WM lässt Wüstenkurse sprießenAktienmarkt in Katar jubelt

Der erfolgreiche Zuschlag für die Austragung der Fußball-WM in zwölf Jahren macht sich positiv bemerkbar: Die Börse steigt auf ein 26-Monats-Hoch. Investoren spekulieren darauf, dass gigantische Investitionen notwendig sein werden, um die WM auf die Beine zu stellen. Zu den größten Profiteuren werden wohl die Banken gehören.
Die Vergabe der Fußballweltmeisterschaft 2022 an Katar hat die Aktienmärkte des Emirats beflügelt. Zu Handelsbeginn am Sonntag legte der Katar-Index um sieben Prozent zu und stieg auf ein 26-Monats-Hoch. Trotz einer späteren Beruhigung im weiteren Tagesverlauf durch Gewinnmitnahmen lag das Kursbarometer vormittags immer noch über vier Prozent im Plus. "Kurzfristig wird der Zuschlag einen sehr positiven Einfluss auf die Börsen in Katar haben", sagte Analyst Shakeel Sarwar von Securities & Investment. In den letzten 16 Jahren sei dies bei allen Gastgeberländern der Fall gewesen.
Zu den größten Gewinnern gehörten die Papiere des Geldhauses Masraf Al Rayan und des Immobilienkonzerns Barwa Real Estate. Sie gewannen 4,9 beziehungsweise 6,2 Prozent.
Katar darf als erstes arabisches Land 2022 eine Fußball-WM ausrichten. Im Land brachen nach der Verkündung am vergangenen Donnerstag durch FIFA-Chef Blatter Jubelstürme aus. Außerhalb Katars sehen viele die Vergabe allerdings skeptisch: In zwölf Jahren wird die Fußball-WM in einem Land stattfinden, in dem im Sommer Temperaturen von bis zu 50 Grad im Schatten herrschen, bei einer Luftfeuchtigkeit von bis zu 80 Prozent. Gleichzeitig ist das Land gerade einmal halb so groß wie das deutsche Bundesland Hessen und beherbergt nur rund 840.000 Einwohner.
Starke Volkswirtschaft begrüßt die Welt
Um in Katar eine Fußball-Weltmeisterschaft auf die Beine zu stellen, sind in den nächsten zwölf Jahren gigantische Investitionen notwendig. Sorgen, dass das Geld ausgehen könnte, braucht sich wohl niemand machen. Denn kaufkraftbereinigt hatte Katar im Jahr 2009 das weltweit höchste Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf.
Auch die Wachstumsraten sind schwindelerregend hoch: Sie lagen im vergangenen Jahr trotz Wirtschaftskrise bei 9,5 Prozent. Für 2010 wird ein reales Wachstum zwischen 18 und 20,5 Prozent erwartet. Man darf also davon ausgehen, dass sich die Kataris die besten Architekten, Baufirmen, Berater und Verkehrsexperten holen werden, um die nötige Infrastruktur aus dem Wüstenboden zu stampfen. Dazu werden auch Stadien gehören, die wegen der fürchterlichen Sommerhitze mit solarbetriebenen Klimaanlagen ausgestattet werden sollen, aber auch moderne Unterkünfte, sowie neue Straßen, Brücken und ein nagelneues Personennahverkehrsnetz.