Politik
Petraeus und Obama fliegen 2008 über Sadr City im  Irak.
Petraeus und Obama fliegen 2008 über Sadr City im Irak.(Foto: AP)

"Ein richtiges Problem": Wie Petraeus zu Fall kam

Ein Jahr ist David Petraeus der Top-Spion der USA - bis er offenbar selbst einem Schnüffelangriff zum Opfer fällt . Noch immer wirft seine Sex-Affäre jede Menge Fragen auf und erschüttert Washington. Für Präsident Obama kommt der Rücktritt des Vier-Sterne-Generals höchst ungelegen.

Der amerikanische Komiker Jay Leno fasst es so: "Wenn nicht einmal der CIA-Direktor eine Affäre geheim halten kann, dann habt Ihr ein richtiges Problem." Dies trifft in der Tat den Nagel auf den Kopf. Schließlich ist eine Sex-Affäre des mächtigsten US-Spions, David Petraeus, eine Frage der nationalen Sicherheit. Und sie wirft viele Fragen auf: Wie wurde die Beziehung überhaupt publik? Warum wusste die Bundespolizei FBI offenbar schon seit Wochen davon, informierte die Parlamentsausschüsse aber erst am Freitag?

Broadwell machte aus ihrer Bewunderung für den General keinen Hehl.
Broadwell machte aus ihrer Bewunderung für den General keinen Hehl.(Foto: AP)

Wie US-Medien berichten, fiel Petraeus selbst einem Schnüffelangriff zum Opfer. Einer Version zufolge hatte die "Gegenspionage-Einheit" der Bundespolizei vor Monaten begonnen, das private E-Mail-Konto des Geheimdienstchefs bei Google genauer unter die Lupe zu nehmen. Die "Feds" hätten die Sicherheit des Accounts überprüfen wollen. Zufällig stießen sie dabei auf kompromittierende Nachrichten an eine Geliebte.

Eine andere Version klingt schon deutlich spannender: Demnach hat die Geliebte von Petraeus eine andere Frau "aus dem Umfeld" des Generals mit E-Mails bedroht. Bei der Geliebten handelt es sich vermutlich um Petraeus' Biographin Paula Broadwell. Die Schönheitskönigin und Harvard-Absolventin machte den als asketisch geltenden General nach 37 Jahren Ehe offenbar schwach, als sie mit ihm in Afghanistan gemeinsam joggen ging und lange Gespräche führte. Die Affäre begann dann aber wohl erst, als der 60-Jährige die Armee verließ, wie das "Wall Street Journal" schreibt. Das war im August 2011, kurz vor seinem Wechsel zur CIA. Seit einigen Monaten sei das Tête-à-tête wieder vorbei.

Hunderte E-Mails und eine Drohung

Offenbar war es eine Affäre voller Leidenschaft - sowohl für Petraeus als auch für Broadwell. Der Vier-Sterne-General soll der Elitesoldatin hunderte E-Mails von seinem privaten Account geschickt haben. Sie wiederum empfand eine bislang unbekannte zweite Frau so sehr als Bedrohung für ihre Beziehung zu Petraeus, dass sie diese mit E-Mails belästigte - mit verhängnisvollen Konsequenzen. Die Empfängerin sei derart eingeschüchtert gewesen, dass sie bei der Bundespolizei FBI um Schutz sowie um Identifizierung der Absenderin gebeten habe, heißt es in US-Medienberichten. Wie die "Washington Post" schreibt, arbeitete die Frau nicht bei der CIA, zudem sei ihre Beziehung zu Petraeus unklar.

Da scheint die Welt noch in Ordnung: Petraeus mit seiner Familie im Februar 2004.
Da scheint die Welt noch in Ordnung: Petraeus mit seiner Familie im Februar 2004.(Foto: AP)

US-Medien zufolge ermittelt das FBI nun gegen Broadwell wegen unerlaubten Zugangs zu sicherheitsrelevanten Informationen. Die Autorin soll demnach versucht haben, E-Mails von Petraeus während dessen Zeit als Oberkommandierender der NATO-Truppen in Afghanistan zu lesen. Sie hatte in der Biographie "All In" viele Details über Petraeus veröffentlicht.

Das US-Magazin "New Yorker" nennt den Rücktritt eine "Überraschung", fragt aber zugleich, "ob nicht noch andere Dinge da mit hineinspielen". Wie in vielen US-Medien wird auch hier das mögliche "Sicherheitsrisiko" und das "Risiko der Erpressung" erwähnt. Es handele sich doch um ein "bizarres Timing", schreibt  ein Kommentator der "Washington Post" - immerhin  hätte Petraeus in Kürze zu der tödlichen Attacke auf das  US-Konsulat im libyschen Bengasi aussagen müssen, deretwegen die CIA massiv in der Kritik steht.

Schwerer Schlag für Obama

Für US-Präsident Barack Obama kommt die  Petraeus-Affäre so kurz nach seiner Wiederwahl höchst ungelegen. Mit Petraeus verliert er eine Säule seines Anti-Terror-Kampfes. Der hochdekorierte Ex-General baute die CIA weiter in eine schlagkräftige Truppe um, die immer mehr internationale Drohneneinsätze steuert und auch bei der Abwehr von Angriffen aus dem Internet eine zunehmende Rolle spielt.

Was hinzu kommt: Obama erleidet - wenn sich alle Andeutungen bewahrheiten - ohnehin bald einen massiven Verlust an erfahrenen Führern in der Außen- und Verteidigungspolitik: Außenministerin Hillary Clinton will sich bald zurückziehen, Verteidigungsminister Leon Panetta ebenso. Jetzt muss er auch noch einen Geheimdienstchef finden, der genau diese beiden Behörden mit entscheidenden Infos versorgt. Kein Wunder also, dass Amerikas Sicherheitspolitiker von der Nachricht am Wochenende unter Schock standen.

Quelle: n-tv.de

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