Wirtschaft

"Das ist absolut nicht möglich"Athen lehnt Umschuldung ab

03.04.2011, 17:59 Uhr

Die Spekulationen um einen angeblich bevorstehenden Kurswechsel im Internationalen Währungsfonds IWF sorgen international für Aufsehen: Die EU-Kommission in Brüssel und die Regierung in Athen weisen Berichte über eine bevorstehende Umschuldungsaktion klar und deutlich zurück. Auch der IWF selbst meldet sich zu Wort.

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Gespräch in Brüssel MItte März: Giorgios Papakonstantinou und Jean-Claude Trichet (rechts). (Foto: picture alliance / dpa)

Trotz des wachsenden Drucks der Finanzmärkte

lehnen die EU-Kommission und Griechenland eine Umschuldung der

angeschlagenen Staatsfinanzen des Euro-Landes strikt ab. Es gebe keinen Grund

für einen solchen Schritt, erklärte ein Kommissionssprecher.

Griechenlands Finanzminister Giorgios Papakonstantinou wurde noch deutlicher:

"Das ist absolut nicht möglich", erklärte er am Rande einer

Unternehmenskonferenz in Italien. "Wer über eine Umschuldung redet, hat

nicht verstanden, dass die Kosten einer solchen Aktion die Vorteile bei weitem

übertreffen würden."

Der Internationale Währungsfonds (IWF) wies einen Bericht zurück, wonach er

zuletzt in Gesprächen mit europäischen Regierungen auf eine solche Entscheidung

gedrängt habe. "Wir unterstützen die griechische Haltung gegen eine

Umschuldung und die Entschlossenheit der Regierung in Athen, ihren

Verpflichtungen vollständig nachzukommen", sagte ein IWF-Sprecher. "Alle Berichte, die anderes behaupten, sind falsch." An den

Finanzmärkten wird erwartet, dass Griechenland um eine

Umschuldung nicht herumkommt und damit die Investoren in Mithaftung genommen

werden.

Der "Spiegel" berichtete ohne Nennung von Quellen, der IWF habe seine

Haltung geändert und trete inzwischen in Europa für eine Umschuldung

Griechenlands ein. Demnach halten die IWF-Experten einen Schuldenschnitt für

denkbar, ebenso wie eine Verlängerung der Laufzeiten von Staatsanleihen oder

niedrigere Zinszahlungen. In allen drei Fällen müssen die Inhaber griechischer

Anleihen auf einen Teil ihrer Rendite verzichten. Der IWF wolle, dass die

griechische Regierung schon bald Gespräche mit ihren Gläubigern über eine Umschuldung

aufnehme, hieß es weiter.

"Kein Grund darüber nachzudenken"

Die Beteiligten pochten dagegen auf ihre bisherigen Positionen: "Alle

Unterstützungsmaßnahmen sind in Kraft und es gibt keinen Grund, jetzt damit zu

beginnen, über die Möglichkeit einer Restrukturierung der griechischen Schulden

nachzudenken", sagte der Sprecher der EU-Kommission.

In deutschen

Regierungskreisen wurde gleichfalls auf die Bemühungen verwiesen, Griechenland

von seinem Schuldenberg herunterzuhelfen: "Mit der jüngst beschlossenen

Zinssenkung und Kreditlaufzeitverlängerung hat Europa schon einiges dafür

getan, dass Griechenland seine Schulden wie verabredet wird zurückzahlen

können", hieß es.

Auch das von der Regierung in Athen angekündigte

Privatisierungsprogramm über 50 Mrd. Euro werde einen Beitrag dazu leisten.

Europa und der IWF seien der Überzeugung, dass Griechenland, aber auch Irland

ihre Schulden bedienen könnten, sagte ebenso der Chef des Euro-Rettungsschirms,

Klaus Regling, der "Irish Times".

IWF und Europäische Union hatten Griechenland vor einem Jahr mit

Milliardenkrediten unter die Arme gegriffen, weil das hochverschuldete

Euro-Land am Kapitalmarkt Risikoaufschläge in Rekordhöhe für seine

Schuldenpapiere bieten musste und damit zahlungsunfähig zu werden drohte.

Die

EU-Staaten vereinbarten zuletzt einen langfristigen Rettungsmechanismus für

angeschlagene Staaten. Wegen der Ungewissheit über eine Beteiligung privater

Gläubiger an der Sanierung eines Staates haben die Ratingagenturen die

Kreditwürdigkeit von Griechenland, Portugal und Irland zuletzt aber wieder

schlechter beurteilt. Damit verteuert sich die Finanzierung des aufgenommenen

Kapitals deutlich, was die Haushalte der Staaten weiter belastet.

Quelle: rts