Wirtschaft

Übernahmen schießen ins KrautAlle wollen Kalisalz

23.08.2010, 13:23 Uhr
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Begehrter Rohstoff: Kalisalz (Foto: Reuters)

Kali steht für die Hindu-Göttin des Todes und der Zerstörung. Kali bedeutet aber auch Erneuerung, und das kommt der Sache näher: Kalisalz ist ein Dünger-Grundstoff, der die wachsende Weltbevölkerung mit Lebensmitteln versorgen soll.

In einer Provinz in Mittelkanada bahnt sich eine übernahmeschlacht an: Fast 40 Mrd. Dollar oder 130 Dollar je Aktie will der weltgrößte Minenbetreiber BHP Billiton für Potash of Saskatchewan auf den Tisch legen, um den kanadischen Konzern zur Not auch gegen dessen Willen zu übernehmen. Doch selbst diese Summe könnte zu niedrig sein. Denn der chinesische Chemiekonzern Sinochem deutete nun an, möglicherweise in die Rüstung des weißen Ritters schlüpfen zu wollen und zumindest an Teilen von Potash interessiert zu sein.

Anleger wetten bereits auf ein lukratives Bieterwettrennen – der Kurs der Potash-Aktien stieg am Freitag auf 152,50 Dollar und liegt damit deutlich über dem BHP-Angebot. Analysten halten es nicht für ausgeschlossen, dass sich noch Rohstoff-Riesen wie Rio Tinto oder Vale in den Übernahmepoker einklinken. Aber was macht das Unternehmen aus Saskatchewan so interessant für die Weltkonzerne? Kalisalz, ein Grundstoff für Düngemittel. Die beginnende Übernahmeschlacht ist nur ein weiteres Zeichen dafür, dass die immer wichtiger werdende Düngemittelbranche mächtig in Bewegung ist.

Hungrige Welt

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Die Verarbeitung ist aufwendig. (Foto: Reuters)

Angesichts des rapiden Welt-Bevölkerungswachstums sehen Analysten die Nachfrage nach Düngemitteln in den kommenden Jahren weiter wachsen. Kali-Düngemittel werden mit großem Aufwand aus Salzgesteinen oder Salzlösungen gewonnen. In der kanadischen Saskatchewan-Region lagern wiederum die weltweit größten gewinnbaren Kaliumvorkommen.

Da Kaliumsalze zum großen Teil in Minen abgebaut werden, wäre Potash für den Minenbetreiber Billiton eine äußerst interessante Erweiterung des eigenen Portfolios, das sich bisher aus Aluminium, Kohle, Kupfer, Eisenerz und Uran zusammensetzt. Bei dem staatlichen chinesischen Mischkonzern Sinochem könnten dagegen landespolitische Erwägungen im Vordergrund stehen. China will sich vom Lebensmittelimport unabhängig machen und ist mit acht Mio. Tonnen Kali jährlich der weltgrößte Importeur des Rohstoffes.

Überall Übernahmegerüchte

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Kalisalz rückt immer weiter ins Licht. (Foto: REUTERS)

Das beginnende Tauziehen um Potash ist dabei nicht die einzige Bewegung auf dem Kalimarkt. Erst kürzlich wurde der geplante Zusammenschluss mehrerer russischer Unternehmen bekannt, und auch um die deutsche K+S ranken sich immer wieder Übernahmegerüchte.

Weltweit wird Kali lediglich in zwölf Ländern produziert: Kanada, Russland, Weißrussland und Deutschland bedienen rund 75 Prozent der weltweiten Nachfrage. Dabei kontrollieren acht Konzerne momentan mehr als 80 Prozent des weltweiten Kalimarktes: Potash Corp of Saskatchewan, Mosaic, Agrium, K+S, Uralkali, Silvinit, Belaruskali und Israel Chemicals. Die Weltkaliproduktion lag im Jahr 2009 bei rund 34,7 Mio. Tonnen, der weltweite Absatz lag bei 32,0 Mio. Tonnen.

In Zuge der Finanzkrise hatten Investoren 2008 dem Agrarsektor den Rücken gekehrt und damit einen Preisverfall ausgelöst. Daraufhin war auch die Nachfrage nach Dünger eingebrochen. Im Zuge des jüngsten kräftigen Anstiegs der Weizenpreise in den vergangenen Wochen sind jedoch auch die Kali-Preise wieder stärker in den Fokus des Marktes gerückt.

Quelle: sla/rts/dpa