Wirtschaft

Turbulente Hauptversammlung: Aktionäre wütend auf Tepco-Bosse

Seit über drei Monaten dauert die Katastrophe im AKW Fukushima an, jetzt machen die Aktionäre des Betreiberkonzerns Tepco ihrem Ärger Luft. Auf der Hauptversammlung muss sich der Vorstand heftige Vorwürfe gefallen lassen.

Tepco-Aktionäre warten auf Einlass - einige wollen ihr Gesicht nicht zeigen.
Tepco-Aktionäre warten auf Einlass - einige wollen ihr Gesicht nicht zeigen.(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Mehr als drei Monate nach der Katastrophe im japanischen Atomkraftwerk Fukushima hat die Betreiberfirma Tepco heftige Kritik von ihren Aktionären geerntet. Mehr als 9100 Anteilseigner nahmen in Tokio an der ersten Jahreshauptversammlung nach der Atomkatastrophe teil - so viele wie noch nie.

In gereizter Atmosphäre versuchte einer der Aktionäre zum Auftakt, Tepco-Präsident Tsunehisa Katsumata als Moderator der Hauptversammlung das Vertrauen zu entziehen, scheiterte aber mit dem Antrag. Mehr als 400 Aktionäre konnten sich zudem nicht mit einer Forderung durchsetzen, dass der Konzern aus der Atomkraft aussteigt.

Das Management des Energiekonzerns Tepco musste sich bittere Vorwürfe gefallen lassen, für die Katastrophe letztlich verantwortlich zu sein. Der Tsunami, der die Kühlsysteme des AKW am 11. März zerstörte, hätte einkalkuliert werden müssen, meinte ein wütender Aktionär. Die Krise sei ein "von Menschenhand gemachtes Desaster". Kritisiert wurde bei der turbulenten Sitzung auch das Krisenmanagement von Tepco nach der Katastrophe.

Aktienkurs abgestürzt

Die Aktionäre sind auch deshalb wütend, weil der Wert der Aktie in Folge der Krise um 85 Prozent abgestürzt ist. Ende Mai hatte Tepco einen Nettoverlust in Höhe von 1,3 Billionen Yen (11 Milliarden Euro) für das am 31. März beendete Geschäftsjahr ausgewiesen. Das ist der höchste je von einem japanischen Konzern außerhalb des Finanzsektors erlittene Fehlbetrag.

Am 11. März hatten ein Beben der Stärke 9,0 und eine Tsunamiwelle im Nordosten Japans verheerende Schäden angerichtet. Mehr als 23.000 Menschen starben oder gelten als vermisst. Beben und Tsunami lösten am Atomkraftwerk Fukushima zudem die größte Atomkatastrophe seit dem Reaktorunfall von Tschernobyl vor 25 Jahren aus.

Auf das Unternehmen kommen gewaltige Entschädigungszahlungen zu. Wegen der entwichenen Radioaktivität mussten Tausende von Menschen ihre Häuser und Arbeitsplätze aufgeben. Bauern und Fischer können ihre verseuchten Produkte nicht mehr absetzen. Auch andere Firmen leiden unter der Furcht im In- und Ausland, ihre Produkte könnten verstrahlt sein.

Milliardenschwerer Rettungsfonds

Die japanische Regierung will der Betreiberfirma daher mit einem milliardenschweren Rettungsplan unter die Arme greifen. Ein Fonds, in den neben dem Staat auch andere Energiekonzerne einzahlen sollen, soll Tepco helfen, die mehr als 85.000 Opfer des Atomunfalls entschädigen zu können.

"Es tut uns aufs Tiefste leid, dass wir ihnen Ärger und Sorgen bereitet haben", sagte der Präsident des Konzerns, Tsunehisa Katsumata. Er versprach den Aktionären, die andauernde Katastrophe in den Griff zu bekommen und den Konzern drastisch zu reformieren.

Konzernchef Masataka Shimizu tritt deshalb zurück. Shimizu übernimmt mit seinem Rücktritt die Verantwortung für die Krise. Als Nachfolger wurde der bisherige Direktor Toshio Nishizawa nominiert.

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Quelle: n-tv.de

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