Wirtschaft

Zähes Umschulden nach Pleite: Argentinien sucht Anschluss

Nach einer zweiten Umschuldugsrunde verbucht Argentinien immerhin eine Einigung bei gut 92,4 Prozent der Zahlungsausfälle gegenüber Privatanlegern. Den Anschluss an den Geldmarkt hat das südamerikanische Land damit aber immer noch nicht geschafft.

Präsidentin Cristina Kirchner bei den 200-Jahr-Feierlichkeiten zur "Mairevolution". Am 25. Mai 1810 wurde erstmals eine Regierung der nationalen Unabhängigkeit gebildet.
Präsidentin Cristina Kirchner bei den 200-Jahr-Feierlichkeiten zur "Mairevolution". Am 25. Mai 1810 wurde erstmals eine Regierung der nationalen Unabhängigkeit gebildet.(Foto: REUTERS)

Fast zehn Jahre nach der schwersten Wirtschaftskrise des Landes hat Argentinien einen weiteren Schritt hin zur Einigung mit all seinen Gläubigern gemacht. Annähernd 70 Prozent der privaten Gläubiger, die dem südamerikanischen Land einst Geld geliehen hatten, akzeptierten einen Deal zur Abgeltung der Schulden, wie das Wirtschaftsministerium in Buenos Aires mitteilte.

Das Land versucht weiterhin, den Anschluss an den Kapitalmarkt zu finden und wieder an günstigere Kredite zu kommen. Trotz der relativ hohen Beteiligung der Gläubiger von 66,8 Prozent hat die Regierung ihr Ziel aber auch diesmal nicht erreicht, für Argentinien den internationalen Kreditmarkt zu günstigen Zinssätzen wieder zu öffnen. Das Land müsste derzeit für eine geplante neue siebenjährige Staatsanleihe einen Zinssatz zwischen 11,0 Prozent und 12,0 Prozent bezahlen und hat deshalb darauf verzichtet.

Anleger weiter zögerlich

Das Länderrisiko, das heißt der Zuschlag, den die Investoren von argentinischen Staatspapieren im Vergleich zu amerikanischen Treasury Bonds verlangen, war am Ende der Umschuldung – unter anderem als Folge der Griechenland-Krise – sogar höher als zu Beginn und ist seither weiter gestiegen.

Argentinien hat den Gläubigern angeboten, ein Drittel des ursprünglichen Werts der von ihnen gehaltenen Staatsanleihen zu bezahlen. Zusammen mit einem früheren Deal von 2005 haben nun insgesamt immerhin 92 Prozent der Gläubiger solche Entschädigungsangebote angenommen.

Das südamerikanische Land hatte 2001 mehr als eine halbe Million private Gläubiger schockiert, als es sich für zahlungsunfähig erklärt und seine Zahlungen eingestellt hatte. Es war einer der größten Ausfälle der Finanzgeschichte. Zahlreiche Gläubiger, die argentinische Staatsanleihen hielten und dem Land damit Geld geliehen hatten, blieben auf ihren Papieren sitzen. Auch viele deutsche Anleger, die teils auf Anraten ihrer Bank auf die Anleihen gesetzt hatten, befinden sich unter den Gläubigern. Argentinien versucht seit Jahren durch eine Einigung mit allen Gläubigern seine internationale Kreditwürdigkeit wieder herzustellen.

Auf Wachstumspfad

Neben der abgeschlossenen Umschuldung wird von Argentinien eine Lösung für seine unbedienten Schulden mit dem Pariser Club sowie eine Reorganisation des statistischen Amtes mit dem Ziel, die Wirtschaftsdaten wieder vertrauenswürdig zu machen. Zudem soll die Regierung eine Aufsicht durch den IMF zulassen.

In konjunktureller Hinsicht allerdings ist in Argentinien eine markante Erholung eingetreten. Für die ersten vier Monate des Jahres wird ein BIP-Wachstum von – auf Jahresbasis hochgerechnet – 7,5% verzeichnet. Für das Kalenderjahr 2010 wird sogar ein Wachstum von 9% angepeilt.

 

Quelle: n-tv.de

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