Freitag, 26. Februar 2010
Tiefroter Versicherungsriese: AIG erschreckt US-Anleger
Der staatlich gestützte Versicherungskonzern American International Group (AIG) verliert weiter Geld in größeren Mengen. Nach erheblichen Ausfällen in den letzten drei Monaten summiert sich der Verlust aus dem Jahr 2009 auf fast elf Milliarden Dollar. Die Risikovorsorge steigt, der Markt reagiert unangenehm überrascht.Der angeschlagene US-Versicherungsriese AIG benötigt nach einem neuen Milliardenverlust möglicherweise zusätzliche Staatshilfen. Weitere staatliche Unterstützung könnte nötig werden, damit das weitgehend verstaatlichte Unternehmen seine Verpflichtungen erfüllen könne, teilte der einst weltgrößte Versicherer mit. Andernfalls könnte die Fortführung der Geschäfte erheblich in Gefahr geraten.
Der von der US-Regierung mit enormen Geldspritzen vor der Pleite gerettete Konzern wies für das vierte Quartal einen Nettoverlust von 8,9 Mrd. Dollar aus. Damit summiert sich das Minus im Gesamtjahr 2009 auf 10,9 Mrd. Dollar. Vor allem die Sanierung führte zu den roten Zahlen: AIG versuchte in den vergangenen Monaten vor allem seine Schulden abzubauen und riskanten Anlagen abzustoßen. Das Management nimmt dazu auch Verluste in Kauf.
Das Quartalsergebnis sei von Kosten wegen der Trennung von Geschäftsteilen und von höheren Rückstellungen für Ausfälle im Firmenkundengeschäft belastet, erklärte AIG. In den beiden vorherigen Quartalen hatte AIG noch Gewinne erwirtschaften können.
Von den Rekordverlusten des Vorjahres ist AIG allerdings weit entfernt. 2008 machte der Konzern im Schlussquartal ein Minus von 61,7 Mrd. Dollar. So kam es im Gesamtjahr mit 99,3 Mrd. Dollar zum höchsten Verlust, den jemals ein Unternehmen in der US-Geschichte angehäuft hatte.
Das laufende Geschäft stabilisiere sich, betonte AIG-Chef Robert Benmosche. Er verwies zur Begründung auf die sich erholenden Finanzmärkte. "Unser Team hat große Fortschritte während des Jahres gemacht", sagte er.
Kaltes Frösteln im Nacken
Dennoch waren die Börsianer vor den Kopf gestoßen: AIG musste seine Risikovorsorge kräftig aufstocken. "Das ist niemals ein gutes Zeichen", sagte ein Experte. Vorbörslich fiel der Kurs an den US-Börsen um mehr als zwölf Prozent.
AIG ist einer der größten Lebensversicherer der Welt und unter anderem auch der größte Finanzier von Flugzeugen. Größter Anteilseigner sind mit knapp 80 Prozent derzeit noch die Vereinigten Staaten.
Nach der Lehman-Pleite hatte AIG mit seinem Beinahe-Zusammenbruch im Herbst 2008 für eine zweite Schockwelle in der Finanzkrise gesorgt. Der Konzern geriet in Bedrängnis, nachdem der Versicherer Banken in den USA und Europa Milliarden Dollar an Garantien für Ausfälle bei strukturierten Wertpapieren auszahlen musste.
Die US-Regierung hatte insgesamt mehr als 182 Mrd. Dollar in AIG gepumpt, um den Konzern auf dem Höhepunkt der Finanzkrise vor dem Zusammenbruch zu bewahren.
dpa/rts
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