Politik
Der Islamische Staat hisst in Kobane schon seine Flagge.
Der Islamische Staat hisst in Kobane schon seine Flagge.(Foto: AP)

Zu wenig, zu spät: In Kobane scheitert die Allianz

Ein Kommentar von Issio Ehrich

Der Kampf um Kobane droht verloren zu gehen. Mehr noch, es droht ein Massaker an den Kurden in der nordsyrischen Stadt. Der westliche Teil der Anti-IS-Miliz war zu zögerlich, der östliche zu berechnend.

In Berlin, Brüssel und Istanbul gehen Hunderte Kurden für die Menschen in Kobane auf die Straße und fordern Solidarität. Zu Recht. In der nordsyrischen Stadt kämpfen diese Menschen gegen den Sturm des Islamischen Staates (IS) - militärisch unterlegen, abgeschnitten von Nachschub, weitgehend auf sich gestellt. Die Allianz, die die USA gegen die Dschihadisten geschmiedet hat, ist ihnen keine große Hilfe. Und das im vollen Bewusstsein.

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Die USA konzentrierten ihre Luftschläge in den vergangenen Wochen auf Öl- und Gasfelder, die Geldquellen des IS. Die Milizen, die rund um Kobane einen Ort nach dem anderen einnahmen, trafen sie nur mit halbherzigen Bombardements. Am Montag nun hissten die Islamisten ihre schwarze Flagge im Osten der Stadt, und vielleicht ist es damit zu spät. Mit Luftangriffen in einen Häuserkampf einzugreifen, stellt ein heikles Unterfangen dar. Und selbst wenn es westlichen Kräften noch gelingen sollte, die Milizen zurückzudrängen, stellt sich die Frage: Warum mussten in Kobane erst so viele Menschen flüchten oder gar sterben?

Der westliche Teil der Allianz wirkt planlos. Der östliche Teil dagegen allzu berechnend. Wenn die verzweifelten Kurden in Kobane sich von ihrem Gegner abwenden und über die Grenze zur Türkei blicken, sehen sie etliche Panzer und Soldaten. Sie sind ausgestattet mit einem Mandat des türkischen Parlaments, gegen IS vorzugehen. Es bedarf nur eines Wortes aus Ankara. Doch dieses Wort fällt nicht.

Die türkische Regierung hat viele Interessen, der Schutz der Kurden in Kobane steht offensichtlich sehr weit hinten auf ihrer Liste. Und so erhärtet sich vor allem der Eindruck: Die Angst Ankaras vor einer erfolgreichen autonomen kurdischen Region im Norden Syriens ist größer als der Wunsch, den Friedensprozess mit den Kurden voranzutreiben. Denn ein Massaker in Kobane dürfte diesen um Jahre zurückwerfen. PKK-Chef Abdullah Öcalan warnte bereits: "Die Realität von Kobane und der Friedensprozess lassen sich nicht trennen." Die Allianz tut zu wenig oder sie tut es zu spät.

Quelle: n-tv.de

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