Wirtschaft

China hui - Westeuropa pfuiAsiaten fahren auf Autos ab

15.07.2010, 08:41 Uhr

Die Dynamik ist zurück im weltweiten Autoabsatz. Allerdings gibt es große Unterschiede: Während in Fernost und den USA die Autobauer das Gaspedal bereits wieder durchdrücken, versucht Westeuropa erst einmal aus dem Rückwärtsgang herauszuschalten - bisher nur mit mäßigem Erfolg.

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In China boomt der Autoabsatz - in Westeuropa nicht. (Foto: REUTERS)

Nach dem Krisenjahr 2009 hat die Weltautomobilnachfrage im ersten Halbjahr 2010 auf vielen Auslandsmärkten wieder Fahrt aufgenommen. Vor allem in den asiatischen Ländern hat sich die Pkw-Nachfrage sehr dynamisch entwickelt, wie der Verband der Automobilindustrie (VDA) mitteilte. Auch der US-Markt konnte im laufenden Jahr einen deutlichen Anstieg der Verkaufszahlen verbuchen. In Westeuropa wurde allerdings nur ein leichter Zuwachs verzeichnet, und in den neuen EU-Ländern lag die Zahl der Neuzulassungen zwischen Januar und Juni unter dem Vorjahresniveau.

So wurden in den USA im Juni knapp eine Million Light Vehicles (Pkw und Light Trucks) abgesetzt. Mit einem Plus von 14 Prozent setzte sich der Aufwärtstrend der vergangenen Monate fort. Allerdings sei der US-Markt noch deutlich von seinen früheren Höchstständen entfernt, erklärte der Verband. Im ersten Halbjahr 2010 stieg der US-Absatz um 17 Prozent auf 5,6 Millionen Light Vehicles. Die Verkaufe deutscher Marken legten im bisherigen Jahresverlauf sogar um 18 Prozent zu -- der Marktanteil stieg damit erneut an (7,5 Prozent).

China schaltet Gang zurück

In China habe die enorme Wachstumsgeschwindigkeit im abgelaufenen Monat erwartungsgemäß etwas nachgelassen. Die Pkw-Verkaufe legten im Juni zwar noch um fast ein Fünftel zu (plus 19 Prozent), dies entspricht jedoch der niedrigsten Zuwachsrate seit gut einem Jahr. Bis einschließlich Juni wurden in China mit knapp 5,4 Millionen Einheiten fast 50 Prozent mehr Pkw abgesetzt als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Die deutschen Hersteller, die durch ihr jahrzehntelanges Engagement eine feste Größe im chinesischen Automobilgeschäft sind, konnten mit der dynamischen Nachfrageentwicklung der vergangenen Monate mithalten und erzielten einen Marktanteil von nahezu 18 Prozent.

Inder fahren ab

In Indien hat sich der Pkw-Absatz im vergangenen Monat ebenfalls erfreulich entwickelt. Im Juni lagen die Verkaufszahlen ungeachtet eines Anstiegs der Fahrzeugpreise um 29 Prozent über dem Vorjahresmonat. Im ersten Halbjahr 2010 wurden in Indien damit mehr als 1,1 Millionen Pkw abgesetzt (plus 31 Prozent). Die deutschen Hersteller konnten von dem Nachfrageanstieg besonders profitieren und ihre Verkaufszahlen in den ersten sechs Monaten mehr als verdoppeln.

Der japanische Automobilmarkt zeigte sich auch im Juni anhaltend dynamisch. Mit rund 377.200 Einheiten erhöhte sich die Zahl der Neuzulassungen um 18 Prozent. Im ersten Halbjahr 2010 wurden in Japan fast 2,3 Millionen Pkw abgesetzt, ein Anstieg von mehr als 23 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Brasilien im Rückwärtsgang

In Brasilien war die Pkw-Nachfrage im Juni den zweiten Monat in Folge rückläufig, nachdem im März das staatliche Konjunkturprogramm ausgelaufen war. In den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres wurden in Brasilien nahezu 1,5 Millionen Light Vehicles verkauft, ein Plus von 7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Auf dem russischen Pkw-Markt haben die konjunkturelle Erholung und die seit einigen Monaten laufende Abwrackprämie laut VDA zu einer deutlichen Nachfragebelebung geführt. Die Pkw-Verkaufe stiegen im Juni um 45 Prozent. Nachdem der Absatz im ersten Quartal des Jahres noch um ein Viertel unter dem Vorjahresniveau lag, verzeichneten die Verkaufszahlen im zweiten Quartal einen Anstieg um fast ein Drittel. In der ersten Jahreshälfte 2010 wurden damit in Russland 3 Prozent mehr Fahrzeuge abgesetzt als im gleichen Zeitraum 2009.

Westeuropa fährt hinterher

In Westeuropa war die Pkw-Nachfrage im Juni erwartungsgemäß leicht rückläufig. Mit rund 1,3 Millionen verkauften Pkw lag das Neuzulassungsvolumen jedoch saisonbereinigt um knapp 7 Prozent über den Mai-Zahlen. Im ersten Halbjahr ist der westeuropäische Pkw-Markt noch um 2 Prozent auf 7,1 Millionen Fahrzeuge gewachsen, da insbesondere das erste Quartal von einer incentive-bedingten lebhaften Nachfrage gekennzeichnet war.

Auch in den neuen EU-Ländern lag die Zahl der Neuzulassungen im Juni noch leicht unter dem Wert des Vorjahresmonats (minus 4 Prozent). Es zeichnet sich jedoch seit einigen Monaten eine Abflachung der Nachfragerückgänge ab, wie der VDA weiter mitteilte. In den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres betrug das Absatzminus allerdings noch 14 Prozent.

Quelle: DJ