Politik
Chinesische Schauspieler stellen eine Kriegssituation dar.
Chinesische Schauspieler stellen eine Kriegssituation dar.(Foto: REUTERS)

USA rüsten gegen China: Der Krieg, den es nicht geben darf

Von Christoph Herwartz

Ob US-Präsident Barack Obama oder der Republikaner Mitt Romney die Wahl gewinnt - der nächste Präsident der USA hat die Aufgabe, den Frieden mit dem Konkurrenten China zu bewahren. Und das wird nicht leicht: Denn eigentlich deuten die Zeichen auf Krieg.

Militärisch ist China noch lange nicht so stark wie die USA und ihre Verbündeten.
Militärisch ist China noch lange nicht so stark wie die USA und ihre Verbündeten.(Foto: REUTERS)

"Es war der Aufstieg Athens und die Furcht, die er in Sparta auslöste, was den Krieg unausweichlich machte", schrieb der griechische Historiker Thukydides vor rund 2400 Jahren. Sparta hatte eine starke Allianz rund um die Ägäis angeführt, doch Athen war immer mächtiger geworden und begann, andere Städte an sich zu binden. Im Nachhinein kam es Thukydides ganz selbstverständlich vor, dass eine solche Konstellation früher oder später zum Krieg führt. Und er hatte Recht, die "Thukydides-Falle" lässt sich in der Geschichte vielfach beobachten.

Heute taucht dieser Begriff mit Blick auf den Aufstieg Chinas wieder auf. Auch die USA streiten offen mit China : "Zwei Nationen versuchen etwas, das es in der Geschichte niemals vorher gegeben hat", sagte Hillary Clinton dort. "Nämlich eine neue Antwort auf die Frage zu geben, was passiert, wenn eine etablierte Macht auf eine aufstrebende Macht stößt." Der Versuch bereitet Probleme: Zu den Nettigkeiten, die üblicherweise vor der Presse ausgetauscht werden, konnte man sich bei diesem Treffen nicht durchringen.

Das Verhältnis zwischen den USA und China ist angespannt. Die Chinesen schließen, getrieben von ihrem Rohstoffhunger, Allianzen in der ganzen Welt. Die USA wollen den Einfluss der Volksrepublik nicht zu groß werden lassen und verlegen Schiffe nach Asien . China sieht sich bedroht. Längst hat ein neuer Rüstungswettkampf begonnen: Die USA bauen ihre Raketenabwehr aus und entwickeln Waffensysteme mit globaler Reichweite. Ihre Flugzeugträger sollen kleiner und schneller werden und in Zukunft mit Drohnen bestückt sein. China rüstet weiter auf Vor kurzem wurde der erste, wenn auch nicht besonders moderne, Flugzeugträger in Betrieb genommen. China führt neuen Kampfjet vor Außerdem baut China eine strategische Zweitschlagskapazität auf: Es bestückt U-Boote mit Atomwaffen, um im Falle eines großen Überraschungsangriffs auf jeden Fall noch Rache üben zu können. Rutschen die Amerikaner in die "Thukydides-Falle"?

"Amerikas pazifisches Jahrhundert"

In den Docks von Dalian: Die "Liaoning", Chinas erster Flugzeugträger.
In den Docks von Dalian: Die "Liaoning", Chinas erster Flugzeugträger.(Foto: REUTERS)

"Einen Krieg darf es nicht geben", sagt der Konfliktforscher Dr. Hans-Joachim Schmidt n-tv.de. Und noch ist China wohl auch zu schwach, um die USA herauszufordern. Doch die Spannungen zeigen sich deutlich: Bei Gebietsstreitigkeiten reagiert China aggressiv. Zuletzt hat das der Konflikt um eine unbewohnte Inselgruppe zwischen China und dem mit den USA verbündeten Japan gezeigt. Allerdings versuchen auch die Chinesen, Militäreinsätze zu vermeiden. Die von den Japanern Senkaku und von den Chinesen Diaoyu genannten Inseln schützen sie nicht mit Kriegsschiffen, sondern mit Fischerbooten und ihrer Küstenwache. Viele weitere Konflikte könnten jederzeit aufbrechen. Der wichtigste ist der um Taiwan, das von den USA militärisch unterstützt wird, das China aber als Teil seines Territoriums betrachtet.

Um auf die heraufziehende Stärke Chinas reagieren zu können, zeigen die USA in der Region verstärkt Präsenz. Die Obama-Regierung rief vor einem Jahr "Amerikas pazifisches Jahrhundert" aus: Die Bündnisse mit Europa sollen zwar bestehenbleiben, aber ergänzt werden durch ähnliche Verbindungen nach Asien. Zuvor wenig beachtete Staaten wie die Philippinen, Thailand und Indonesien werden wie Japan, Südkorea und Australien zu wichtigen Partnern. China versucht in ähnlicher Weise, seinen Einfluss zu stärken. "Die USA wollen China als Hegemon verhindern, aber es ist nicht klar, ob sie das schaffen", sagt Konfliktforscher Schmidt.

Schmidt glaubt, dass die USA in den kommenden 10 bis 20 Jahren militärisch überlegen sein werden. Dass China die USA in dieser Zeit herausfordert, ist darum unwahrscheinlich. Die Pazifik-Strategie ist allerdings mehr als ein Aufrüstungsprogramm. Auch die Beziehungen zu China sollen verbessert werden, um die Situation zu entspannen. Dabei geht es vor allem um die Wirtschaft, wo beide Staaten bereits eng miteinander verflochten sind. Amerikanische Unternehmen lassen in China produzieren, chinesische Waren werden in die USA verkauft. Außerdem hält China große Mengen an US-Dollar und an amerikanischen Staatsanleihen. Das Verhältnis beider Staaten zueinander ist dadurch sehr komplex: So hat China etwa ein Interesse an der Stabilität des Dollars und sieht zu niedrige Leitzinsen nicht gern. Die USA sind darauf angewiesen, sich auch zukünftig Geld in China leihen zu können und Obama knöpft sich China vor .

"Es gibt keine Anleitung"

Dass es an Orten wie Taiwan zu Stellvertreterkriegen kommt, wie es sie während des Kalten Krieges etwa in Vietnam gab, hält Schmidt darum auch für unwahrscheinlich.  "Das bestimmende Element in den Beziehungen ist die wirtschaftliche Kooperation", sagt er. Sie ist für den Erhalt der Stabilität das wirksamste Mittel. "Kooperation bringt uns beiden mehr als ein Konflikt", schrieb auch Außenministerin Clinton in einem Aufsatz zur Pazifik-Strategie für die Fachzeitschrift "Foreign Policy".

Ob die wirtschaftliche Kooperation reichen wird, die Beziehungen zwischen China und den USA friedlich zu halten, ist aber längst nicht klar. Einige Unbekannte gibt es in dem Spiel: Wie stabil ist Chinas neue Führung und wie lange geht das Wachstum weiter? Wie entwickeln sich andere Beziehungen etwa zum Iran? Welche Rolle nimmt das erstarkende Indien ein? In ihrem Artikel schrieb Clinton: "Am Ende des Tages gibt es keine Anleitung für die sich entwickelnde Beziehung USA-China. Aber wir dürfen nicht scheitern, der Einsatz ist zu hoch."

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Quelle: n-tv.de