folgen. Aufgrund der globalen Erwärmung drohe die Agrarproduktion in vielen afrikanischen Ländern bis 2050 um die Hälfte zu sinken, warnte er. Auch Südafrika leide vermehrt unter extremen Wetterphänomenen, etwa unter enormen Niederschlägen in einigen Regionen mit verheerenden Überschwemmungen als Folge.

Der frühere Bundesumweltminister Klaus Töpfer erwartet vom UN-Klimagipfel keine klaren Zielsetzungen oder Zeitpläne. Trotzdem dürfe es keine Resignation geben, meinte er im Deutschlandradio Kultur. Die Industrieländer müssten mit gutem Beispiel vorangehen.

Industrie besteht auf Kostenverteilung

Auch die deutsche Industrie dringt auf ein verbindliches Abkommen, damit die Wirtschaft überall in gleichem Maße an Klimakosten beteiligt wird. Sie lehnt aber CO2-Strafzölle auf Produkte aus Ländern, die beim Klimaschutz nicht mitziehen, strikt ab. "Diese Maßnahmen würden Vergeltungsmaßnahmen provozieren zum Schaden der europäischen und insbesondere der exportstarken deutschen Industrie", sagte der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie, Hans-Peter Keitel, der Nachrichtenagentur dpa.

Caritas international forderte unter anderem eine Ausweitung der Katastrophenvorsorge in den von Wetterextremen besonders betroffenen Regionen. "Die dramatische Zunahme von Überschwemmungen, Dürren und schweren Stürmen kann für die Betroffenen nur durch verstärkte Katastrophenprävention abgemildert werden", erklärte Oliver Müller, der Leiter des Hilfswerks der deutschen Caritas. Karin Kortmann von der Organisation Care nannte die Verhandlungen einen "Poker mit dem Leben von Millionen Menschen".

WWF: Abholzung setzt mehr Emissionen frei als Verkehr

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Die Umweltstiftung WWF warnte vor dem . Der WWF rechnet bis 2030 mit einem Verlust von 1,25 Millionen Quadratkilometern Wald. Die gigantische Abholzung setze mehr Emissionen frei als der gesamte Verkehr in der Welt.

Vertreter von 183 Ländern wollen bis zum 9. Dezember in Durban über Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels ebenso wie zur Milderung seiner Folgen beraten. Insbesondere soll es bei den zwölftägigen Verhandlungen um ein weltweites verpflichtendes Klimaschutzabkommen gehen.

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Quelle: n-tv.de

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