Wirtschaft

JahresendgeschäfteAlles hübsch fürs Fest

21.12.2010, 12:50 Uhr
imagevon Diana Dittmer

Weihnachten steht vor der Tür. Für viele ist es die Zeit, einmal abzuschalten und innezuhalten. Vorher müssen aber noch Einkäufe und der Hausputz erledigt werden. Auch in der Wirtschaft. Hier werden Bilanzen geputzt. Es wird "gevöllt" und es wird entschlackt.

Jahresendgeschaefte
So mancher gönnt sich vielleicht sonst nichts. (Foto: picture alliance / dpa)

Die Weihnachtsfeiertage und der Jahreswechsel sind traditionell die Zeit, in der auch Manager und Börsianer die Füße hochlegen. Heiligabend und Neujahr bleibt die Börse bekanntlich geschlossen. Aber noch ist es nicht so weit. Wer meint, die Geschäfte ruhen, liegt falsch. Die Feiertage mögen ihren Lichterschein vorauswerfen, aber noch herrscht Betriebsamkeit in den Führungsetagen.

Die Tage vor Weihnachten werden genutzt für Weihnachtsshopping im Großen wie im Kleinen sowie "Ausputzarbeiten" oder kosmetische Maßnahmen. Fonds hübschen mit dem so genannten Window Dressing ihre Positionen auf. Und Unternehmen bemühen sich, bei Personalfragen und strategischen Fragen - wo möglich - Baustellen zu schließen und klar Schiff zu machen. Wer noch etwas loswerden möchte, sucht Käufer, wer noch dazukaufen möchte, schnappt sich was.

Zu denjenigen, die in den letzten Tagen dieses Jahres noch etwas in trockene Tücher bringen, gehören die Märklin-Gläubiger. Sie segnen den Insolvenzplan für den Modelleisenbahnhersteller ab und erhalten damit rund 33 Mio. Euro - etwas mehr als die Hälfte ihrer Forderungen. Ab nächstem Jahr muss sich die Traditionsfirma nun wieder aus eigener Kraft am Markt behaupten. Einen passenderen Termin hätte sich Insolvenzverwalter Pluta nicht aussuchen können, fällt der Termin für die Gläubigerversammlung doch in eine Zeit, in der sich Väter traditionell mit ihren Kindern auf den Aufbau der Eisenbahn an Heiligabend freuen.

Für gute Stimmung sorgt auch die Gesellschaft für Konsumklima GfK -zum letzten Mal in diesem Jahr. Die Ökonomen reden den kleinen Dämpfer beim Konsumklima in Dezember hübsch und weisen darauf hin, dass der Verbraucher die Wirtschaft nicht im Stich lassen wird. Verheißungsvolle Aussichten für 2011 und der Konsument an sich hat die tragende Rolle. Für das große und ganze Wirtschaftsklima wird er sogar immer bedeutender werden, heißt es. Vor dem inneren Auge sieht man Verbraucher, die mit Affenarmen den Wirtschaftsaufschwung sichern. Der Einzelhandel hofft erst einmal auf viel Trubel bis Heiligabend.

Rio Tinto: Der will noch mal, ...

Rio-Tinto
Rio Tinton will Riversdale übernehmen. (Foto: REUTERS)

Wenn sich ein Unternehmen in diesem Jahr einen Namen für geplatzte Übernahmen gemacht hat, dann ist es der australische Bergbauriese Rio Tinto. Im Oktober musste sich das Unternehmen den Wettbewerbshütern beugen und das geplante milliardenschwere Joint Venture mit BHP Billiton absagen. Pünktlich zum Fest versucht das Management nun doch noch einmal, sich etwas zu gönnen. Einem Zeitungsbericht zufolge legt der Bergbaugigant beim Kampf um den Kohleminenbetreiber Riversdale ein Brikett drauf und bietet rund 16 statt bislang 15 australische Dollar pro Riversdale-Aktie. Das Unternehmen besitzt qualitativ gute Kokskohle, die zur Herstellung von Stahl benötigt wird. Der Rohstoff ist vor allem in Indien und China heiß begehrt. Ob dieser Coup auf den letzten Metern gelingt, ist ungewiss. Wie es heißt, stehen nicht nur fünf staatlich geführte indische Firmen in den Startlöchern, sondern auch mehrere andere Unternehmen als da wären: Die brasilianische Vale, die schweizerisch-britische Xstrata, die britische Anglo American und der US-Konzern Peabody Energy. Aber vielleicht steht das neue Vorhaben von Rio Tinto unter einem besseren Stern als das mit BHP.

Zum Zuge kommen wird wohl - das berichten zumindest die Insider - die zweitgrößte kanadische Bank Toronto-Dominion (TD). Sie steht angeblich vor dem Kauf des Finanzdienstleisters Chrysler Financial. Der Weihnachtsdeal soll dem Unternehmen 6,3 Mrd. Dollar wert sein, heißt es. Das Geschäft würde einige Scharten auswetzen, die sich der Eigner, die Investmentgesellschaft Cerberus Capital Management, beim Kauf von Chrysler im Jahr 2007 zugezogen hat. Chrysler meldete 2009 Insolvenz an und wurde vom Staat gestützt. Die Finanzierungssparte wurde vom Autobauer Chrysler abgespalten. Chrysler wird mittlerweile vom italienischen Autobauer Fiat kontrolliert.

Apax findet Takko schön

Hierzulande ist offenbar der Bieterwettkampf um die den Textildiscounter Takko auf der Zielgraden. Insidern zufolge wird Apax Partners das Rennen machen. Die britische Private-Equity-Gesellschaft könnte 1,3 Mrd. Dollar für Takko zahlen, wird berichtet. Die Frist für den Abschluss der Verhandlungen endet Donnerstag, einen Tag vor Heiligabend. Möglicherweise soll die Transaktion aber bereits vorher besiegelt werden.

Bilfinger
Bilfinger wird seine Australien-Tochter endlich los. (Foto: REUTERS)

Für Aufräumarbeiten nutzt der Bau- und Dienstleistungskonzern Bilfinger Berger die letzten Wochen des Jahres. Er schlägt seine Australien-Tochter erfolgreich los. Käufer ist der australische Immobilienentwickler Lend Lease. Damit kommt Bilfinger Berger nicht nur mit der Verschlankung seines Baugeschäfts voran, sondern nimmt auch noch umgerechnet 700 Mio. Euro ein. Ein Abschluss des Kaufs wird im ersten Quartal 2011 erwartet - der Verkauf benötigt noch die Zustimmung der australischen Kartellbehörde. Freuen darf sich die Geschäftsführung aber wohl schon unterm Weihnachtsbaum. Ein erbauliches Jahresende. Denn Bilfinger Berger hatte Anfang Juli den Börsengang seines Australiengeschäfts kurz vor dem geplanten Termin wegen mangelnder Nachfrage abblasen müssen.

"Zischen den Jahren", wenn hoffentlich die letzten Geschäfte unter Dach und Fach sind, kommt dann endlich Ruhe auf. Aber für Börsianer und Manager wird es nur eine kurze Verschnaufpause sein. Bereits am 3. Januar 2011 legt die Börse wieder los. Dann gilt es, den guten Ergebnissen dieses Jahres hinterherzulaufen. Möge das Geschäft brummen.

Quelle: i