Wirtschaft

Viele offene RechnungenAthen schuldet Firmen Millionen

13.04.2011, 11:38 Uhr

In griechischen Kassen herrscht Ebbe. Die Regierung ist so klamm, dass Rechnungen bei Unternehmen und Bürgern nicht mehr bezahlt werden können. Trotz der akuten Finanznot lehnt das hochverschuldete Land eine Umschuldung ab.

Papakonstantinou
Papakonstantinou: "Wir müssen mit dem auskommen, was wir haben." (Foto: REUTERS)

Griechenlands öffentliche Kassen sind trotz der zugesagten Notkredite der Euro-Partner in Milliardenhöhe leer. Finanzminister Giorgos Papakonstantinou räumte in einem Interview Zahlungsrückstände ein, gegenüber nationalen und ausländischen Unternehmen.

"Wir sind dabei, diese ausstehenden Zahlungen zu beschleunigen, sagte Papakonstantinou dem "Handelsblatt". "Aber wir befinden uns nun mal in einer sehr schwierigen Haushaltslage und müssen mit dem auskommen, was wir haben." Das Land schuldet dem Bericht zufolge allein der deutschen Privatwirtschaft rund 500 Mio. Euro. Weltweit seien die Außenstände nach Angaben des Ministers etwa zehnmal so hoch, schrieb das Blatt.

Papakonstantinou sagte der Zeitung, das Land müsse 2012 über Bond-Emissionen 25 bis 30 Mrd. Euro aufnehmen. "Und wir sehen, dass die Risikoaufschläge im Moment noch sehr hoch sind."

Umschuldung ist kein Thema

Eine Umschuldung lehnt der Minister weiter ab: "Der damit verbundene Vertrauensverlust hätte zur Folge, dass wir auf lange Zeit von den Finanzmärkten ausgeschlossen blieben." Zudem könnten die mit einer Umschuldung verbundenen Verluste der privaten Investoren zu Stabilitätsproblemen im griechischen und europäischen Bankensystem führen, so Papakonstantinou. "Hinzu kommen mögliche Ansteckungseffekte. All das macht eine Restrukturierung für Griechenland nicht wünschenswert", sagte der Minister.

Für 2011 ist Griechenland nach den Worten Papakonstantinous durch die Hilfskredite voll finanziert. Das Land hat Zusagen über Notkredite von EU und IWF in Höhe von 110 Mrd. Euro. Seit Wochen wird immer wieder über eine Umschuldung spekuliert. EU, IWF und Regierung in Athen haben solche Pläne aber bislang dementiert.

Griechenlands Gläubiger müssten nach Überzeugung der Ratingagentur Standard & Poor's im Falle einer Umschuldung auf große Teile ihrer Forderungen verzichten. Er rechne mit einem Schnitt der Verbindlichkeiten "um 50 bis 70 Prozent des aktuellen Werts", sagte Moritz Kraemer, Leiter des S&P-Teams für die Bewertung europäischer Staaten, der "Zeit."

Athen will zurück an den Markt

Es sei zwar denkbar, dass Europa im Ernstfall zunächst nur eine Streckung von Laufzeiten oder eine Reduzierung von Zinszahlungen erwäge. "Wir aber halten es für wenig sinnvoll - und daher auch für wenig wahrscheinlich - die enormen Folgen eines solchen Schrittes für den Marktzugang und die Finanzierungskosten eines Landes in Kauf zu nehmen, wenn man die Schuldenlast zugleich nur von aktuell 160 Prozent auf 130 Prozent senkt", sagte Kraemer. Der Schritt lohne sich nur, wenn die Schulden nachhaltig reduziert würden.

Kraemer bezifferte die Wahrscheinlichkeit einer Umschuldung Griechenlands auf "fast ein Drittel". Denn Athen sei einer Rückkehr an den Markt in den vergangenen zwölf Monaten "nicht wesentlich näher gekommen". Hingegen glaubt das hoch verschuldete Land weiter fest daran, eine Umschuldung abwenden zu können. "Die umfangreichen Reformen werden zum Wachstum führen und damit werden wir sie (eine Umschuldung) abwenden", sagte Finanzminister Papakonstantinou.

Zuletzt gab es immer wieder Spekulation, dass Athen seine Schulden nicht zurückzahlen und ein Schuldenschnitt auch private Gläubiger treffen könnte. EU-Währungskommissar Olli Rehn hatte eine Umschuldung aber zuletzt ausgeschlossen. Der Schritt könnte die Märkte verunsichern und damit auch die Finanzierung anderer Länder erschweren.

Irland, das als zweiter Staat Hilfen der Eurozone beantragt hatte, hat nach Kraemers Einschätzung hingegen bereits den Wendepunkt erreicht. "Eine Umschuldung halten wir für außerordentlich unwahrscheinlich", sagte Kraemer. Auch Portugals Lage sei "längst nicht so dramatisch wie die Griechenlands". Portugal war erst kürzlich unter den europäischen Rettungsschirm geschlüpft.

Quelle: rts/dpa